USA-Reisevorbereitungen & Hinweise:   «    ‹   Hinweise 5   › 


Restaurants (Gästeempfang, Bestellung, Bezahlen & Trinkgeld)


Restaurants

Europäer und besonders Deutsche betrachten amerikanische Restaurants und deren kulinarischen Genüsse oft mit einer gewissen Hochnäsigkeit, die in vielen Fällen jedoch völlig unangebracht ist. Selbstverständlich sind zahlreiche Hamburger- und Imbißrestaurants, z.B. McDonald, Burger King, Jack in the Box, Der Wienerschnitzel, Kentucky Fried Chickens u.a.m. in ihrem Ursprungsland ganz vergleichbar zu den Niederlassungen dieser Marken oder entsprechenden Nachahmungen hierzulande. Diese Kategorie jedoch für die amerikanische Gastronomie schlechthin zu halten, ist mehr als verwegen. Als nächste Kategorie findet man zahlreiche Kettenrestaurants mit Bedienung, z.B. (überregional) Denny's, Jerry's, (regional) Tiny Neighbor's, 4 B's u.a.m., solche, die außerdem Buffets anbieten, z.B. Shoney's, Kettle's, Chuck Wagon und andere, sowie zahlreiche Restaurants verschiedenster Größen und Namen mit "American Food", in denen man sich während einer Reise durchaus kostensparend ernähren kann, ohne dabei zuzunehmen. Dabei sollte man bedenken, daß nach amerikanischer Gepflogenheit ein üppiges Frühstück (breakfast), das entsprechend sättigt und demzufolge lange vorhält, ein leichtes Mittagessen (lunch), das eventuell nur aus einem Salat oder einem Sandwich besteht, und ein umfangreiches Abendessen (dinner) üblich sind. Neben den typisch amerikanischen Lokalen gibt es wie bei uns, viele Restaurants aller möglichen Volksgruppen, z.B. mit Chinese Food, Indonesian Food, Mexican Food und, je nach Region bzw. Stadtteil, viele andere.

In den nächsthöheren Kategorien geht es dann immer vornehmer und abends auch immer dunkler zu, und in "richtig vornehme" Restaurants kommt man als dort unbekannter Gast ohne Tischbestellung von einer bekannten Firma oder einem renommierten Hotel oftmals gar nicht hinein, obwohl durchaus noch Tische frei sind. Hier wollen die Reichen und die Schönen offenbar unter sich sein, und die freien Tische sind dann natürlich alle reserviert. Mit einem Seitenblick auf die Reisekasse sollte einem der Verzicht auf ein solches "Spitzenrestaurant" mit seinem extra vornehmen Habitus und dem ggf. übersichtlich arrangierten Essen dann vielleicht nicht allzu schwerfallen.In den meisten Restaurants gehört das uniforme Aussehen des Personals zur "Corporate Identity". Das reicht von nahezu identischer Kleidung, z.B. Blue Jeans und weißer Bluse in einem kleinen rustikalen Restaurant, über die bekannten Uniformen der großen Ketten bis hin zu ausschließlich Kellnerinnen gleichen Typs und zum Verwechseln ähnlicher Figur, die nicht nur gleich gekleidet, sondern bei gleicher Haarfarbe und -länge auch gleich frisiert und geschminkt sind. So war ich mir bei einem abendlichen Geschäftsessen in einem entsprechend vornehmen Restaurant erst nach dem Hauptgang sicher, daß unsere Gruppe nicht nur von drei, sondern von fünf verschiedenen Serviererinnen bedient wurde. Ich gebe ja gerne zu, daß ich durch die in dieser Kategorie übliche Weite der Dekolletés und Höhe der Rocksäume zunächst wirkungsvoll von den entscheidenden nicht durch Make-up angleichbaren Details der Gesichter abgelenkt war.

