USA-Reise 1997, Historische Route 66, Reisebericht:   «    ‹   Teil 4.11   › 

Planungsaspekte

Bei unseren bisherigen drei Reisen von 1987 bis 1994 hatten wir etliche der weitgehend bekannten Ziele im Wilden Westen der USA von den Rocky Mountains bis zur Pazifikküste besucht. Unsere Überlegungen für eine weitere Reise drehten sich daher zunächst um Ziele weiter im Osten, z.B. die großen Seen einschließlich der Niagara-Fälle, das Mississippigebiet, die großen Ebenen (Great Plains) oder die Appalachen. Wegen entsprechender Zeitungsartikel, die von einer touristischen "Wiederbelebung" der historischen Route 66 (Chicago IL - Santa Monica CA) berichteten, sollte die geplante Reise möglichst ein sehenswertes Stück dieser ehemals berühmten Fernstraße einschließen. Aus beruflichen Gründen war eine längere Reise von ca. 4 bis 5 Wochen nur in der Zeit von etwa Mitte Juni bis Anfang September möglich. Während dieser Sommersaison wollten wir Florida und die Golfküste incl. New Orleans wegen ihres feucht-warmen (schwülen) Klimas meiden. Aus gesundheitlichen Gründen wurde Anne jedoch von einem mehrwöchigen Aufenthalt im feucht-kühlen Klima der großen Seen abgeraten, sondern statt dessen das trocken-warme Wüstenklima im Westen angeraten. Einer der Ärzte empfahl als USA-Kenner, ggf. einen Abstecher z.B. von Denver zu den großen Seen auf ein paar Tage zu beschränken, wenn die Niagara-Fälle denn unbedingt an der Reiseroute liegen müßten, jedoch die übrige Zeit in trockenen warmen Wüstengebieten bzw. z.T. im Gebige zu verbringen. Damit rückte eine auf den ersten Blick geradezu verwegen anmutende Rundreise von Los Angeles (CA) zu den Niagara-Fällen (Ontario/Canada bzw. NY) und weitgehend über die Route 66 zurück nach LA so weit in den Bereich des Möglichen, daß wir ernsthaft begannen, sie zunächst probeweise auszuarbeiten. Im nächsten Kapitel 4.12 sind ein paar interessante Angaben zur Route 66 zusammengestellt.

Bereits zu Beginn dieser Planung hatten wir die Vorstellung, die Route 66 auf dem Rückweg von den großen Seen nach LA zu befahren, also in der gleichen Richtung wie seinerzeit die in den Westen strömenden Automobiltrecks. Da die Route 66 ab St. Louis bereits ziemlich weit im Süden der USA verläuft, bot sich für den Hinweg zu den Niagara-Fällen eine Strecke nördlich davon an. Nach einem Tag in Santa Monica und Hollywood zum Akklimatisieren planten wir die Hinfahrt durch das Death Valley (Scotty's Castle) und den Norden von Nevada zur Lehman Cave bei Baker NV. Zur Cumbres & Toltec Scenic RR, der zweiten noch betriebenen Schmalspur-Eisenbahn in den Rockies von Chama NM nach Antonito CO wurde ein Abstecher nach Süden erforderlich, der am Black Canyon des Gunnison (CO) vorbeiführte, um die beim ersten Besuch ausgelassene Fahrt in diesen Canyon hinein nachzuholen. Über Breckenridge CO (hist. Bergbau) sollte es bei Denver CO auf den Pikes Peak 14110 ft = ca. 4300 m) gehen, dessen für seine Bergrennen berühmte Straße bei einer früheren Reise gesperrt war. Die anschließende Fahrt durch Nebraska und Iowa zum Michigan-See versprach außer dem Eisenbahnmuseum der Central Pacific in Omaha NE und der Museumsbahn in Boone IA keine besonderen Höhepunkte. Einen Besuch der "Windy City" Chicago IL haben wir wegen unserer Aversion gegen Großstädte nicht vorgesehen. Dagegen lockte in Dearborn MI (kurz vor Detroit) das Ford-Museum mit dem angeschlossenen Museumsdorf "Greenfield Village", in dem u.a. Edisons Labor ausgestellt ist. Durch die kanadische Provinz Ontario sollte der Weg am Nordufer des Erie-Sees entlang zu den Niagara-Fällen führen.

