Pleonasmen (doppelt gemoppelt) & andere Stilblüten
einschließlich falscher Wortwahl & Silbentrennung


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  1. Vorbemerkungen
  2. Erläuterungen
  3. Beispiele
    3.1 Die neuesten Einträge
    3.2 Alphabetische Liste der Beispiele
          1 – 9 | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L
          M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
  4. Quellen & Fundstellen
  5. Unvollständiges Hintergrundmuster (nur bei Firefox)
    Weitere Navigation

1. Vorbemerkungen

Auch die Sprache leidet offensichtlich unter einer Inflation der Begriffe. Wenn heutzutage etwas nicht wenigstens 'wahnsinnig interessant' ist, lohnt es sich offenbar kaum noch, eine solche Meldung überhaupt zu beachten. Dabei empfahl Balthasar Gracián (1601 – 1658) bereits im 17. Jahrhundert: "Nie übertreiben. Es sei ein wichtiger Gegenstand unserer Aufmerksamkeit, nicht in Superlativen zu reden." [Handorakel und Kunst der Weltklugheit] Diese nützliche Empfehlung wird jedoch auch heute noch gründlich missachtet. Als wohlfeiles Steigerungsmittel zum Übertreiben werden außerdem sinngleiche oder sinnähnliche Ausdrücke überflüssigerweise angehäuft (Pleonasmen). Dazu gehören nicht nur die 'weißen Schimmel' oder die 'schwarzen Rappen', sondern auch, dass man etwas 'bereits schon' erledigt habe oder etwas 'noch mal' eben machen müsse, selbst wenn das erste Mal und nicht dessen Wiederholung gemeint ist, und anderes mehr. Deshalb habe ich einige dieser im Volksmund als 'doppelt gemoppelt' bezeichneten überflüssigen Häufungen, die mir aufgefallen sind, hier als Stilblüten erfasst.

Eine weitere Gruppe bilden die nach unzulässig vereinfachten 'neuen deutschen Trennungsregeln' (entsprechend [1c] oder [1d] unter Missachtung von [1a]) brutal und/oder sinnentstellend getrennten einsilbigen Wörter, z.B. Byte (By- te), Charme (Char- me) oder Moos (Mo- os), um auch schmale Spalten beim Spaltensatz in einem möglichst gleichmäßigen Grauwert erscheinen zu lassen. Als ich diesen Schwachsinn, der eindeutig gegen die gültigen Trennungsregeln verstößt, die ersten Male gesehen habe, bin ich fast vom Glauben abgefallen, aber dieser Fortschritt ist wohl auch hier kaum aufzuhalten. Problematisch ist außerdem die Trennung von zusammengesetzten Wörtern, deren zweiter Teil mit einem Vokal beginnt, z.B. Stand|ort (Stan- dort) oder Teen|ager (Tee- nager) (entsprechend [1c] unter Missachtung von [1b] bzw. [1e]). Dass solche sinnentstellenden Trennungen eine Zumutung für den Leser sind, weil sie den Lesekomfort und die Lesegeschwindigkeit erheblich beeinträchtigen, scheint nicht einmal mehr die Redaktionen seriöser Tageszeitungen zu stören. Was scheren die heutigen Hilfssetzer schon die vielen Leser, wenn's doch nur dem schnellen Vollschreiben und Bedrucken von noch mehr (ungelesenem?) Papier dient. Nicht einmal Profis der deutschen Sprache scheinen heute noch bereit zu sein, für ihre Massendrucke wie Zeitungen professionelle Trennroutinen in geeigneten Satzprogrammen zu verwenden bzw. das darin hoffentlich enthaltene Wörterbuch für die in ihren Texten vorkommenden Ausnahmen von den allgemeinen Regeln [1c] bzw. [1d] zu pflegen und zu ergänzen, wenn sie den fertig umgebrochenen Text nicht nochmals Korrektur lesen lassen. Kein Wunder also, dass bei solchen Praktiken viele Zeitungsverlage über einen fortschreitenden Schwund an Abonnenten klagen und daher glauben, immer mehr für Werbung in eigener Sache aufwenden zu müssen.

"Das Verb ist die Seele eines jeden Satzes", ist uns seinerzeit im Deutschunterricht geradezu eingebleut worden. Die Spätfolgen dieser Maßnahme halten bei mir bis heute, über 50 Jahre nach dem Schulabschluss, immer noch an, genau wie die meisten Regeln der damals gültigen, heutzutage 'alten' Rechtschreibung und Zeichensetzung. Deshalb schaudere ich immer noch über das bei Justiz, Behörden und Kaufleuten so heiß geliebte Stilmittel, alle aussagekräfigen und lebhaft wirkenden Verben in oftmals schwerfällig anmutende Substantive (mit den Endungen -ung, -heit oder -keit) umzuwandeln und als Satzaussage (Prädikat) nur noch ein farbloses Hilfsverb zu verwenden, damit der Satz grammatisch vollständig wird. Besonders beliebt im Verein mit diesen sog. Verbalsubstantiven ist der Zeitwortmörder 'erfolgen', mit dem z.B. 'eine Verhaftung erfolgen', statt jemand einfach nur 'verhaftet werden' kann [4]. Aber auch Formulierungen wie 'zur Anwendung kommen' (statt anwenden), 'zur Anzeige bringen' (statt anzeigen) u.a.m. führen gleichermaßen zu einer gestelzten Sprache. Weiterhin habe ich ein paar Aussagen gesammelt, die durch den Gebrauch des falschen grammatischen Geschlechts (Genus) mehr oder weniger gründlich verunglückt sind, und alle übrigen Stilverstöße, die ich bemerkt habe, als 'sonstige Stilblüten' aufgenommen. Auf die vorangestellten Erläuterungen (2.) folgt das Hauptkapitel (3.) mit Hinweisen auf die 10 – 20 neuesten Einträge (3.1) und den gesammelten Beispielen in alphabetischer Folge (3.2). Mit über 340 Einträgen ist diese Liste schneller gewachsen, als ich zuvor geschätzt habe, und inzwischen ziemlich umfangreich geworden. Deshalb kann aus dem Inhaltsverzeichnis direkt zum ersten Eintrag mit jedem vorkommenden Anfangsbuchstaben gesprungen werden. Die Quellen der benutzten Regeln und ein paar Anmerkungen zu den Fundstellen der aufgelisteten Stilblüten folgen unter (4.) unmittelbar vor der Navigation. [^ Inhalt]

 
2. Erläuterungen

*
°
ª
¹
²
³
Pleonasmus (doppelt gemoppelt)
unzulässige oder sinnentstellende Silben- bzw. Worttrennung
Anglizismus (im Deutschen weitgehend unbekannter Begriff)
Juristen-, Behörden- oder Kaufmannsdeutsch bzw. Substantivismus
falsches Geschlecht (siehe auch dort unter dem betr. Stichwort)
sonstige Stilblüte oder sachlich falscher Begriff    [^ Inhalt]

 
3. Beispiele

3.1 Die neuesten Einträge

  1. Sachverhaltsaufklärung stattfinden ¹ statt besser 'Sachverhalt aufklären'
  2. He- alth ° statt richtig 'Health'
  3. falscher Bezug im Relativ(neben)satz ³ statt richtig 'passende Satzstellung'
  4. zur Aufführung bringen ¹ statt besser 'aufführen'
  5. Steinbrecher Straße oder Steinbrecherstraße ³ was davon ist richtig?
  6. alleine nur * statt richtig lediglich 'alleine' bzw. lediglich 'nur'
  7. Urlaub- squartiere ° statt richtig 'Ur- laubs- quar- tie- re'
  8. sein- erzeit ° statt richtig 'sei- ner- zeit'
  9. Hitzeschild, das ~ ² statt richtig 'der Hitzeschild'
  10. Bism- arckstraße ° statt richtig 'Bis- marck- stra- ße'
  11. Nota- bitur ° statt richtig 'Not- abi-tur'
  12. Betriebsbüro (m/w) ³ statt richtig 'Techniker (m/w) für das Betriebsbüro'
  13. Megawatt pro Jahr statt richtig 'Megawattstunden pro Jahr'
  14. Komödienst- adel ° statt richtig 'Komödien- stadel'
  15. Dass Gebäude ³ statt richtig 'Das Gebäude'
  16. Firmenname * statt richtig 'Firma'
  17. Firma ist explodiert ³ statt richtig 'Betrieb (oder Fabrik) ist explodiert'
  18. hochnebelartiger Nebel * statt richtig 'Hochnebel'
  19. saubere und gut erhaltene Sachspenden ³ statt richtig
    'Spenden sauberer und gut erhaltener Sachen'
  20. Inselt- hema ° statt richtig 'In- sel- the- ma'
  21. Stundenkilometer pro Stunde ³ statt richtig 'Kilometer pro Stunde'
  22. kon- nte ° statt richtig 'konn- te'
  23. Ve- rarbeitung ° statt richtig 'Ver- ar- bei- tung'     [^ Inhalt]

 
3.2 Alphabetische Liste der Beispiele

400 Millionen Einnahmen: ³ statt richtig 'Einnahmen von 400 Millionen (€)'
"Land fehlen 400 Millionen Einnahmen"
[Überschrift auf der Titelseite der hiesigen Tageszeitung]
Man kann zwar ahnen, was gemeint sein soll, aber dennoch ist die zitierte
Schlagzeile stilistisch verunglückt und entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Sofern klar ist, dass es um Geld in einer bestimmten Währung geht, wird
deren Einheit (in diesem Fall €) oftmals weggelassen. Das ist zwar nicht
ganz korrekt, aber stilistisch halbwegs akteptabel, solange dem Zahlenwert
nicht ein Begriff folgt, auf den sich die genannte Zahl formal richtig, aber
dennoch irrtümlich bezieht. '400 Millionen Einnahmen' suggeriert nämlich,
dass es sich dabei um ensprechend viele Einnahmeposten handelt, in wel-
cher Höhe auch immer. Nach dem Text des folgenden Artikels sind jedoch
400 Millonen Euro gemeint. Da im Zeichensatz der Zeitung offenbar das
€-Zeichen fehlt und für das Wort 'Euro' der Platz zu knapp war, hätte die
Formulierung 'Land fehlen Einnahmen von 400 Millionen' die zitierte Stil-
blüte vermieden.
Abfolge: ³ statt besser 'Ablauf' oder 'Folge'
[Zunehmend verbreitetes Modewort]
Die eingeführten Begriffe 'Folge' oder 'Ablauf' klingen etlichen Leuten
offenbar nicht interessant genug. Deshalb blähen sie die 'Folge' mit der
unnötigen Vorsilbe 'Ab' zu einem stilistisch misslungenen Wort auf. Bei
einigen Begriffen kann diese Vorsilbe sogar das Gegenteil bedeuten (sie-
he abisolierte Kabel)
Abgase- missionen: ° statt richtig 'Abgas- emissionen'
[Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
Nach der Rechtschreibreform gilt unverändert die Regel, dass einzelne Vokal-
buchstaben am Wortanfang oder -ende nicht abgetrennt werden, auch nicht
bei Komposita [1e] (siehe auch Bankü- berfall). Damit hat das Wort 'Emis|si|on'
(Mehrzahl: 'Emis|si|o|nen') auch in Komposita nur die angegebenen Trennfugen!
Die zitierte Trennung ist außerdem sinnentstellend, denn sie suggeriert, es han-
delte sich dabei um 'Missionen' durch 'Abgase'. Allmählich sollten die Satz- und
Trennprogramme für deutschen Text so weit ausgereift sein, dass sie endlich
die gültigen Trennungsregeln beachten!
abisolierte Kabel: ³ = isoliert oder nicht?
"... zeigt den umgelegten Strommasten mit den nicht abisolierten Kabeln."