 
Gästeempfang

Gewöhnungsbedürftig scheint für viele Deutsche die amerikanische Sitte zu sein, in ein Restaurant oberhalb der Frittenbudenkategorie nicht einfach hineinzustürmen und sich an einen für frei angesehenen Tisch zu setzen. In besseren Restaurants wartet man gefälligst am Emfangspult oder ggf. in der Nähe der Kasse, bis jemand vom Personal oder ein eigens dafür vorhandener Desk Clerk nach den Wünschen fragt (z.B. wie viele Personen, Raucher oder Nichtraucher, ggf. Platz an der Essenstheke), die Gäste dann zu einem aufgeräumten und sauberen freien Tisch begleitet, allen die Speisenkarten vorlegt und im allgemeinen auch gleich nach den Getränkewünschen fragt. Falls man dem Lokal nicht gleich ansieht, ob man von einem Desk Clerk empfangen wird oder nicht, bzw. ob das je nach Tageszeit und Andrang auch mal wechselt, gibt es in der Nähe des Eingangs meistens ein unübersehbar wuchtiges Schild mit dem Hinweis: "Please wait here to be seated". Falls das in umsatzschwachen Zeiten nicht erforderlich ist, kann ein solches Schild häufig umgedreht werden und fordert dann dazu auf: "Please seat youself". In Zweifelsfällen wartet man besser in Nähe der Kasse, um zu zeigen, daß man weiß, was sich gehört. Entweder kommt dann jemand, um einen zum Tisch zu bringen, oder man wird höflich aufgefordert, sich selbst einen passenden Platz zu suchen. Die zunächst unverständliche Frage nach der Personenzahl rührt daher, daß amerikanische Gäste üblicherweise vor dem Eingang aus dem Auto steigen und schon in das Restaurant gehen, während der Fahrer noch das Auto parkt und dann nachkommt. So kann der Desk Clerk nicht sicher sein, ob er bereits alle Personen vor sich hat, oder noch jemand hinzukommt. Vornehme Restaurants in Innenstadtlagen mit versteckten oder sogar etwas entfernten Parkplätzen bzw. Parkhäusern haben auch Valet Parking, wie bereits bei den betreffenden Hotels beschrieben.

Mit dem Begleiten der Gäste zu einem Tisch werden mehrere, nicht auf den ersten Blick offensichtliche Dinge bezweckt. Die Gäste werden nach einer allenfalls kurzen Wartezeit persönlich empfangen und begrüßt, und dann an einen sauberen, meist bereits gedeckten Tisch wunschgemäß im Raucher- oder Nichtraucherbereich geführt. Sie erhalten sofort die Speisenkarten und bekommen in unglaublich kurzer Zeit zumindest etwas Alkoholfreies zu trinken, und sei es in den heißen Gegenden auch nur das obligatorische Eiswasser. Außerdem können die Gäste durch die Zuweisung eines Tisches gleichmäßig auf die verschiedenen Kellnerreviere verteilt werden mit entsprechend günstigen Auswirkungen auf deren Arbeitsbelastung und Verdienst sowie auf möglicht kurze Wartezeiten für den Gast. Sofern ein Lokal entsprechend schwach besucht ist, kann es durchaus passieren, daß im Revier eines jeden Kellners zunächst nur jeder zweite Tisch besetzt wird. Dadurch soll ganz offensichtlich die Vertraulichkeit einer dezenten Unterhaltung an den einzelnen Tischen weitgehend sichergestellt werden. Falls in dem gewünschten Raucher-/Nichtraucher-Bereich alle Tische besetzt sind, kann man seinen Namen und die zugehörige Personenzahl in eine Warteliste eintragen lassen und sich auf eine eigens dafür vorhandene Wartebank oder, falls vorhanden, an die Bar setzen und dort einen Drink bestellen. Diesen Drink kann man später mit an seinen Tisch nehmen. Auf eine entsprechende Frage bekommt man die geschätzte voraussichtliche Wartezeit genannt und kann daraufhin entscheiden, ob man warten will oder nicht. Im allgemeinen ist der Gästeandrang jedoch ein Indiz für entsprechende Qualität des Lokals, wenn er nicht gerade an einer Raststätte durch eine Busladung von Touristen verursacht wird. Aus eigener Erfahrung sollte man einen amerikanisch klingenden Vornamen in eine solche Warteliste eintragen lassen, weil es sonst leicht passieren kann, daß man seinen eigenen Namen nicht versteht, wenn er von jemand anderem aufgerufen wird, als er notiert worden ist. In solchen Fällen hilft dann nur, sich zu diesem unverständlichen Namen zu bekennen, falls sich niemand anders meldet und die zugehörige Personenzahl stimmt. Nach mehreren weniger geschickten Versuchen haben wir uns schließlich zu der amerikanisierten Kurzform "Freddy" meines Vornamens "Manfred" durchgerungen, in Anlehnung an einen in Deutschland bekannten älteren Schlagersänger mit gleichem Vornamen. Wir waren erstaunt, auf wie viele verschiedene Weisen sogar dieser einfache Name geschrieben wurde, wenn wir mal einen Blick auf die Warteliste erhaschen konnten, mit doppeltem oder einfachem 'd' in der Mitte und mit 'ie', einfachem 'i' oder sogar dem erwartetem 'y' am Schluß. Aber seitdem konnten wir unseren Aufruf "Freddy, party of 2" (Freddy, Gesellschaft von 2 Personen) wenigstens immer eindeutig erkennen.