Das Anfangsstück der Route 66 von Chicago IL nach St. Louis MO sollte ausgelassen werden, weil uns auf dem direkten Weg von Buffalo NY nach St. Louis die Reifenfirma Goodyear in Akron OH, die Siedlungen der deutschstämmigen Amish in Zentral-Ohio und die Mammouth Cave sehenswert erschienen. Ab St Louis MO haben wir vorgesehen, im wesentlichen der Route 66 zu folgen und Sehenswertes in deren Nähe mitzunehmen, z.B. Independance Day, Gateway Arch und Museum of Transport in St. Louis MO, die Meramac Cave als ehemaliges Versteck des Eisenbahnräubers Jesse James und seiner Bande, den permanenten Flohmarkt Connie's Antiques bei Joplin MO, eine Viehauktion in Amarillo TX, den Palo Duro Canyon und die "Cadillac Ranch" bei Amarillo sowie den Sandia Peak (per Seilbahn) bei Albuquerque NM. Da wir den direkt an der Route 66 gelegenen Petrified Forest NP bereits kannten, wurde im östlichen Arizona eine Schleife zum historischen Bergwerksort Bisbee AZ und seiner Umgebung an der mexikanischen Grenze eingeplant. Als Sehenswürdigkeiten an der weiteren Strecke wurden vorgesehen: Saguaro NM, Collossal Cave und Pima Air Museum bei Tucson AZ, Desert Botanical Garden in Phoenix AZ, Oak Creek Canyon, Meteor Crater, Walnut Canyon, Sunset Crater & Wupatki NM in der Nähe von Flagstaff AZ, die alte Route 66 zwischen Seligman und Kingman AZ mit der Grand Canyon Cavern an dieser Strecke, Oatman AZ Ghost Town, das Bagdad Cafe in Newberry Springs CA als Drehort des Films "Out of Rosenheim" mit Marianne Sägebrecht, Calico CA Ghost Town und zum Schluß der Vergnügungspark Knotts Berry Farm in Buena Park bei Los Angeles CA.

Die Planung dieser Reise basiert zum überwiegenden Teil auf geeigneten Angaben in der inzwischen gesammelten USA-Reiseliteratur sowie auf Empfehlungen von Freunden und Kollegen. Während dieser Zeit (Ende 1996 / Anfang 1997) wurden erstmals auch Informationen aus dem Internet zur Reiseplanung verwendet, zumal in dem für diese Reise beschafften aktuellen Reiseführer über die Route 66 bereits Internetadressen zum Erschließen weiterer aktueller Informationen angegeben sind. Im nächsten Kapitel 4.12 sind ein paar interessante Angaben und Links zur Route 66 zusammengestellt. Als Start- und Zielpunkt einer wegen der Mietwagenkosten zweckmäßigen Rundreise wurde bereits zu Planungsbeginn Los Angeles festgelegt, weil dorthin viele preiswerte Urlaubsflüge angeboten wurden und die Mietwagenkosten dort deutlich geringer waren als im Staat New York. Der günstigste Linienflug gegen Ende der Vorsaison konnte bei British Airways von Hannover über London nach Los Angeles gebucht werden.

Zur detaillierten Planung der Reise wurde eine Tabelle für die vorgesehenen Tagesetappen, die zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten und die Übernachtungsorte aufgestellt, wie sie als tabellarischer Reiseverlauf im übernächsten Kapitel 4.2 angegeben ist. Dabei fehlten jedoch fast alle erst vor Ort auszuwählenden Motels. Lediglich für die ersten beiden Nächte und die letzte Nacht wurde ein Zimmer in einem günstigen Hotel am Internationalen Flughafen von Los Angeles (LAX) von Deutschland aus fest gebucht. Die zugrundegelegten Entfernungen wurden den verfügbaren Karten entnommen, wobei die Angaben in Meilen zweckmäßigerweise beibehalten und nicht einzeln in km umgerechnet wurden (1 mi = 1,609 km, d.h. ca. 1,6 km). Die zugehörigen Fahrzeiten sind bei der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 55 mph (auf Freeways auch schon mal 65 bis 75 mph) entsprechend der jeweiligen Straßenkategorie näherungsweise mit folgenden Durchschnittsgeschwindigkeiten geschätzt und auf ganze Stunden gerundet worden.

Dabei sind kurze Stopps zum Tanken bzw. an Aussichtspunkten an der Strecke bereits eingeschlossen. Bei den Fahrtstrecken und Übernachtungsorten gab es während der Reise entsprechend den vorgefundenen Gegebenheiten (z.B. Besichtigungsobjekte mehr oder weniger interessant als erwartet, zusätzlich entdeckte Sehenswürdigkeiten an der Route oder vorgesehener Übernachtungsort zu klein bzw. ohne geeignetes Motel) naturgemäß gegenüber der Planung gewisse zeitliche Verschiebungen und Streckenänderungen in beiden Richtungen. Insgesamt wurden statt der geplanten 7218 mi (11614 km) tatsächlich 8742 mi (14066 km) zurückgelegt, also eine um 1524 mi (2452 km), d.h. 21 % längere Strecke. Der größte Teil davon entfällt auf die bei der Planung bewußt nicht erfaßten Fahrten im Nahbereich zu verschiedenen bzw. zusätzlichen Sehenswürdigkeiten, zum Einkaufen, zu Waschsalons, zu preiswerteren Logis in den Außenbezirken größerer Städte und teilweise auch zum Essen, zum Anschauen der betreffenden Stadt und/oder ihrer Umgebung sowie manchmal auch zum Suchen einer bestimmten schwer zu findenden Sehenswürdigkeit.

Stand: 10.03.2007 / © MG


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