[Aus einer Bildunterschrift in der hiesigen Tageszeitung]
Offenbar ist vielen Fachfremden der Unterschied zwischen 'isolieren' und
'abisolieren' nicht klar, sondern sie halten die Vorsilbe 'ab' für eine zusätz-
liche Ausschmückung (siehe auch Abfolge), um diesen Begriff komplizier-
ter und damit interessanter erscheinen zu lassen. Durch diese Vorsilbe wird
jedoch das Gegenteil von 'isolieren' ausgedrückt, nämlich das Entfernen
(Abmachen) der Isolierung, meist am Ende einer Kabelader, damit das leit-
fähige Metall (meistens Kupfer) in eine Klemme eingeführt und dort elek-
trisch leitend angeschlossen werden kann. Das kann zwar bei einiger
Übung mit einem Kabelmesser geschehen, besser jedoch mit einer sog.
Abisolierzange oder, bei industrieller Verdrahtung von Schaltschränken,
auch mit einer Abisoliermaschine. In dem o.a. Zitat war aber tatsächlich
gemeint "... zeigt den umgelegten Strommasten mit den nicht isolierten
Kabeln", an deren glatten Schnittflächen die Leiter nicht gegen Berühren
geschützt waren.
absch- ließend: ° statt richtig 'ab- schlie- ßend' | nach [1] in jedem der Wörter
ansch- ließend: ° statt richtig 'an- schlie- ßend' | nur diese beiden Trennfugen
[Aus verschiedenen Artikeln auf der Titelseite einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b])
Abschlus- sprüfung: ° statt richtig 'Abschluss- prüfung'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]).
Nach [1] hat 'Ab|schluss|prü|fung' nur diese vier Trennfugen!
Abwehrschild, das ² statt richtig 'der Abwehrschild', 'die Abwehrschilde'
"Das amerikanische Raketenabwehrschild ..."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
––> Schutzschild
Alb- recht oder Al- brecht: ° das ist die Frage
"Alb- recht" (Viermal ausschließlich die zitierte Trennung)
[Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
Die viermalige Trennung des Namens 'Alb- recht' fand ich beim Lesen des
zitierten Artikels über den Tod des jüngeren Aldi-Gründers Theo Albrecht
recht ungewöhnlich. Da Albrecht auch ein Vorname ist, zog ich daraufhin
den Duden [1] zu Rate und fand dort die beiden Trennfugen Al|b|recht.
Außer der schwarzen Trennfuge vor dem 'b' gibt es seit der Rechtschreib-
reform auch noch eine zweite, rot markierte, Trennfuge hinter dem 'b'. Da-
mit ist die zitierte Trennung zumindest formal korrekt. Aber offenbar sind
nicht nur die Wege des Herrn manchmal sonderbar, sondern auch die Be-
schlüsse der Dudenredaktion. Zur Worttrennung am Zeilenende gelten nach
[1] die übergeordneten Regeln: Einfache Wörter werden nach Sprechsilben,
zusammengesetzte Wörter und Wörter mit Vorsilben nach ihren erkennba-
ren Bestandteilen getrennt [1b]. Irreführende Trennungen bzw. Trennungen,
die beim Lesen die Sinnerfassung stören, sollten vermieden werden [1f].
Nur wenn gegen diese beiden Regeln nicht verstoßen wird, ist die allgemeine
Regel anzuwenden: Ein einzelner Konsonant im Wortinneren kommt in der
Regel auf die neue Zeile; von mehreren Konsonanten trennt man nur den
letzten ab [1c]. Durch die Trennung von Konsonantengruppen (hier 'br'),
die gemeinsam gesprochen werden, wird die Sinnerfassung bei schnellem
Lesen erheblich erschwert. Die Trennung 'Alb- recht' suggeriert nämlich
ein 'Recht' dieses Naturgeistes (bzw. gespenstischen Wesens) worauf auch
immer [1f]. Es ist bedauerlich, dass bei der Rechtschreibreform derart un-
sinnige Trennfugen in einfache Wörter eingefügt worden sind (siehe auch
Ap- ril und Kont- rast / Kont- rolle). Sie ermöglichen zwar einfachere
Trennungsroutinen, erschweren jedoch das zügige Lesen, das im Zeitalter
der computerunterstützten Textverarbeitung offenbar nichts mehr wert zu
sein scheint.
Alkohollenker: ³ statt richtig 'alkoholisierter Lenker' bzw. 'alkoholisierter Fahrer'
[Aus einem Bericht eines österreichischen Regionalsenders]
Ein 'Autofahrer' mag in unserem südöstlichen Nachbarstaat wohl auch
'Autolenker' heißen. Sonst kennt der Autor den Lenker hauptsächlich als
Teil eines lenkbaren Gefährts, z.B. einen 'Fahrradlenker' (im Gegensatz
zum 'Radfahrer'). Aber wer oder was ist bitteschön ein 'Alkohollenker'?
Ist das etwas, mit dem man den Alkohol lenkt, wobei auch immer, oder
ist das jemand, der dies tut? Aber offensichtlich war mit dieser Stilblüte
ein 'alkoholisierter Autofahrer' gemeint.
allein stehend: ¹ ³ statt richtig 'alleinstehend'
"allein stehende Frau sucht neuen Partner"
[Aus zahlreichen Ehe- und Bekanntschaftsanzeigen]
Spätfolgen aus dem ersten ungeeigneten Versuch der Rechtschreibreform,
möglichst alle Wortkombinationen mit Verben getrennt zu schreiben.
Nach den alten und nach den jetzigen Regeln bedeutet nämlich:
'alleinstehend' = keinen Lebenspartner haben und
'allein stehend' = ohne fremde Hilfe stehen können ohne umzukippen!
alleine nur: * ¹ statt richtig lediglich 'alleine' bzw. lediglich 'nur'
"Alleine nur wegen den zu erwartenden Kosten ein Scheidungsverfahren nicht
durchzuführen, könnte unter bestimmten Umständen ein Sparen am falschen Ende
sein." [Aus einem Inselmagazin]
Der zitierte Satz steht als Tipp am Schluss der Antwort einer Rechtsanwältin
auf die Frage, ob es reicht, sich nur zu trennen, ohne sich scheiden zu lassen.
Dabei fällt sofort der Pleonasmus 'alleine nur' am Satzanfang auf, von dem
eines der beiden doppelt gemoppelten Wörter weggelassen werden sollte. Da-
rauf folgt der 'Dativ nach wegen', 'wegen den ... Kosten' statt richtig 'wegen
der ... Kosten', sowie das finstere Behörden- bzw. Juristendeutsch in der For-
mulierung 'ein Scheidungsverfahren nicht durchzuführen' und der Substanti-
vismus 'könnte ... ein Sparen am falschen Ende sein'. Wie flüssig hätte es dem-
gegenüber geklungen: 'Wenn man sich nur wegen der zu erwartenden Kosten
nicht scheiden lässt, spart man möglicherweise am falschen Ende.' Es ist nach
wie vor betrüblich, dass sich viele Rechtsanwälte immer noch nicht von ihrem
'einstudierten' oftmals schwer verständlichen Juristendeuch lösen können, um
einen bestimmten Sachverhelt allgemeinverständlich darzustellen (siehe auch
Bombenentschärfungen durchführen, Sachverhaltsaufklärung stattfinden,
Schülerbeförderung erfolgen).
    [^]
ambulantes Operationszentrum: ³ statt richtig 'Zentrum für ambulante Operationen'
oder nur 'ambulante Operationen'
"Ambulantes Operationszentrum" [Hinweis an einer Innentür in einer Klinik]
––> vermischter Warenhändler
Angaben machen: ¹ statt besser 'angeben'
  1. "Angaben zum Ort des Gefängnisses machte die Behörde nicht."
    [Redaktionelle Formulierung in der hiesigen Tageszeitung]
    "Es wird um Verständnis gebeten, dass nähere Angaben zum genauen
    Inhaftierungsort aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Ver-
    urteilten nicht erfolgen können." [Aus einer Pressemitteilung der
    Staatsanwaltschaft nach einem Zitat in der hiesigen Tageszeitung]
  2. "Es ist unmöglich, Angaben über die Opferzahlen zu machen."
    [Aus den 12.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Die unter (1) zitierte Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft trieft von
reinstem Behördendeusch, wie man es sich kaum schlimmer vorstellen
kann. Erstens 'können Angaben zum genauen Inhaftierungsort nicht er-
folgen', und zweitens begeistert der kaskadierte Genitiv (Genitivrutsch-
bahn
) 'aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Verurteilten'. Dem-
gegenüber ist die Formulierung in der hiesigen Tageszeitung schon weni-
ger gestelzt, aber es heißt auch hier immer noch 'Angaben ... machte die
Behörde nicht.' Wie flüssig hätte das ohne diesen Substantivismus geklun-
gen: 'Die Behörde gab den Gefängnisort nicht an.' oder 'Die Behörde
nannte den Gefängnisort nicht.' Delikaterweise wurden Name und Bild
des Strafgefangenen in der Tageszeitung veröffentlicht. Soviel zum Per-
sönlichkeitsschutz! – Aber auch in den Nachrichten und den unter (2)
zitierten Verkehrsmeldungen des regionalen Hörfunksenders häufen sich
stilistisch unschöne Formulierungen in reinstem Behördendeutsch, die
kaum noch auffallen, weil sie nahezu gebetsmühlenartig wiederkehren.
Offensichtlich werden solche Texte nicht nur aus Polizeimeldungen über-
nommen, sondern auch nach eigenen Recherchen ebenso verschroben
verfasst, ohne dass ein Redakteur überhaupt noch bemerkt, was für Stil-
blüten er mit solchen substantivistischen Formulierungen verbreiten lässt.
Die zitierte Meldung einen Tag nach dem furchtbaren Erdbeben in Haiti
hätte ohne Sustantivismus viel flüssiger geklungen: Es ist unmöglich,
Opferzahlen anzugeben (siehe auch Schülerbeförderung durchführen
bzw. erfolgen)
.
anorganischer Chemiker: ³ statt richtig 'Fachmann für anorganische Chemie'
[Volkstümliche Stilblüte] ––> vermischter Warenhändler
anstarten: * statt richtig 'starten'
"Das Programm wird angestartet."
[Modewort in der Informatik] Starten heißt schon 'etwas in Betrieb setzen'
(anlassen). Damit ist 'anstarten' doppelt gemoppelt.
Appartment: ³ statt richtig 'Apartment' oder 'Appartement'
[Im Schaukasten eines österreichischen Immobilienmaklers, Juni 2009]
Mit der Schreibweise eingedeutschter Fremdwörter ist das so eine Sache, wie
man an der eigenwilligen Orthographie im Schaukasten eines Profis mal wie-
der sehen kann. Für diese ursprüngliche Zimmerflucht in einem Hotel bzw. die
heutige kleine Wohnung war im Deutschen früher die französische Schreibweise
'Appartement' üblich, wogegen man heute immer öfter die englische (bzw. ame-
rikanische Schreibweise 'Apartment' liest. So hatte der amerikanische Kultfilm
'The Apartment' mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine von 1960 noch den
deutschen Titel 'Das Appartement'. Im heutigen Duden [1] findet man beides,
jedoch nicht die zitierte Schreibweise des österreichischen Immobilienprofis,
die bei Google erschreckend viele Treffer liefert. Aber vielleicht begegnet uns
im Zeitalter willkürlicher Orthographie demnächst auch noch ein sächsisch
angehauchtes 'Abbardmend', wer weiß.
Ap- ril: (°) neuerdings richtig, jedoch besser 'April'
[Aus einer kostenlosen Monatszeitschrift]
Die Trennungsregeln der neuen Rechtschreibung besagen: Einfache Wörter
werden nach Sprechsilben ... getrennt [1b], aber einzelne Vokalbuchstaben am
Wortanfang oder -ende werden nicht abgetrennt, auch nicht bei Komposita [1e].