 
Bestellung

Je nach Restaurant sind die Speisenkarten teils ähnlich aufgemacht wie bei uns zu Hause, teils ein sechsseitiges Faltblatt oder, z.B. in vielen Kettenrestaurants wie eine Werbebroschüre mit zahlreichen Bildern der angerichteten Speisen. Diese letzte Variante ist anfangs am bequemsten, solange man mit den Bezeichnungen der Gerichte noch nicht vertraut ist. Kaffee und Soft Drinks (Cola, Limonaden, Mineralwasser) werden in aller Regel ebenfalls sehr schnell (oft noch vom Desk Clerk) serviert. Dabei sollte man berücksichtigen, daß Kaffee fast immer und in vielen Fällen auch Soft Drinks kostenlos nachgeschenkt werden, wenn man außerdem Essen bestellt. Dabei ist es besonders in warmen Gegenden zum "Nachfüllen" des durch das ungewohnte Schwitzen auftretenden Wasserverlustes günstig, daß der amerikanische Kaffee nicht so stark ist wie bei uns und man normalerweise unbedenklich größere Mengen davon trinken kann. Auf die Frage nach Bier, Wein oder gar harten Spirituosen kann es in amerikanischen Speiserestaurants häufig vorkommen, daß man "Sorry, we have no licence" zur Antwort bekommt. Die normale "License to Operate a Beverage and Food Servicing Establishment" (Gaststättenlizenz) schließt nämlich, anders als in Deutschland, die Erlaubnis zum Alkoholausschank nicht ein. Dafür ist eine zusätzliche "Alkohollizenz" erforderlich, und Kellner bzw. Serviererinnen, die Alkohol zu Gästetischen tragen dürfen, müssen wie die zum Alkoholgenuß berechtigten Gäste in den meisten Bundesstaaten der USA mindestens 21 Jahre alt sein. So passiert es oftmals, daß man schon beim Bestellen von Bier auf den Waiter (Kellner) verwiesen wird, wenn das Lokal zwar eine Alkohollizenz hat, der Desk Clerk aber noch zu jung ist, um mit solchen gefährlichen Waren zu hantieren. Auch bei einem jüngeren Kellner passiert es immer wieder, daß sein älterer Kollege aus dem Nachbarrevier das Bier bringt, das auf der Restaurantrechnung meistens separat als Umsatz der Bar ausgewiesen wird.