Danach konnte 'April' früher nicht getrennt werden, genau wie Abend, Ehe,
Idee, oben, über auch heute noch. Die Trennung zwischen den beiden inneren
Konsonanten entsprechend der (untergeordneten) Regel [1c] verstößt eindeutig
gegen die (übergeordnete) Regel [1b]. Hier sind die 'Väter' der neuen deutschen
Rechtschreibung nach meiner Ansicht über das Ziel hinausgeschossen (siehe
auch Alb- recht und Kont- rast / Kont- rolle). Ganz anders verhält es sich nach
meinem Sprachgefühl bei dem Wort 'Os- tern', das jetzt getrennt werden kann,
nachdem die ehemalige Ligatur 'st' aufgehoben worden ist, denn in diesem Fall
wird das getrennte Wort nicht schwerer lesbar.
Arbeitsagentur für Arbeit: * ³ statt richtig 'Bundesagentur für Arbeit'
[Aus einem Wirtschaftsartikel der hiesigen Tageszeitung]
Seitdem das ehemals prägnante 'Arbeitsamt' jetzt 'Bundesagentur für Arbeit'
heißt, sind verschiedene Kurzbezeichnungen wie 'Agentur für Arbeit' bzw.
'Arbeitsagentur' üblich geworden. Daraus jedoch rückwärts die 'Arbeitsagentur
für Arbeit zu machen' ist das erheiternde Verdienst der Wirtschaftsredakteurin.
Ärztee- hepaar: ° statt richtig 'Ärz- te- ehe- paar
[Aus einer kostenlosen Monatszeitschrift]
Die automatische Trennung von zusammengesetzten Wörtern, deren folgen-
der Teil mit einem Vokal beginnt, ist und bleibt schwierig. Das gilt besonders,
wenn dieser Teil 'Ehe' heißt, ein zweisilbig gesprochenes Wort, das in [1] kei-
ne Trennfuge hat! Dann schlägt ein automatisches Trennprogramm mit feh-
lendem oder unzureichendem Wörterbuch besonders brutal zu (siehe auch
Bankü- berfall).
Auffinden, führte zum ~: ¹ Substantivismus, statt besser 'wurden gefunden'
"Eine anschließend durchgeführte Wohnungsdurchsuchung führte zum Auf-
finden von Drogen in Form von Kokain, Haschisch sowie weitere bereits
abgepackte Heroinbriefchen." [Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
Der zitierte Satz stammt aus einem Artikel über ein festgenommenes
Dealer-Pärchen und ist vermutlich einer Polizeimeldung entnommen,
denn er strotzt nur so von Behördendeutsch. Die Phrasen 'durchgeführte
Wohnungsdurchsuchung' und 'führte zum Auffinden' sind als typische
Behördensprache stilistisch ziemlich misslungen. Die 'Drogenarten' Ko-
kain und Haschisch als 'Form von Drogen' zu bezeichnen, ist genauso
unlogisch, wie 'weitere abgepackte Heroinbriefchen' durch den nicht ver-
wendeten Dativ von der Drogenaufzählung auszuschließen. Heroinbrief-
chen sind zwar eine (Handels-)Form von Heroin, aber die Namen Kokain
und Haschich sagen nichts über die Form dieser Drogen aus. Wenn der
unschöne, aber feststehende Begriff 'Wohnungsdurchsuchung' für diese
Polizeiaktion beibehalten werden soll, könnte der zitierte Satz viel gefäl-
liger lauten: 'Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung wurden
Drogen wie Kokain, Haschisch und weitere Heroinbriefchen gefunden.'
Aufführung, zur ~ bringen: ¹ statt besser 'aufführen'
[Aus einem Beitrag des regionalen Hörfunksenders]
––> zur Aufführung bringen
Auftritte machen: ¹ statt besser 'auftreten'
"... wir machen Auftritte bei jedem Wetter ..."
[Aus der 'Plattenkiste' des regionalen Hörfunksenders]
In der Sendereihe 'Plattenkiste' können sich zwischen den gewünschten
Musikstücken Vereine, Interessengemeinschaften oder Beschäftigte einer
Firma vorstellen, über ihre Tätigkeit berichten und ggf. auf besondere
Ereignisse oder Veranstaltungen hinweisen. An diesem Tag ging es um ein
Chortreffen unter freiem Himmel, das von den anwesenden Ehrenamtli-
chen ausgerichtet werden sollte. Mit der zitierten Aussage wurde die Fra-
ge des Moderators beantwortet, ob die Veranstaltung bei schlechtem Wet-
ter abgesagt würde. Selbstverständlich kann man nicht erwarten, dass
Teilnehmer an so einer Sendung frei von Lampenfieber sind und vor dem
Mikrofon stilistisch einwandfrei antworten. Dieses Zitat soll lediglich zei-
gen, wie stark viele von uns vom substantivistischen Juristen-, Behörden-
und Kaufmannsdeutsch bereits infiltriert sind, ohne dass es uns überhaupt
noch auffällt. Wie viel lebhafter hätte dagegen die Antwort "... wir treten
bei jedem Wetter auf ..." geklungen?
Aufzüge: ––> Personenbeförderung in Aufzügen
Augentropfen, zur Anwendung am Auge: * ¹ wo sollte man sie denn sonst anwenden?
[Auf zahlreichen Verpackungen und 'Waschzetteln' dieser Präparate]
Dieser Hinweis steht mit unterschiedlich großer Schrift in zwei Zeilen oftmals
unmittelbar untereinander. Dadurch drängt sich dem Leser der Pleonasmus
direkt auf. Sofern es nicht implizit klar ist, muß auf Medikamenten natürlich
angegeben werden, ob sie innerlich oder äußerlich anzuwenden sind, d.h. ob
man sie einnehmen oder bestimmte Körperstellen von außen damit behandeln
soll. Früher, als die Apotheker ihre Tinkturen noch selbst mischten, gab es zur
Unterscheidung runde bzw. eckige braune Glasflaschen. Obwohl eine Monats-
ration Augentropfen von 2,5 bzw. 5 ml heute in kleinen Kunststofffläschchen
der unterschiedlichsten Formen geliefert wird, dürfte deren Anwendung klar
sein, zumal sie auf dem Beipackzettel (Waschzettel) detailliert beschrieben ist.
Der zitierte auffällige Anwendungshinweis in edelster Behördensprache geht
vermutlich gemäß deutscher Gründlichkeit auf eine entsprechende Verordnung
zurück, wie das früher allgegenwärtige Verbot gegen die Beförderung von Per-
sonen in bestimmten Aufzügen (siehe Personenbeförderung in Aufzügen).
Augenweide, optische: * Augen sind die Sinnesorgane für optische Eindrücke
[Aus einer Meldung des regionalen Hörfunksenders] Eine Augenweide kann als
angenehmer Anblick nur optisch wahrgenommen werden, oder könnte
sich etwa jemand z.B. auch eine akustische Augenweide vorstellen?
Augus- twoche: ° statt richtig 'August- woche'
[Aus einem Wildwest-Schmöker]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch, das
offenbar wahllos zwischen 's' und 't' trennt, nachdem das jetzt in einigen Fällen
zulässig ist. Das zusammengesetzte Substantiv hat aber nach den Regeln in [1]
nur die drei Trennfugen 'Au|gust|wo|che' und keine anderen.
Auslieferung, kamen zur ~: ¹ statt besser 'wurden ausgeliefert'
"Von den bestellten 140 Lokomotiven kamen nur die Lokomotiven ... zur
Auslieferung." [Aus einem Sammelband über legendäre Schnellzugloks]
Bessere Alternative: "... wurden nur die Lokomotiven ... ausgeliefert."
Auße- nems: ° statt richtig 'Außen- ems'
[Aus einem Leserbrief in einer Inselzeitung]
Ein Klassiker der falschen Silbentrennung eines zusammengesetzten Sustan-
tivs, bei dem das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt. Wie es ausieht,
bleibt das Chaos bei den automatischen Trennungsprogrammen nicht be-
schränkt, sondern es scheint sich sogar immer weiter zu vergrößern.
Austausch: ¹ ³ einer 'neuen' statt richtig der 'alten' Karte
"Der Austausch Ihrer neuen Karte vor Ablauf der eigentlichen Gültigkeit dient
der Einführung einer neuen Sicherheitstechnologie, die Missbrauch durch Dritte
entgegenwirkt."
[Aus dem Begleitschreiben meiner neuen ec- / Maestro- / Bankkarte]
Der zitierte Satz, der von substantivistischen Formulierungen im schönsten
Behörden- bzw. Kaufmannsdeutsch nur so trieft, führt nach meinem Sprach-
empfinden gedanklich in die Irre und enthält außerdem einen falschen Bezug.
Offenbar soll die alte (bisherige) Karte, deren Gültigkeit noch nicht abgelau-
fen ist, durch die neue Karte ersetzt bzw. gegen die neue Karte ausgetauscht
werden, um dadurch die Sicherheit zu erhöhen. Das steht aber in diesem ver-
korksten Satz leider nicht drin. Ohne Rücksicht auf den Stil müsste es statt-
dessen heißen: "Der Austausch Ihrer alten Karte vor Ablauf der eigentlichen
Gültigkeit ..." Dann bezöge sich die 'eigentliche' Gültigkeit, wie beabsichtigt,
auf die alte und nicht, wie irrtümlich geschrieben, auf die neue Karte. Mit
'eigentlich' ist wohl 'ursprünglich' bzw. 'auf der Karte angegeben' gemeint,
und die 'Sicherheitstechnologie' ist in meinen Augen eher eine Allerwelts-
Werbevokabel als eine seriöse Bezeichnung, worum es dabei wirklich geht.
Stilistisch besser wäre eine Formulierung wie: "Ihre alte Karte wird ausge-
tauscht (bzw. ersetzt), obwohl sie noch nicht abgelaufen ist, um durch neue
Sicherheitsmaßnahmen einen Missbrauch durch Dritte zu erschweren."
Darin sind vier Substantive (Austausch, Ablauf, Einführung, Gültigkeit)
entweder durch wesentlich lebhaftere Verben ersetzt oder als unnötig
weggelassen worden.
Axt oder Beil: ³ das ist die Frage
  1. Um 1960 kam der Sänger Peter Beil als Symbol für seinen
    Familiennamen mit einer Axt auf die Bühne eines Harzortes
  2. "Wer das Buchenholz spalten musste und dabei besonders schwitzte,
    wenn das Beil auf einen Knast stieß, soll schimpfend das Wort
    'hanebüchen' (!) geprägt haben."
    [Aus einem seit über 300 Jahren erscheinenden Jahreskalender von 2010]
Die Bezeichnungen von Axt und Beil mögen sich wohl regional geringfügig
unterscheiden, aber hier geht es um Werkzeuge zum Holzhacken in der
Harzregion. Eine Axt hat einen langen Stiel (bzw. ein langes Heft) und wird
normalerweise mit beiden Händen geführt. Ein Beil hat dagegen einen kur-
zen Stiel und kann mit nur einer Hand geführt werden. Ein Beil ist deshalb
meistens leichter als eine Axt. Bei beiden Werkzeugen gibt es zwar je nach
Anwendungsbereich verschiedene Formen und Gewichte des Blattes, aber
für die Holzzerkleinerung unterscheiden sich die Blätter von Axt und Beil
hauptsächlich im Gewicht, wobei es natürlich auch verschieden schwere
Äxte gibt. In meiner Jugend habe ich für die Öfen und Herde in meinem
Elternhaus genügend Holz gehackt. Dabei wäre ich nie auf die die Idee ge-
kommen, hartes Buchenholz mit einem Beil zerkleinern zu wollen. Das war
allenfalls geeignet, um Bohnenstangen oder Blumenstöcke unten anzuspit-
zen oder um aus astfreiem weichen Holz dünne Splittern zum Feueranma-
chen zu hacken. Selbstverständlich kann man eine leichte Axt zwischen-
durch auch mit nur einer Hand führen, aber wenn es darauf ankommt,
muss man schon mit der zweiten Hand zugreifen. Moderne Äxte haben häu-
fig einen Stiel, der am Ende dicker wird, damit einem die Axt nicht so leicht
aus der Hand rutscht, wenn sie am Stiel entlanggleitet. Das war bei älteren
Äxten oft nicht der Fall, so dass man entsprechend vorsichtig sein musste.
Badezimmer: ³ in einer Hochzeitskapelle statt richtig 'Toilette'
[Aus der deutschen Übersetzung einer kanadischen Kurzgeschichte]
Mit dem 'Badezimmer' ist in der zitierten Kurzgeschichte sicherlich eine
'Toilette' gemeint, die an das Nebenzimmer in einer Kirche (vermutlich
einer wedding chapel) angrenzt. Offensichtlich ist hier die Bezeichnung
"bathroom" aus dem Englischen wörtlich übersetzt worden. Man mag
kaum glauben, dass der Übersetzer diese Umschreibung für 'Toilette' nicht
kennt und somit in einer Kirche ein 'Badezimmer' erwartet. Obwohl es im
Englischen den Begriff 'toilet' gibt, unterliegt er offensichtlich einem Tabu
und wird Kanada wie in Groß-Britannien als 'bathroom' oder 'lavatory'
umschrieben und in den USA als 'restroom' bezeichnet. Ein Engländer
wird fast nie direkt nach einer Toilette fragen, sondern seinen Wunsch z.B.
mit den Worten "Where can I wash my hands?" ausdrücken (siehe auch
Ruheraum und bathroom, lavatory, restroom).
Bahre: ³ statt richtig 'Trage' zum Transportieren eines Kranken oder Verletzten
"..., gefolgt von zwei Sanitätern, die den besinnungslosen Klein auf einer Bahre
hinterher trugen." [Aus einem Krimi in einer Frauenzeitschrift]
Jemand, der auf einer 'Bahre' liegt, ist immer tot! In jedem anderen Fall ist
dieses Transporthilfsmittel für Kranke, Verletzte und andere Lebende, die
liegend bewegt werden müssen, eine 'Trage'. Da ich in einer Bergmannsfamilie
aufgewachsen bin, bekam ich diesen Unterschied bereits als Kind anhand des
Grubenrettungswesens ausführlich erklärt. Außerdem entspricht das getrennt
geschriebene "hinterher trugen" weder der alten noch der neuesten
Rechtschreibung von 2006, sondern ist eine Altlast aus dem übertriebenen
Zwischenstadium. Richtig ist in diesem Fall 'hinterhertrugen'.
Baltisches Meer oder Ostsee: ³ aber wo ist dazwischen?
"... und entlang der Küste der Ostsee bis zum baltischen Meer."
[Aus einem Artikel über Bernstein in der hiesigen Tageszeitung]
In dem zitierten Satz wird die größte Fundstelle von Bernstein auf der
Halbinsel Samland an der Ostsee beschrieben. Wie sich die Ostseeküste
bis zum 'baltischen Meer' erstrecken kann, wird wohl nicht nur mir
schleierhaft bleiben. Die gesamte(!) Ostsee heißt nämlich auf Lateinisch
'Mare Balticum' bzw. auf Englisch 'Baltic Sea' und könnte in die wenig
gebräuchlichen deutschen Begriffe 'Baltisches Meer' oder 'Baltische See'
übersetzt werden. Als geographische Bezeichnung wäre dann 'Baltisch'
allerdings großzuschreiben, kann aber keinesfalls einen Teil der Ostsee
näher bezeichnen. (siehe außerdem spezifisches Gewicht)
Bankü- berfall: ° statt richtig 'Bank- über- fall'
"Versuchter Bankü- berfall in Emden"
[Überschrift eines Artikels auf der Titelseite einer Inselzeitung]
Nach der Rechtschreibreform gilt unverändert die Regel, dass einzelne Vokal-
buchstaben am Wortanfang oder -ende nicht abgetrennt werden, auch nicht
bei Komposita [1e]! Damit haben einige zweisilbig gesprochenen Wörter
keine Trennfuge, z.B. Abend, Ehe, Idee, oben, über. Werden sie mit mit einem
anderen einsilbigen Wort zusammengesetzt, gibt es nur die eine Trennfuge
zwischen den beiden Teilwörtern, z.B. Sonn|abend, Schein|ehe, Schnaps|idee,
kiel|oben, kopf|über und Über|fall. Nach dieser Regel hat der aus drei Teilwör-
tern bestehende Bank|über|fall nur diese beiden Trennfugen und keine anderen!
Allmählich sollten die Satz- und Trennprogramme für deutschen Text so weit
ausgereift sein, dass sie endlich die gültigen Trennungsregeln beachten!
Beach Soccer Turnier: ª statt richtig 'Beach-Soccer-Turnier' oder besser
'Strandfußballturnier'
"Wir standen bei vielen Sachen, wie zum Beispiel beim Beach Soccer Turnier
vor der Entscheidung: ..." [Aus einem Interview in einer Inselzeitung]
Im Tourismusgeschäft scheinen, wie in der Werbebranche, englische Be-
griffe immer beliebter zu werden, auch wenn sie in Deutschland nicht
mehr alle potentiellen Kunden verstehen (siehe auch Winterdestination).
In dem o.a. Interview wurden außer dem hier zitierten 'Beach Soccer
Turnier' auch noch die beiden wenig bekannten englischen Wörter
'Relaunch' und 'chillen' gefunden (siehe dort). Wenn es denn schon
deutsch-englisches Kauderwelsch als zusammengesetztes Substantiv
mit dem geläufigen eingedeutschten Wort Turnier sein muss, dann aber
gefälligst 'Beach-Soccer-Turnier' mit zwei Bindestrichen! Besser wäre
jedoch 'Strandfußballturnier', denn wer außer den Fußballfans kennt
schon die englische Vokabel 'soccer', die nicht einmal während der letz-
ten Fußball-Weltmeisterschaft in den deutschen Medien besonders ver-
breitet wurde? Auf den Pleonasmus 'wie zum Beispiel' wird unter diesem
Stichwort eingegangen.
Bedienung, Beschilderung, Bevölkerung: oftmals richtig, aber auch ¹ ³
statt 'Serviererin', 'Schilder', 'Einwohner' bzw. 'Volk'
[Allgemeiner Sprachgebrauch, teilweise sogar im Duden zu finden]
Die mit dem Suffix '-ung' gebildeten Substantive der Verben 'bedienen',
'beschildern' und 'bevölkern' sind nach [2, # 1106] Geschehens- und
Zustandsbezeichnungen, das heißt
  1. Bedienung ist der Vorgang des Bedienens, jedoch keinesfalls die
    tätige Person, also weder der Kellner noch die Serviererin oder gar
    der Kammerdiener, falls es den noch geben sollte. Insbesondere ist
    der Ruf 'Bedienung' nach einer Serviererin keinesfalls korrekt.
  2. Beschilderung ist die Montage bzw das Aufstellen mehrerer zusam-
    mengehörender Schilder. Der Gebrauch dieses Wortes für die bereits
    angebrachten Schilder gehört hingegen zum schwerfälligen Behörden-
    deutsch ¹ und sollte daher möglichst vermieden werden (siehe auch
    Umleitungsbeschilderung).
  3. Bevölkerung ist ursprünglich der Vorgang, in einem bis dahin nur
    dünn oder gar nicht bewohnten Gebiet Menschen anzusiedeln, d.h.
    dieses Gebiet zu bevölkern! Im Gegensatz dazu werden heute auch
    die 'Bewohner' bzw. 'Einwohner' eines Gebietes sowie das 'Volk' oft
    als 'Bevölkerung' bezeichnet, weil Behöden und Politiker solche kom-
    plizierten Wörter so heiß und innig lieben. Dieser abweichende Ge-
    brauch des Begriffs 'Bevölkerung' ist durch verschiedene Behörden in-
    zwischen so etabliert, dass man dies zwar beklagen, aber sicher nicht
    mehr ausrotten kann.
(Siehe auch Substantivismus mit '-ung'.)
bei- gefarben: ° statt richtig 'beige- farben' oder beigefar- ben'
[Aus einem Wildwest-Schmöker]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
denn die Farbe 'beige' (gesprochen beesch) ist ein einsilbiges Wort, ohne
Trennfuge [1]. Dieser Farbton (= sandfarben) darf jedoch nicht mit dem
zweisilbigen Hauptwort 'Bei|ge' verwechselt werden, das in Süddeutschland
und in der Schweiz für 'Stoß' bzw. 'Stapel' gebräuchlich ist.
Beil oder Axt: ³ das ist die Frage ––> Axt oder Beil
bereits ... schon: * statt richtig nur 'bereits' oder nur 'schon'
"... für die Mitarbeiter ist bereits heute schon Schluss ..."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
In der zitierten Meldung wurde über die nicht mehr abzuwendene Insolvenz
des Versandhauses Quelle zum Jahresende 2009 berichtet. Ohne Zweifel ist
das Schicksal der bereits vorzeitig entlassenen Mitarbeiter zu beklagen. Das
rechtfertigt jedoch nicht, diesen unmittelbar bevorstehenden Zeitpunkt durch
den Pleonasmus 'bereits ... schon' in übertriebener Weise betonen zu wollen.
Bermudas- horts: ° statt richtig 'Bermuda- shorts'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]. 'Ber|mu|da|shorts' hat
nach [1] nur diese drei Trennfugen und kann außerdem mit Bindestrich
geschrieben werden 'Ber|mu|da-Shorts'.
Bernstein: ³ der oder das Bernstein?
"Wie entsteht Bernstein und wo findet man es?"
[Überschrift eines Artikels in der hiesigen Tageszeitung]
Im Deutschen bestimmt das Grundwort eines zusammengesetzten Sub-
stantivs dessen grammatisches Geschlecht [2, # 342], also 'der Stein'
––> 'der Bernstein'. Deshalb wäre in der zitierten Überschrift richtig
gewesen "Wie entsteht Bernstein, und wo findet man ihn?" In diesem
von einer 'Goldschmiedin und Diplomdesignerin' verfassten Artikel,
der möglicherweise etwas zu hektisch entstanden ist, sind mir zwei
weitere Schnitzer aufgefallen (siehe auch Baltisches Meer und
spezifisches Gewicht).
Beschlus- svorschläge: ° statt richtig 'Beschluss- vorschläge
[Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
Offensichtlich ist das Trennen zusammengesetzter Wörter nicht nur
schwierig, wenn das zweite Teilvort mit einem Vokal beginnt, sondern
auch in diesem Fall, der gegen [1b] verstößt. Die Be|schluss|vor|schlä|ge
haben nur diese vier Trennfugen entsprechend den sechs übrigen mit Be-
schluss zusammengesetzten Substantiven in [1]. Es ist unglaublich, welche
unzureichenden Trennprogramme zum Zeitungssatz verwendet werden!
bestangezogenst, bestaussehendst, bestbewertetst: *
statt richtig 'bestangezogen', 'bestaussehend', 'bestbewertet'
  1. "Iris Berben (58) ist nach einer Rangliste des Magazins 'Vanity Fair' die
    bestangezogenste Frau Deutschlands."
  2. "... der bestaussehendste Mann ..."
  3. "Die bestbewertetsten YouTube-Videos"
[1. und 2. Aus verschiedenen Artikeln der hiesigen Tageszeitung]
[3. Bildschirmausschnitt in einer Internet-Zeitschrift]
Auch die Vergleichsformen (Komparationen) von Adjektiven bleiben von
der Sucht zur Übertreibung nicht verschont, wie man an diesen Beispielen
sieht. Bei zusammengesetzten oder zusammengeschriebenen Adjektiven (oder
Partizipien) setzt man den ersten Teil in die Vergleichsform, wenn jedes
der beiden Glieder noch seinen eigenen Sinn bewahrt hat [2, # 502], z.B.
der vielbietende / meistbietende Käufer, eine hochgestellte / höchstgestellte
Persönlichkeit. Man setzt das Grundwort in die Vergleichsform, wenn die
Zusammensetzung einen einheitlichen Begriff, zumal einen Begriff mit
neuem, übertragenem Sinn ergibt, z.B. altmodischste Kleidung, wohlfeilste
Waren. Vergleichsformen bei beiden Bestandteilen sind unzulässig, z.B. das
nächstliegende (nicht: nächstliegendste) Problem, in größtmöglicher (nicht:
größtmöglichster) Eile. Damit sind auch die Begriffe 'bestangezogenst'
'bestaussehendst' und 'bestbewertetst' unzulässig, weil in der Höchststufe
(Superlativ) doppelt gemoppelt (siehe auch meistbefahrenst).
best- raft: ° statt richtig 'be- straft'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]). Die Trennung
von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar auch dann schwierig,
wenn das zweite Teilwort mit mehreren Konsonanten beginnt.