Während der Bestellung bricht jedoch über den unbedarften Gast ein meist unerwartetetes Frage- und Antwortspiel bezüglich der Zubereitungsart und möglicher Optionen bestimmter Speisen herein, mit dem er anfangs manchmal ziemlich überfordert sein kann. Daß ein Steak rare (noch blutig bzw. Englisch), medium (mittel) oder well done (duchgebraten) zubereitet werden kann, ist ja inzwischen auch hierzulande den meisten geläufig. Bei den geradezu obligatorischen "Eiern" zum Frühstück gibt es jedoch bereits eine größere Zubereitungsvielfalt wie over easy, over medium, over hard (auf amerikanische Art von beiden Seiten leicht, mittel oder hart gebraten), sunny side up (klassisches Spiegelei von nur einer Seite gebraten) oder scrambled (Rührei). Hinzu kommt als mögliches Meat (Fleichbeilage) z.B. Beacon (angebratener Schinkenspeck), Ham (angebratene Scheibe gekochter Schinken) oder Sausages (mehrere gebratene kleine Würtstchen wie Nürnberger oder Regensburger mit oft undefinierbarer Füllung) sowie als Kartoffeln Hush Browns (gebratene Kartoffelschnitzel wie in Schweizer Röstis) oder Fries (French fried potatoes = Pommes frites). Dabei ist der Bacon oft so kross gebraten, daß man ihn nicht mehr mit der Gabel anstechen, sondern nur noch in die Hand nehmen und abbeißen kann. Zum Abschluß gibt es wahlweise Muffins (kleine süße Mürbeteigkuchen) oder Toast mit Jam oder Jelly (Konfitüre oder Gelee), wobei wenigstens zwischen white, Wheat oder Rye Toast (weißem, Weizen- oder Roggen-Toast) gewählt werden kann. Dabei wird der Toast oft bereits vor dem Toasten mit Butter bestrichen, oder Butterflocken werden unmittelbar danach zwischen zwei heiße Toastscheiben gelegt. Heutzutage triefen die Hush Browns nicht mehr vor Fett und bringen somit auch nicht mehr den Verdauungstrakt eines Mitteleuropäers für mehrere Tage aus dem Gleichgewicht, aber sättigend ist ein solches Country Breakfast allemal, ob man es sich nun so zusammenstellt oder en bloc in Auftrag gibt. Aber an dem Frage- und Antwortspiel führt kein Weg vorbei. Natürlich gibt es zahlreiche andere Nahrungsmittel zum Frühstück, aber wenn keine Eier dabei sein sollen, bleibt außer cereals (Müsli, inzwischen auch bei uns Zerealien) oder einem morgens nicht überall erhältlichen Sandwich nicht viel übrig. Hinter einem French Toast verbirgt sich eine große in Ei gewälzte und dann getoastete oder gebratene Scheibe Weißbrot, und die bei vielen Amerikanern mit äußerst süßem Ahornsirup gleich stapelweise so beliebten Pancakes (Pfannkuchen) können ihre Verwandtschaft zu Omeletts keinesfalls leugnen. Obwohl man heute fast überall Orangensaft zum Frühstück bestellen kann, haben wir den frisch gepreßten, mit reichlich Fruchtfleisch durchsetzten Saft reifer Orangen in deren Anbaugebieten geradezu als Offenbarung empfunden. Hierzulande konnte "Dittmeyer's Valensina" noch am ehesten einen Eindruck davon vermitteln, bevor diese Marke vor einiger Zeit leider vom Markt verschwunden ist.

Bei den übrigen Mahlzeiten kann die Vielfalt der Salatdressings einen darin noch ungeübten Gast zur Verzweiflung bringen, wenn er z.B. zwischen Ranch, French, Italian, Blue-green Cheese, Thousand Islands u.a.m. auswählen soll. Wenn eine vielleicht sogar noch eingewanderte Serviererin eine derartige Liste in dem ihr eigenen Slang zügig herunterbetet, hat man kaum eine Chance, alles zu verstehen, geschweige denn, sich einen möglichen Favoriten bis zum Ende der Liste zu merken. Der Unterschied zwischen Ranch und French ist auch uns erst aufgegangen, als wir beide Namen auf entsprechenden Flaschen im Supermarkt gesehen haben, denn akustisch konnten wir das zuvor nie unterscheiden. Selbst wenn einem ein bestimmtes Dressing besonders schmeckt und man sich sogar dessen Namen gemerkt hat, kann man sicher sein, daß es auf der Angebotsliste des nächsten Restaurants fehlt. Aber auch hierbei gehört dem Mutigen die Welt, und so haben wir manche Serviererin damit verblüfft, indem wir z.B. mit "the third one, please" einfach das dritte Dressing ihrer Aufzählung bestellt haben. Nach einiger Zeit schmeckte uns persönlich Thousand Islands ganz gut, das meistens verfügbar ist und mit dem man sich wegen seiner Konsistenz nicht so leicht vollkleckert. Eine andere Tücke mündlicher Kommunikation bei der Bestellung können, besonders in besseren Restaurants, die Specials of the Day (Tagesgerichte) sein, die häufig nicht auf der Karte stehen, sondern von der Bedienung nur mündlich vorgetragen werden. Auch das geschieht zuweilen in nicht besonders akzentuierter Aussprache und oftmals schneller, als ein ungeübter nicht-amerikanischer Gast zuhören kann. Sofern einem nicht klar wird, was man als Special zu welchem Preis bekommt, sollte man besonders am Anfang der Reise entweder ein Gericht von der Karte auswählen, oder bei Interesse so lange nachfragen, bis man alles gut genug verstanden hat, bevor man bestellt. Andererseits sind die gerade die Specials oft ganz attraktiv, so daß es sich nach einiger Übung durchaus lohnt, das eine oder andere zu probieren.