Betriebsbüro (m/w): ³ statt richtig 'Techniker (m/w)'
"Wir suchen Diplom-Ingenieur oder Techniker für das Betriebsbüro (m/w)"
[Stellenanzeige in der hiesigen Tageszeitung]
Durch den falschen Bezug 'm/w' am Ende der geschlechtsneutral gemeinten
Anzeigen-Schlagzeile wird suggeriert, das Betriebsbüro könnte männlich oder
weiblich sein. Stilistisch korrekt hätte sie lauten müssen: Wir suchen 'Diplom-
Ingenieur oder Techniker (m/w) für das Betriebsbüro'.
[^]
bezwingte: ³ statt richtig 'bezwang'
"Deutscher bezwingte alle Achttausender"
[Untertitel eines DPA-Artikels in einer Inselzeitung]
'bezwingen' ist eine Präfixform von 'zwingen' und damit immer noch ein
starkes(!) Verb 'bezwingen, bezwang, bezwungen' [2, # 704] und wird nicht
etwa schwach gebeugt 'bezwingen, bezwingte, bezwingt'! Es ist unglaublich,
welche sprachlichen Schlampereien sich sogar die DPA heutzutage leistet
und wie unzureichend eine Zeitungsredaktion so etwas überprüft!
Bism- arckstraße : ° statt richtig 'Bis- marck- stra- ße'
[Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
Diese unsinnige Trennung entspricht keiner Trennungsregel, weder einer zu-
treffenden noch einer unzutreffenden! Es sei denn, die abenteuerlich program-
mierte Trennungsroutine hätte die Trennstelle dieses zusammengesetzten Wor-
tes zwischen 'Bism' und 'arckstraße' erkannt. Einfach unglaublich!
[^]
bis- schen: ° statt richtig 'biss- chen'
[Aus einem Interview in einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Das Wort biss|chen ist zweisilbig, das nach [1] nur diese eine Trennfuge
hat und nach [1b] nicht zwischen dem 'ss' getrennt wird! Aber sogar die
Trennung von einfachen Wörtern ist und bleibt offenbar schwierig, nach-
dem für das stimmlose 's' nach einem kurz gesprochenen Vokal statt des
früheren 'ß' jetzt ein untrennbares 'ss'(!) zu schreiben ist (siehe auch
Masse – Maße).
Bo- ehm: ° statt richtig 'Boehm'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
In dem Artikel über den Forscher Thomas Boehm wurde dessen Familien-
name in der zitierten Weise getrennt. Dieser Name wird sicherlich in einer
Silbe als 'Böhm' ausgesprochen, weil der Doppelvokal 'oe' die alte Schreib-
weise des Umlautes 'ö' ist. Einige der neueren Satzprogramme trennen je-
doch immer rücksichtsloser zwischen aufeinanderfolgenden Vokalen,
auch wenn beide Vokale zu einer Silbe gehören (siehe auch Mu- ehl und
Wa- echter). Nach [1] werden außerdem nicht getrennt: Doppellaute
(Diphthonge) ai, au, äu, ei, eu, oi, stumme Dehnungsbuchstaben e und i
(z.B. in Wie|se, Soest, Coes|feld, Trois|dorf) und selbstverständlich die in
zwei Buchstaben aufgelösten Umlaute (ae = ä, oe = ö, ue = ü). 'Böhm'
heißt nämlich keinesfalls 'Boëhm', bei dem die beiden Vokale 'a' und 'e' zu
verschiedenen Silben gehören und getrennt gesprochen werden, so wie das
'o' und 'e' bei der französischen Automobilmarke 'Citroën'. Das beste Bei-
spiel für einen als 'oe' geschriebenen Umlaut 'ö' ist der in [1] zu findende
Name des deutschen Klassikers Goe|the mit nur dieser einen Trennfuge.
Bombenentschärfung: ³ (eine oder mehrere?)
"Eine Bombenentschärfung: Heute werden in Lehrte zwei Bomben ... entschärft."
[Aus einer Meldung des regionalen Hörfunksenders]
In letzter Zeit werden in Niedersachsen recht viele Blindgänger aus dem
Zweiten Weltkrieg aufgespürt und entschärft bzw. gesprengt. Die betreffen-
den Rundfunkmeldungen werden offenbar in besonderer Eile verfasst, denn
sie enthalten oftmals unschönes Behördendeutsch oder sonstige Stilblüten
wie die oben zitierte Meldung. Der Redakteur mag ja gedacht haben, dass
bei einer Entschärfungsaktion in Lehrte zwei Bomben unschädlich gemacht
werden, aber die unterschiedlichen Zahlenangaben (eine und zwei) in der
Schlagzeile und dem ersten Satz entbehren nicht einer gewissen Komik.
Bombenentschärfungen durchführen: ¹ statt besser 'Bomben entschärfen'
"In Langenhagen werden morgen mehrere Bombenentschärfungen durchgeführt."
[Aus mehreren Warnmeldungen des regionalen Hörfunksenders]
Diese Warnmeldung haben wir am 28.03.09 bei einer gut dreistündigen
Autofahrt von Emden nach Braunschweig jede halbe Stunde gemeinsam
mit den Nachrichten zu hören bekommen. Vermutlich hat die Redaktion
diese Warnung in schlechtem Behördendeutsch(!) unmittelbar aus einer
Polizeimeldung übernommen, ohne dass der Redakteur auch nur bemerkt
hätte, was für eine Stilblüte er mit dieser substantivistischen Formulierung
verbreiten lässt. Zum Glück war der 'Kampfmittelbeseitigungsdienst' (auch
so ein offiziell festgelegtes Wortungetüm) erheblich professioneller, denn
es ist ihm am nächsten Tag gelungen, die sechs(!) Bomben erfolgreich zu
entschärfen.
Boo- klet: ° statt richtig Book- let
[Aus einem Artikel auf der Kulturseite der hiesigen Tageszeitung]
Die automatische Trennung ausländischer und/oder eingedeutschter
Wörter ist und bleibt offenbar schwierig. Das Book|let (kleines Beiheft)
steht jedoch mit dieser einen Trennfuge sogar im Duden [1]. Aber es
ist wohl zu viel verlangt, dass die Trennungsroutinen beim Zeitungssatz
wenigstens diese Trennungsregeln einhalten, um das Lesen nicht unnö-
tig zu erschweren.
Bruchteile und Vielfache von Einheiten:
––> Bruchteile von Einheiten
––> Vielfache von Einheiten
Busse – Buße: Mehrzahl von Bus bzw. Strafe, das ist die Frage
[Verbreitete Nachlässigkeit 'ß' durch 'ss' zu ersetzen]
Manche Leute scheinen zu glauben, die Ligatur 'ß' wäre mit der Recht-
schreibreform auch in Deutschland und Österreich abgeschafft worden.
Das ist jedoch keineswegs der Fall. Einige Wörter bedeuten sogar etwas
ganz anderes, je nachdem, ob sie mit 'ss' oder 'ß' geschrieben werden, wie
man an dem obigen Beispiel sieht. So sind 'Busse' die Mehrzahl von 'Bus',
wogegen 'Buße' eine Strafe ist, die einem klassisch von der Kirche auf-
erlegt wird oder in der heutigen Zeit auch durch Geld (Bußgeld) zu be-
gleichen ist. (siehe auch Masse – Maße)
Busverkehr fährt: * ³ was könnte ein Busverkehr sonst tun?
"In ... fährt wegen der Witterung nur ein stark eingeschränkter Busverkehr."
[Aus den 12.30-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Während des Winterwetters mit reichlichem Schnee und anhaltendem
Frost wurden in weiten Bereichen Niedersachsens die Straßen glatt, als
auch noch die Streusalzvorräte knapp wurden. Wegen der dadurch er-
höhten Unfallgefahr fuhren in einigen Gegenden nur noch wenige oder
gar keine Schulbusse mehr, und an etlichen Schulen fiel deshalb der Un-
terricht aus. Im regionalen Hörfunk wurde daher gut eine Woche lang
an jedem Morgen eine Liste mit Unterrichts- und Busausfällen verlesen.
Dabei fiel neben einigen korrekten Formulierungen immer wieder die
zitierte Meldung mit dem 'eingeschränkt fahrenden Busverkehr' auf.
Busse können zwar 'fahren', 'verkehren', ggf. auch eingeschränkt, oder
im Depot bleiben, und auch der 'Busverkehr kann eingeschränkt werden',
aber wenn der 'Busverkehr fährt', so wie in dem o.a. Zitat, dann ist das
stilistisch ziemlich verunglückt und außerdem doppelt gemoppelt.
By- te, By- tes: ° einsilbiges Wort, nach [1] ohne Trennfuge!
[Aus verschiedenen Computer-Fachzeitschriften]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
Champions Lea- gue: ° statt richtig 'Cham|pi|ons League'
"Kardinal Karl Lehmann (77) fiebert dem Champions-Lea- gue-Finale
am Samstag entgegen." [Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Offensichtlich wird die Trennungswut von modernen Text- und Satzprogram-
men auch bei einsilbigen fremdsprachlichen bzw. eingedeutschten Wörtern
immer unverschämter, ohne jegliche Rücksicht darauf, dass derart falsch
getrennte Wörter noch leicht gelesen werden können. 'Cham|pi|ons League'
hat nämlich nach [1] nur die beiden angegebenen Trennfugen! (Siehe auch
By- te und Char- me.) Die beiden Bindestriche in dem Zitat sind wegen der
Zusammensetzung mit dem eingedeutschen Wort 'Finale' korrekt.
Char- me: ° einsilbiges Wort, nach [1] ohne Trennfuge!
[Aus verschiedenen Zeitschriften]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
Chef: ³ (aus dem Englischen) statt richtig 'Küchenchef' oder 'Chefkoch'
"Sie hatten sich dann für einen stämmigen, genialen Chef entschieden, ..."
[Aus einem Roman, der aus dem Englischen übersetzt worden ist]
Aus dem Zusammenhang handelt es sich bei dem 'Chef' in dem obigen
Zitat eindeutig um den eingestellten 'Küchenchef' für ein Hotelrestau-
rant und keinesfalls um den Chef des gesamten Hotels. Vermutlich ist
der 'chef' aus der englischen Originalausgabe einfach unzutreffend
übersetzt worden. Der englische Begriff 'chef' bedeutet auf Deutsch
ausnahmslos 'Küchenchef' oder 'Chefkoch', denn er hat in der engli-
schen Sprache nicht die weitreichende Bedeutung wie im Deutschen
oder Französischen. Das eingedeutschte Wort 'Chef' heißt im Engli-
schen je nach Sparte director, governor, principal, boss, chief, head
oder man in charge [6], aber niemals 'chef'. Es ist erstaunlich, dass
einem Profi-Übersetzer ein solcher Fehler unterläuft.
chillen: ª statt besser 'sich entspannen'
"... und an der Promenade kann man chillen."
[Aus einem Interview in einer Inselzeitung]
Im Tourismusgeschäft scheinen, wie in der Werbebranche, englische Be-
griffe immer beliebter zu werden, auch wenn sie in Deutschland nicht
mehr alle potentiellen Kunden verstehen (siehe auch Winterdestination).
In dem o.a. Interview wurden außer dem hier zitierten 'chillen' auch noch
die beiden wenig bekannten englischen Wörter 'Beach Soccer Turnier'
und 'Relaunch gefunden (siehe dort). Das Verb 'to chill' bedeutet 'kühlen'
oder 'abkühlen', als amerikanischer Slang auch 'sich beruhigen' oder
'sich entspannen'. Mit dieser Slang-Bedeutung ist 'chillen' in die deutsche
Jugendsprache eingegangen und steht mit dem Vermerk ugs. (umgangs-
sprachlich) sogar im Duden [1]. Das Wörterbuch [6a] kennzeichnet je-
doch 'chillen' auch im Deutschen als Slang! Es wird stark bezweifelt, ob
so eine Wortwahl selbst für reißerische Werbung angemessen ist.
Chorgeist: ³ statt richtig 'Korpsgeist'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Mit dem zitierten 'Chorgeist' sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl
einer Gruppe beschrieben werden, und nicht etwa das Hausgespenst eines
Gesangvereins. Der aus dem Französischen stammende Begriff 'Korps'
bezeichnet ursprünglich eine Heeresabteilung. Unter 'Korpsgeist' versteht
man heutzutage das untereinander solidarische Handeln innerhalb einer
bestimmten Gesellschaftsgruppe, die nach außen hin einheitlich auftritt
und dadurch persönliche Bindungen zueinander besonders fördert. – Es
bleibt offensichtlich auch für Profis der deutschen Sprache schwierig,
verschiedene Begriffe auseinanderzuhalten, die zwar gleich gesprochen,
aber verschieden geschrieben werden. In dem zitierten Artikel war selbst-
verständlich der 'Korpsgeist' gemeint. Im Fall einer studentischen Verbin-
dung wäre allerdings der 'Corpsgeist' richtig gewesen.
Computerbrache: ³ statt richtig 'Computerbranche'
"In der Computerbrache wird mit harten Bandagen gekämpft, ..."
[Aus einem Kriminal-Schmöker]
Erheiternder Satzfehler, durch den die 'Branche' zur 'Brache' mutiert ist.
Derartige Fehler, durch die ein Wort in ein anderes gültiges Wort
verfälscht wird, sind mit der lexikalischen Analyse einer automatischen
Rechtschreibprüfung (z.B. von MS Word) generell nicht zu finden.
dahinschmilzen: ³ statt richtig 'dahinschmelzen'
"Bausünden schmilzen dahin"
[Überschrift einer Kolumne in der hiesigen Tageszeitung]
Ein paar Redakteure der hiesigen Tageszeitung haben offenbar gewisse
Probleme mit starken deutschen Verben. Anfang Januar 2010 wurde der
archaische Infinitiv 'überquillen' (statt richtig 'überquellen') reanimiert,
den hier in der Umgebung niemand kennt. Als Reaktion auf viele Leser-
briefe wurde zur nachträglichen Rechtfertigung sogar Goethes Faust
bemüht, in dem sich an einer Stelle 'quillen' auf 'Willen' reimt. Vielleicht
sollte man sich heute doch eher am Duden orientieren als an der von
klassischen Dichtern bevorzugten Schreibweise. – Mitte Februar 2010,
also gut einen Monat später, wird von einem anderen Redakteur der In-
finitiv 'dahinschmilzen' (statt richtig 'dahinschmelzen') erfunden. In der
betreffenden Kolumne philodophiert der Autor in Anbetracht des schnee-
reichen kalten Winters darüber, wie er trotz wenig handwerklichen Ge-
schicks mit seinen Kindern einen Iglu baut. Zum Trost 'schmilzen' solche
Bausünden auch bei bedenklicher Statik spätestens mit beginnendem Tau-
wetter wieder dahin. Aber vermutlich weiß die Redaktion auch für diesen
verkorksten Infinitiv wieder einen Vorwand an den Haaren herbeizuziehen.
Dass Gebäude: ² statt richtig 'Das Gebäude'
"Dass Gebäude soll in die Zwangsversteigerung."
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Die Konjunktion 'dass' an Stelle des bestimmten sächlichen Artikels 'das' ent-
behrt nicht einer gewissen Komik, obwohl es sich hier vermutlich um einen
einfachen Tipp- bzw. Setzfehler handelt. Ansonsten wird diese Konjunktion
oftmals mit dem sächlichen Relativpronomen 'das' bzw. 'welches' verwechselt,
aber 'dass' als vertippter sächlicher Artikel hätte dem Autor beim Hinschauen
eigentlich ins Auge springen müssen.
[^]
Dativ: ³ statt richtig 'Genitiv', auch süddeutscher, westfälischer oder Harzer Genitiv
"Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" [Titel einer Buchreihe von Sebastian Sick]
Zum Aufdecken und Vermeiden solcher Fehler in Grammatik und Sprachstil
Korrekt müsste es heißen 'Der Dativ ist der Tod des Genitivs', aber der
Titel soll bewusst provozieren. Zu dieser Kategorie gehören auch so
volkstümliche Aussprüche wie 'meinem Sohn seiner Frau ihr Haus', dessen
Umwandlung in 'das Haus der Frau meines Sohnes' immer noch stilistisch
schlecht ist (siehe Genitiv-Rutschbahn). Am besten wäre die Formulierung
'das Haus meiner Schwiegertochter'.
De- ath Valley: ° statt richtig 'Death Val- ley'
"Auf 48,9 Grad könnten die Temperaturen im De- ath Valley heute steigen, ..."
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
'Death' ist genau wie 'Byte' oder 'Charme' ein einsilbiges Wort, das nach [1a]
nicht getrennt werden kann. Die zunehmende Besessenheit moderner Satz-
programme, zwischen zwei Vokalen innerhalb einer Silbe zu trennen, wird
für den Leser immer unerträglicher (siehe auch Bo- ehm, Mi- ete, Mo- os,
Mu- ehl, Que- ensboro Bridge, Wa- echter). Aber auch etliche anderen ein-
silbigen Wörter bzw. Teilwörter werden oft unzulässigerweise getrennt (sie-
he bei- ge in bei- gefarben, By- te, Champions Lea- gue, Char- me, Fi- re
in Fi- rewall
, Pa- ge in Homepa- ge, Li- fe in Li- feguarded, Ti- mes in New
York Ti- mes
, Li-ne in Onli- nebörse, Ti- me in Ragti- me-Klassiker, sa- fe
in Sa- fewort
, Servi- ce, Sta- ge ... (Bühne), Sta- te in Sta- tement, Sto- re).
Nachdem heutige PCs die Rechenleistung früherer Großcomputer haben,
sollte es kein Problem mehr sein, in Satzprogrammen die gültigen Regeln
der Silbentrennung einzuhalten, damit die Leser den Sinn des gedruckten
Textes leichter erfassen können. Das scheint zwar, aus welchen Gründen
auch immer, unendlich schwierig zu sein, aber – man sollte die Hoffnung
nie aufgeben.
Depression: ³ statt richtig 'Wirtschaftskrise' oder 'Weltwirtschaftskrise'
Häufiger Übersetzungsfehler bzw. unzutreffender Begriff
[Aus zahlreichen Rundfunk- und Zeitungsbeiträgen über Wirtschaftskrisen]
Der englische Begriff 'depression' hat auf Deutsch je nach Disziplin
etwa 25 unterschiedliche Bedeutungen. Lediglich in der Medizin bzw.
Psychologie wird er richtig mit 'Depression' übersetzt. In der Wirtschaft
bedeutet er jedoch 'Wirtschaftskrise' und keinesfalls 'Depression', wie
man immer öfter hört und liest. Wenn außerdem von 'the Depression'
oder gar von 'the Great Depression' die Rede ist, dann ist damit keines-
falls eine '(große) Depression' gemeint, sondern die 1929/30 aufgetretene
'Weltwirtschaftskrise'. Jemandem, der Beiträge über Wirtschaftsthemen
verfasst, müßte das eigentlich klar sein, und er sollte in diesen Zusam-
menhang den außerhalb der Medizin äußerst schwammigen und oftmals
irreführenden Begriff 'Depression' tunlichst vermeiden!
desinfektionieren: ³ statt richtig 'desinfizieren'
"... und mit einer kurzfristig eingebauten UV-Anlage ständig desinfektioniert."
[Aus einer kostenlosen Monatszeitschrift]
Neben einer 'Desinfektion' kennt der Duden [1] auch eine 'Desinfizierung',
aber keineswegs das Verb 'desinfektionieren'.
Destination: ª statt besser 'Reiseziel' oder 'Urlaubsziel'
"Niedersachsen als Winterdestination immer beliebter"
[Artikelüberschrift in einer Fachzeitschrift über Tourismus-Marketing]
Internationalen Flugreisenden ist der Begriff 'Destination' als Ziel(-ort) eines
Fluges, Ausflugs, Urlaubs, einer Reise oder Fahrt, mit welchem Verkehrs-
mittel auch immer, durchaus geläufig. Bei einer Urlaubsreise von Deutschen
ins winterliche Niedersachsen von einer 'Winterdestination' zu sprechen bzw.
zu schreiben, kann offenbar nur Werbeleuten einfallen, die vor lauter eng-
lischen vermeintlichen Fachausdrücken kaum noch wissen, wie richtiges
Deutsch klingt. Bemerkenswert ist, dass so eine 'deutsch-englische Stilblüte'
auch noch in einer Tourismuszeitschrift steht, in der Gastgeber darüber infor-
miert werden, wie sich der Fremdenverkehr entwickelt und sie durch Verbes-
sern der Service-Qualität weitere Gäste anwerben können. Ob ältere Gäste
ein solches deutsch-englisches Kauderwelsch wie Winterdestination jedoch
als Service-Qualität empfinden, darf getrost bezweifelt werden.
Detonation: ³ als falsches Synonym für eine beliebige Explosion
[Modewort in zahlreichen Unfallberichten über Gasexplosionen]
Naturwissenschaften scheinen gegenwärtig in den meisten Medien verpönt
zu sein, denn sogar renommierte Journalisten brüsten sich mit ihren mangel-
haften Kenntnissen in Physik und Chemie. Bedauerlicherweise merkt man
das bestimmten Berichten über dieses Fachgebiet auch deutlich an.
Klarstellung: Eine Explosion (im weiteren Sinne) ist eine schnelle Ausdeh-
nung von Gasen oder Dämpfen. Dies kann einerseits durch das Bersten eines
Druckbehälters geschehen (z.B. die Explosion eines Dampfkessels) oder an-
dererseits durch eine schnell ablaufende chemische Reaktion zwischen einem
Brennstoff und Sauerstoff. Das kann Sauerstoff aus der Luft sein oder aus
einem sog. Oxydator, der während der Reaktion Sauerstoff abgibt. In den fol-
genden Absätzen werden nur noch solche chemischen Reaktionen behandelt.
Abhängig von der Ausbreitungsgeschwindigkeit v der Flammen bzw. der ent-
stehenden Gase dieser chemischen Reaktion werden folgende vier Gruppen
unterschieden:
  1. Verbrennung v < 1 m/s
    Brennstoff: Holz, Kohle, Öl, Gas usw.
    Oxydator: Luftsauerstoff (ggf. elementarer Sauerstoff)
    Zweck: Heizen, Kochen, Flammlöten, Autogenschweißen, Brennschneiden
  2. Verpuffung v = 1 – 10 m/s
    Brennstoff: Gas, brennbarer Dampf oder Staub (Benzin, Mehl, Holz usw.)
    Oxydator: Luftsauerstoff
    Auftreten: versehentliches Entzünden des Gas- oder Staub-Luft-Gemischs
    (weniger heftige Reaktion als 3a. durch Mischungsverhältnis mit wenig
    Brennstoff oder wenig Sauerstoff)
  3. Deflagration v = 10 – einige 100 m/s (= Explosion im engeren Sinne)
    1. Brennstoff: Gas, brennbarer Dampf oder Staub (wie 2)
      Oxydator: Luftsauerstoff
      Auftreten: versehentliches Entzünden des Gas- oder Staub-Luft-
      Gemischs (heftige Reaktion bei inniger Mischung von Brennstoff
      und Sauerstoff in einem für die Reaktion günstigen Verhältnis)
    2. Brennstoff: z.B. Aktivkohle und Schwefelblüte ( C + S )
      Oxydator: z.B. Chilesalpeter ( NaNO3 )
      Zweck: Explosivstoffe, z.B. Schwarzpulver
  4. Detonation v > 1000 m/s
    Brennstoff und Oxydator: innerhalb eines Moleküls
    (fast ausschließlich intramolekulare Reaktion)
    Zweck: brisante Sprengstoffe, z.B. Nitrosprengstoffe (einschl. Dynamit),
    heftigste Wirkung durch Druckwelle mit Überschallgeschwindigkeit.