Neben vielen anderen Gerichten gehören natürlich die Steaks zu den bekanntesten Fleischgerichten in den USA. Da besonders Texas als der Rinder- und Steak-Staat schlechthin gilt, ist man auch außerhalb von Texas in einem Lone-Star Steakhouse in aller Regel gut aufgehoben, denn der einzelne Stern symbolisiert das Wappen von Texas. Neben etlichen anderen Steak-Arten sei besonders das Prime-Rib empfohlen, das es in verschiedenen Größen und Zubereitungsarten (gebraten, gegrillt oder gekocht) gibt. Dabei handelt es sich nach Aussagen von Fachleuten um ein Stück Fleisch aus der hohen Rippe, das man in dieser Form und Qualität nur von den amerikanischen Rinderrassen bekommt, wenn sie sich auf offener karger Weide im wesentlichem von vertrocknetem Gras ernähren, also dabei viel laufen müssen. Mit unseren Rinderrassen und vor allem mit einer Mast im Stall oder auf fetter Weide sei so etwas generell nicht zu erreichen. Deshalb haben wir diese Art von Steaks in Deutschland bisher noch nicht gefunden. Nachdem meine Frau und Mitautorin Anne meine Schwärmerei dafür anfangs nicht verstehen konnte, ist sie seit ihrem ersten Prime-Rib in einem renommierten Steakhaus (damals Mr. Steak, heute Bob and Jan's Prime Rib and Lobster House) in Grand Junction CO in diesem Punkt bekehrt und uneingeschränkt meiner Meinung. Mein erstes Prime-Rib habe ich bereits Jahre zuvor in dem oben bereits erwähnten Restaurant mit den fünf verschiedenen zum Verwechseln ähnlichen Serviererinnen mit großem Genuß verzehrt.

 
Bezahlen & Trinkgeld

Gegenüber den hiesigen Restaurants gibt es bezüglich des Bezahlens in den USA drei bemerkenswerte Unterschiede:

1. In allen ausgezeichneten Nettopreisen ist weder die Mehrwertsteuer (VAT = Value Added Tax) noch das Bedienungsgeld für den Service (Tip = Bedienungsgeld und Trinkgeld) enthalten, sondern zusätzlich zu entrichten. Dabei wird die VAT auf der Rechnung (Check) ausgewiesen und zum Nettopreis hinzugerechnet. Das Tip ist dagegen nach eigenem Ermessen (siehe 3.) auf dem Tisch zu hinterlassen.

2. Alle an einem Tisch getätigten Umsätze werden auf einer gemeinsamen Rechnung (Check) abgerechnet, die auf Anforderung (in vornehmen Lokalen verdeckt) an den Tisch gebracht wird. Eine Aufteilung auf einzelne Personen wird vom Servicepersonal generell nicht vorgenommen. Getrennt abrechnende amerikanische Geschäftsleute sind daher sehr geübt in der Aufteilung der Rechnung und des zugehörigen Trinkgeldes auf die Beteiligten am Tisch und das Einsammeln der betreffenden Teilbeträge. Am Ende dieser Prozedur bleibt das nötige Trinkgeld auf dem Tisch liegen und der "Einsammler" bezahlt die Gesamtrechnung. Bei Urlaubsreisenden dürfte dieses Problem nomalerweise nicht auftreten, wenn z.B. für eine Familie ohnehin gemeinsam bezahlt wird.