Die starke Wirkung einer Detonation (4.) ist auf definierte Weise nur mit einer
intramolekularen Verbrennung zu erreichen, bei der die Brennstoff- und Sau-
erstoffatome bereits innerhalb eines Sprengstoffmoleküls so innig wie möglich
'gemischt' sind. Alle anderen 'Verbrennungen' sind intermolekular, d.h. die be-
teiligten Brennstoff- und Sauerstoffatome befinden sich vor der Reaktion in
verschiedenen Molekülen. Je nachdem, wie gut und in welchem Verhältnis sie
miteinander gemischt sind und wie schnell sie miteinander reagieren, ergibt
sich eine normale Verbrennung (1.), eine Verpuffung (2.) oder eine Deflagra-
tion (3.) bzw. Explosion (im engeren Sinne). Eine Gasexplosion (3a.) mit Luft-
sauerstoff als Oxydator eine Detonation zu nennen, ist jedenfalls sachlich
falsch, auch wenn es so schön dramatisch klingt! Es gibt zwar ein paar Gase,
die im richtigen Mischungsverhältnis mit reinem Sauerstoff detonieren, aber
die werden nicht zum Kochen bzw. Heizen in die Haushalte geliefert.
direkte Möglichkeit der Abstimmung: ³ statt richtig
'Möglichkeit der direkten Abstimmung'
[Aus einem Beitrag des regionalen Hörfunksenders]
Was soll denn eine direkte (d.h. unmittelbare) Möglichkeit sein? Hier steht
das Attribut offensichtlich beim falschen Substantiv, denn nur die Abstim-
mung kann direkt (unmittelbar) oder indirekt (mittelbar) sein.
dreimal größer, dreimal kleiner: ³ oftmals falsch bzw. missverständlich
"Niedersachsen ist etwa dreimal größer als Schleswig-Holstein."
"Schleswig-Holstein ist etwa dreimal kleiner als Niedersachsen."
[Einfaches Beispiel für immer häufiger benutzte falsche Angaben in Vergleichen]
Immer mehr Angehörige der schreibenden Zunft haben anscheinend ihre liebe
Not, einfache Zahlenvergleiche in zutreffende Prosa zu übertragen. Zahlenwerte
bei den Vergleichsformen (Komparativen) 'größer' und 'kleiner' geben immer
den Unterschied zum Bezugswert an. Bei der Aussage "Rheinland-Pfalz ist etwa
26 % größer als Schleswig-Holstein" ist allen klar, dass Rheinland-Pfalz ca. die
1,26-fache Fläche von Schleswig- Holstein hat (und nicht nur die 0,26-fache
Fläche). Folgerichtig bedeutet 'dreimal größer' die dreifache Fläche zusätzlich,
also viermal so groß. Das ist aber meistens gar nicht gemeint und trifft auch für
dieses Beispiel nicht zu, denn Niedersachsen ist ziemlich genau 'dreimal so groß'
wie sein nordöstliches Nachbarland. Warum schreibt man das dann nicht einfach
in dieser Form? Richtig wäre zwar auch 'zweimal größer' oder 'um das Doppelte
größer', aber der Leser sollte informiert werden, ohne erst Rechanaufgaben lö-
sen zu müssen (siehe auch übersteigen um mehr als 130 %). Dagegen ist 'dreimal
kleiner' mathematisch völlig unlogisch! Wenn vom Bezugswert seine dreifache
Größe abgezogen wird, dann käme die 'negative zweifache Fläche' heraus, die
weder stimmen kann noch gemeint ist. Bei so großen Unterschieden ist es am
einfachsten, sich Größenverhältnisse vorzustellen, d.h. in Faktoren zu denken.
Der Kehrwert von 'dreimal so groß' ist aber nicht 'dreimal so klein', sondern
'ein Drittel so groß', oder in diesem Beispiel 'ein Drittel der Fläche' bzw. noch
genauer '33,2 % der Fläche'. Es bleibt offenbar schwierig, vor allem, wenn
man sich an genau so schlampigen englischen Formulierungen wie 'three times
greater' und 'three times smaller' orientiert.
Druk- kfehlerteufel: ° statt richtig 'Druck- fehlerteufel'
[Aus einem Artikel in einer Vereinszeitschrift], (einer von zwei Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch, das
außerdem veraltet ist. 'ck' wird nach den heutigen Regeln nicht mehr getrennt,
sondern kommt nach [1] normalerweise gemeinsam an den Anfang der unteren
Zeile bzw. bleibt bei zusammengesetzten Wörtern wie hier am Ende der oberen
Zeile.
Düsenjet: * statt richtig 'Düsenflugzeug' oder 'Jet'
"Düsenjet rutscht über Landebahn hinaus"
[Überschrift auf den Titelseite einer Inselzeitung]
Ein 'Düsenflugzeug' wird durch 'Strahltriebwerke' (umgangssprachlich
'Düsentriebwerke') angetrieben und nicht durch Propeller. Es heißt fach-
lich korrekt 'Strahlflugzeug', umgangssprachlich 'Düsenflugzeug' bzw.
englisch 'Jet'. Damit wäre der 'Düsenjet' ein Düsen-Düsenflugzeug, also
zweifelsohne genau so doppelt gemoppelt wie die nicht auszurottende
Rückantwort. Im Gegensatz dazu hat es der 'Düsenjet' allerdings noch
nicht bis in den Duden geschafft. Man begegnet diesem Pleonasmus je-
doch nicht nur in der o.a. Inselzeitung, sondern auch immer wieder in
der täglichen Umgangssprache.
Ehepaar vor der Trauung, Mittagessen am Abend: ³ (widersprüchliche Logik)
statt richtig 'Brautpaar' bzw. 'Abendessen'
  1. "Das Ehepaar stieg in Südafrika ins Flugzeug, um im knapp 10 000 Kilometer
    entfernten und für sie völlig fremden Braunschweig zu heiraten."
  2. "John George Tait saß vor knapp zwei Jahren mit einem Freund beim Mittag-
    essen, obwohl er an diesem Abend eigentlich lieber seine Ruhe haben wollte."
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
In dem Artikel wird auf amüsante, unterhaltsame Weise beschrieben, wie ein
Paar aus Südafrika nach Braunschweig gereist ist, um dort sowohl standesamt-
lich als auch kirchlich zu heiraten. Damit war dieses Paar bei seiner Anreise in
Zitat 1 jedoch noch kein 'Ehepaar', sondern allenfalls ein 'Brautpaar'. Außer-
dem ist der Bezug mit 'für sie' im zweiten Teilsatz auf das sächliche 'Ehepaar'
grammatisch nicht korrekt. Da 'für es' holprig klingt, könnte dieses 'für sie'
durch 'ihm' ersetzt oder ganz weggelassen werden. Dass man sein Mittagessen
an einem Abend einnimmt, wie in Zitat 2 behauptet wird, düfte auch in Süd-
afrika eher ungewöhnlich sein. Vermutlich beruht das auf einem Übersetzungs-
fehler (Dinner ≠ Mittagessen statt richtig 'Abendessen'), denn bei der standes-
amtlichen Trauung war ein Dolmetscher behilflich, und die kirchliche Trauung
wurde in englischer Sprache zelebiriert.
Einheiten, Bruchteile und Vielfache von ~:
––> Bruchteile von Einheiten
––> Vielfache von Einheiten
einläs- st: ° statt richtig 'ein- lässt', nach [1] nur diese eine Trennfuge
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
denn die Trennung von 's-s', bei der nur das schließende 'st' des Wortes auf
der nächsten Zeile landet, ist an Blödsinn kaum noch zu überbieten!
Einzelhandelsex- perte: ° statt besser 'Einzelhandels- experte'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Die zitierte Trennung ist zwar formal zulässig, stört jedoch die einfache
Sinnerfassung. Wenngleich diese Trennung nicht einer gewissen Komik
entbehrt, sollte sie dennoch entsprechend [1f] vermieden werden.
Endlagerkommission für Atommüll: ³ statt richtig 'Kommission für Atommüll-Endlager'
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Der Atommüll soll doch offensichtlich in einem Endlager untergebracht wer-
den und nicht in einer Endlagerkommission! Damit ist der zitierte Begriff un-
logisch aufgebaut und müsste richtig 'Kommission für Atommüll-Endlager',
heißen, wobei 'Atommüllendlager' auch ohne Bindestrich zusammengeschrie-
ben werden kann.
Endverbraucher: * statt richtig 'Verbraucher'
[Aus verschiedenen Preislisten von Herstellern und Händlern]
Der Endverbraucher ist offenbar die stupide Übersetzung des Begriffs 'enduser'
aus dem Englischen. In der Versorgungskette von Produkten
'Hersteller —> Händler —> Verbraucher' gibt es nach dem Verbraucher
niemanden mehr, es sei denn den Müllentsorger oder die Toilettenspülung.
Üblicherweise gibt es zwar Groß- und Einzelhändler, aber einen Endverbraucher
sucht man vergebens, weil er nur als doppelt gemoppelter 'Verbraucher' im
wuchernden Kaufmannsdeutsch existiert.
erhe- blich: ° statt richtig 'er- heb- lich'
[Einer von sechs Trennungsfehlern in einem Artikel einer Inselzeitung]
Als deutsches Wort hat 'er|heb|lich' nach [1] nur diese beiden Trennfugen.
In Fremdwörtern kamen zwar die Verbindungen aus Buchstaben für einen
Konsonanten + l, n oder r früher ausschließlich ungetrennt auf die neue
Zeile aber das trifft für das deutsche Wort 'er|heb|lich' keinesfalls zu. Alter-
nativ können heute sogar solche Fremdwörter entsprechend [1, §110] ge-
trennt werden, z.B. nob-le/no-ble, Zyk-lus/Zy-klus, Mag-net/Ma-gnet, Feb-
ruar/Fe-bruar, Hyd-rant/Hy-drant, Arth-ritis/Ar-thritis).
erschrecken: stark oder schwach gebeugt?
  1. sie erschreckte sich: ³ statt richtig 'sie erschrak'
    "Die Tochter der Hausbesitzer erschreckte sich dabei aber vor einer Spinne
    am Fenster und stürzte in die Tiefe." [Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
  2. sich erschreckt zurückziehen: ³ statt richtig 'sich erschrocken zurückziehen'
    "Die mehr als 500 Gäste zogen sich erschreckt zurück."
    [Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
  3. er erschrickt die Besucher: ³ statt richtig 'er erschreckt die Besucher'
    "Wenn's ihm zu bunt wird, erschrickt der Muskelprotz die Besucher..."
    [Aus einer Bildunterschrift in der hiesigen Tageszeitung]
In der deutschen Sprache gibt es ein paar Verben, die sowohl transitiv (zielend
mit Akkusativobjekt) als auch intransitiv (nicht zielend, kein persönliches Passiv)
sein können, aber in beiden Formen unterschiedlich gebeugt werden. Zu den
bekanntesten Verben dieser Art gehören 'erschrecken', 'hängen' und 'quellen':
  • erschrecken, erschreckte, erschreckt (transitiv):
    Die Spinne erschreckte die Tochter. Die Spinne hat die Tochter erschreckt.
    Der Muskelprotz erschreckt die (bzw. den) Besucher.
    erschrecken, erschrak, erschrocken (intransitiv):
    Die Tochter erschrak vor der Spinne. Die Tochter ist vor der Spinne erschrocken.
    Die Gäste zogen sich erschrocken zurück.
    Der Besucher erschrickt vor dem Muskelprotz (Gegenwart Einzahl).
    Die Besucher erschrecken vor dem Muskelprotz (~ Mehrzahl, kein Unterschied).