3. Bezahlt wird üblicherweise an der Registrierkasse in der Nähe des Ausgangs, wahlweise in bar, mit Reisescheck (Traveller's Cheque in US$) oder mit Kreditkarte. Im Normalfall ist vorher das Tip (Bedienungsgeld und Trinkgeld) auf dem Tisch zu hinterlassen. Bei zunächst fehlendem Kleingeld kann man das Tip nach dem Bezahlen an der Kasse vom Wechselgeld noch zum Tisch bringen. Empfohlen werden in vielen Reiseführern 15 bis 20 % des Nettoumsatzes (excl. VAT). In preiswerten Restaurants sind nach unseren Erfahrungen und Beobachtungen einheimischer Gäste offenbar 10 bis 15 % üblich. Bei Zahlung mit Kreditkarte und fehlendem Kleingeld kann das Tip auf der Rechnung in einer eigens dafür vorgesehenen Zeile nachgetragen und mit dem Rechnungsbetrag zu einer Gesamtsumme zusammengerechnet werden. Falls man bei Bezahlung mit Kreditkarte das Tip bar hinterläßt, sollte man auf dem Kreditkartenbeleg vor der Unterschrift das Betragsfeld in der Tipzeile streichen und den Bruttobetrag auch als Gesamtsumme eintragen, um spätere Nachträge möglicht zu verhindern.

In vornehmen Restaurants nimmt der Kellner die Bezahlung am Tisch entgegen, jedoch nicht mit dicker Geldtasche wie bei uns, sondern er trägt sie diskret zu der dann meistens sehr unauffällig angeordneten Kasse. In diesem Fall legt man das Geld (am besten passend mit Tip) oder die Kreditkarte diskret in die Mappe bzw. Faltkarte, in der die Rechnung auf einem passenden Tablett bzw. Teller gebracht wurde. Der Kellner wird das in aller Regel beobachten, oder man läßt einen Geldschein bzw. die Kreditkarte etwas aus der Mappe herausschauen, damit das im Vorbeigehen zu sehen ist. Der Kellner holt dann das Tablett mit Mappe und Inhalt ab, erledigt die Zahlung und bringt das Wechselgeld bzw. den zu unterschreibenden Kreditkartenbeleg mit der Karte genau so diskret zurück. Nachdem man den entsprechenden Teil des Wechselgeldes bzw. die Kreditkarte an sich genommen hat, bleibt das Tip bzw. der unterschriebene Beleg incl. Tip diskret in der Mappe auf dem Tisch zurück. Man kann ziemlich sicher sein, daß der Kellner die Richtigkeit dieser Hinterlassenschaft überprüft hat, noch bevor man durch die Tür aus dem Lokal hinaus ist.

Man sollte bedenken, daß das Servicepersonal in amerikanischen Restaurants normalerweise ausschließlich vom Tip lebt. Daher wird jeder Kellner jene Gäste als Zechpreller empfinden, die diesen hierzulande nur als Trinkgeld angesehenen Obolus "vergessen", weil er sich dadurch um den gerechten Lohn für seine Arbeit gebracht sieht. Wenn er solche Gäste noch vor dem Augang erwischt, wird er sie fragen, ob sie mit dem Service nicht zufrieden waren und ggf. warum nicht. Wenn sie ihm jedoch entwischt sind, wird er er dies sogar in einem vornehmen Lokal ganz erschüttert seinen Kollegen in einer "angemessenen" Lautstärke berichten, so daß zumindest die in der Nähe sitzenden Gäste mitbekommen, was ihm durch den offensichtlichen Verfall der Sitten für eine Schweinerei widerfahren ist. Wenn Sie also wiederkommen wollen, vergessen Sie keinesfalls das Tip für den Kellner, das großenteils dessen Lohn (d.h. das reguläre Bedienungsgeld) und nur teilweise die Anerkennung für guten Sercice ist.

Stand: 18.05.2007 / © MG


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