    Die Besucher erschraken vor dem Muskelprotz (Vergangenheit Mehrzahl).
  • hängen, hängte, gehängt (transitiv):
    Die Hausfrau hängte die Wäsche auf. Die Hausfrau hat die Wäsche aufgehängt.
    hängen, hing, gehangen (intransitiv):
    Die Wäsche hing auf der Leine. Die Wäsche hat auf der Leine gehangen.
  • quellen, quellte, gequellt (transitiv; im Wasser weichen lassen):
    Die Köchin quellte die Bohnen. Die Köchin hat die Bohnen gequellt.
    quellen, quoll, gequollen (intransitiv; schwellen, hervordringen, sprudeln):
    Das Wasser quoll aus dem Loch. Das Wasser ist aus dem Loch gequollen.
Nach dem neuesten Duden [1] gehört der reflexive Gebrauch 'sich erschrecken'
(wie in dem o.a. Zitat) zur Umgangssprache (ich habe mich sehr erschreckt bzw.
erschrocken). Das Reflexivpronomen 'sich' in diesem Fall als Akkusativobjekt
aufzufassen, führt jedoch gedanklich in die Irre, denn das suggeriert, man hätte
selbst aktiv dazu beigetragen, einen Schreck zu bekommen (z.B. beim unerwartet
lauten Zerplatzen einer luftgefüllten Papiertüte, die man selbst zerhauen hat.
Wenn es also beim zufälligen Anblick einer Spinne unbedingt reflexiv sein muss,
dann bitte 'sie hat sich sehr erschrocken', ansonsten korrekt 'sie ist erschrocken'.
Escort-Begleitdamen: * statt richtig 'Escort-Damen' oder 'Begleitdamen'
[Wiederholte Kontaktanzeige in der hiesigen Tageszeitung]
Escort ist der englische Begriff für Begleiter / Begleiterin, mit dem hier wie dort
u.a. auch 'sexuelle Dienstleistungen' umschrieben werden. Um klarzustellen,
dass 'Begleiterinnen' vermittelt werden, reicht 'escort girls' bzw. 'Escort-Damen'
völlig aus, denn die 'Escort-Begleitdamen' sind jedenfalls doppelt gemoppelt.
Euro: ³ 1,8 Mio €, die angeblich bereits vor 20 Jahren in Spanien gestohlen wurden
"... denn auch 20 Jahre nach seinem Coup fehlt von den damals aus einem
Transporter gestohlenen 1,8 Millionen Euro noch fast die Hälfte."
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Die zitierte Meldung ist sachlich falsch, denn vor 20 Jahren (1989) gab es
weder in Spanien noch sonst wo in Europa die Währung 'Euro'. Der Euro
wurde 1999 als Buchgeld, aber erst 2002 als Bargeld eingeführt, das man
stehlen konnte. 1989 sind in Spanien allenfalls 'Peseten' (Pts) gestohlen
worden, vermutlich im heutigen Wert von 1,8 Mio €. Das steht aber nicht
in dem zitierten Artikel, weil der Redakteur das 13 Jahre nach dem Raub
liegende Einführungsdatum des Euro offensichtlich nicht bedacht hat.
Examensprüfungen: * statt richtig 'Examen' oder '(Abschluss-)Prüfungen'
"Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hatte am Mittwoch erklärt,
dass von 2573 neuen Lehrern 645 ihren Job erst im November antreten – nach
ihren Examensprüfungen."
[Nahezu wörtlich übereinstimmend aus den Nachrichten des regionalen Hörfunk-
senders sowie aus DPA-Artikeln der hiesigen Tageszeitung und einer Inselzeitung]
Examen (seltener Examina) bedeuten nach dem Rechtschreib-Duden [1]
(Abschluss-)Prüfungen! Danach sind die zitierten 'Examensprüfungen' als
'Prüfungs-Prüfungen' ein reinrassiger Pleonasmus, also doppelt gemoppelt.
Die bemerkenswerte Übereinstimmung der Rundfunkmeldung vom Sonntag
mit der Formulierung in zwei Zeitungsartikeln vom folgenden Montag lässt
auf eine gemeinsame Quelle schließen, in diesem Fall die Deutsche Presse-
Agentur in Hannover. Ob die Kultusministerin den zitierten Pleonasmus
wirklich verzapft hat, ist zwar wahrscheinlich, aber keinesfalls sicher, weil
die Äußerung nicht als wörtliche, sondern als indirekte (berichtete) Rede
wiedergegeben ist. Damit könnte diese Stilblüte auch von der Pressestelle
des ebenfalls involvierten Schulleiterverbandes oder von der DPA erfun-
den worden sein, um die Bedeutung der Lehrerexamen inflationär hervor-
zuheben. An sich sollte man jedoch von allen Beteiligten erwarten können,
dass sie derart plumpe Pleonasmen zu vermeiden wissen. Man fragt sich
jedoch, warum so ein verkorkster Ausdruck wie in diesem Fall landesweit
verbreitet wird. (1) Merken die Redakteure der Presseagentur bzw. der be-
treffenden Medien gar nicht mehr, was sie veröffentlichen, sei es aus Zeit-
not oder aus sprachlicher Unkenntnis, (2) dürfen oder wollen sie den Stil
einer ministeriellen Äußerung nicht korrigieren, um darüber in korrektem
Deutsch zu berichten, (3) oder sollte etwa eine gewisse Schadenfreude dazu
beitragen, die in einigen Punkten umstrittene oberste Dienstherrin der nie-
dersächsischen Lehrer auf diese Weise zu kompromittieren?
Fa- cebook: ° statt richtig 'Face- book'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Es ist abenteuerlich, wie sinnentstellend deutsche Satzprogramme immer
wieder fremdsprachige Wörter trennen! 'Face' ist und bleibt nun mal ein
einsilbiges Wort und damit untrennbar! 'Facebook' steht zwar noch nicht
in meiner Ausgabe des Duden [1], seine Trennung wird aber genau so be-
handelt wie z.B.'Life- style', das man dort findet. Von den einsilbigen Teil-
wörtern dieses Kompositums wird auch im Deutschen weder 'Life' noch
'style' getrennt. Demzufolge hat 'Face|book' nur diese eine Trennfuge, d.h.
ganz bestimmt nicht 'Fa- ce' und auch ganz bestimmt nicht 'bo- ok'! (Siehe
auch By- te, Char- me, De- ath Valley, Mo- os, Sto- re.)
falscher Bezug im Relativ(neben)satz: ³ statt richtig
'passende Satzstellung im Hauptsatz' oder 'passender Einschub des Nebensatzes'
"Die CDU hatte Adressen von der Post gekauft, die zum Teil seit Jahren überholt
sind." [Untertitel in der hiesigen Tageszeitung]
In dem Zeitingsartikel geht es um Werbebriefe, die im Namen eines Oberbür-
germeister-Kandidaten auch an bereits vor mehreren Jahren Verstorbene ver-
schickt worden sind. In einem Fall war die Adressatin bereits seit 17 Jahren
tot. Der stilistisch verunglückte Relativsatz in dem zitierten Untertitel soll aus-
sagen, woher diese nicht mehr aktuellen Adressen stammen. – Ein Relativne-
bensatz sagt etwas über ein Element im übergeordneten Satz aus [2]. Das Re-
lativpronomen (der, die, das bzw. welcher, welche, welches) bezieht sich auf
das nächstliegende Element im vorangehenden Hauptsatz, zu dem es passt.
Bedauerlicherweise ist bei dem Relativpronomen 'die' (bzw. 'welche') nicht zu
unterscheiden, ob es sich auf ein weibliches Substantiv in der Einzahl oder ein
beliebiges Substantiv in der Mehrzahl bezieht. Deshalb wird der Leser von
dem zitierten Untertitel zunächst gedanklich in die Irre geführt, der Relativ-
satz bezöge sich auf die Post, die danach 'zum Teil seit Jahren überholt' wäre.
Erst durch die Mehrzahlform 'sind' am Ende des Relativsatzes wird der ge-
neigte Leser nachdenklich, dass wohl doch die 'Adressen' gemeint sind. Das
ist zwar grammatisch richtig, jedoch stilistisch keineswegs gelungen. Viel bes-
ser wäre entweder die Umstellung im Hauptsatz gewesen 'Die CDU hatte von
der Post Adressen gekauft, die zum Teil seit Jahren überholt sind.', oder der
Einschub des Relativsatzes an der passenden Stelle 'Die CDU hatte Adressen,
die zum Teil seit Jahren überholt sind, von der Post gekauft.' – Bei solchen fal-
schen Bezügen lassen die altehrwürdigen 'Lukasburger Stilblüten' 5) vielmals
grüßen. Dieser Sammlung von W. Krämer 'Aus den Aufsätzen der Kleinen für
den Stammtisch der Großen' sind zu diesem Thema folgende beiden erheitern-
den Zitate entnommen, die bereits aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhun-
derts stammen.
1. 'Der Bursche zerschlug einen Krug auf dem Kopf des Polizeibeamten, der
voll Bier war.' (Nicht der Polizeibeamte war voll Bier, sondern der Krug!)
2. 'Vor vierzehn Tagen gab es gab es in der Wirtschaft meiner Tante eine
Schlägerei wegen einer Kellnerin, welche sich auf der Straße fortpflanzte.
(Nicht die Kellnerin pflanzte sich auf der Straße fort, sondern die Schlägerei!)
Man sieht also, dass gewisse Stilverstöße offenbar nicht auszurotten sind.
________________________
5) Dr. W. Krämer: Lukasburger Stilblüten, I. Heft, München 1959, S. 18
[^]
fangfrische Fischgerichte: ³ statt richtig 'Gerichte aus fangfrischem Fisch'
"An der Schlei gibt es fangfrische Fischgerichte"
[Aus einer Fernsehdokumentation] ––> vermischter Warenhändler
Fehlstart gestartet: * was könnte mit einem Fehlstart sonst geschehen sein?
"Die Autohersteller sind mit einem Fehlstart ins Jahr 2010 gestartet."
[Aus den 19.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Ein Fehlstart kann alles Mögliche sein oder tun, er kann passieren, ge-
schehen, sich ereignen, einem unterlaufen, oder man kann ihn erleiden.
Aber mit einem 'Fehlstart zu starten', ist dermaßen doppelt gemoppelt,
wie es kaum noch stilwidriger geht. Nach meiner Ansicht ist eine solche
Formulierung eher für eine Comedian-Show geeignet als für einen seri-
ösen Rundfunkbeitrag, denn dies war einer von drei Pleonasmen, die mir
innerhalb nur einer Woche aufgefallen sind (siehe auch Obdachlose und
Einsparmöglichkeiten).
Feiner Sandstrand: ³ statt richtig 'Strand mit feinem Sand'
"Borkums feine Sandstrände mit insgesamt rund 25 km Länge ..."
[Aus dem örtlichen Gastgeberverzeichnis 2010]
Fein könnte hier zwar im übertragenen Sinne gemeint sein, wie in 'feine
Leute' oder 'feine Gesellschaft', aber dann wäre ein anderes Attribut zweck-
mäßiger, z.B. 'schön', 'beliebt' oder 'vorzüglich'. Wer den 'sehr feinen Sand'
Borkums aus eigener Anschauung kennt, zweifelt jedoch nicht daran, dass
hier wirklich dessen äußerst feine Körnung gemeint ist. Durch diese Asso-
ziation wirkt der 'feine Sandstrand' unwillkürlich als ähnliche Silblüte wie
der 'vierstöckige Hausbesitzer'.
––> vermischter Warenhändler
feuerwehrtechnisches Hilfswerk: ³ statt richtig 'Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, ...'
"Feuerwehrtechnisches Hilfswerk, Bundeswehr und weitere Helfer bleiben
vor Ort." [Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Die zitierte Meldung handelt vom erwarteten Elbhochwasser 2013 im Land-
kreis Lüneburg und stand sicherlich nicht so im Manuskript, wie sie in den
Nachrichten klang. Offensichtlich sollen möglichst viele Meldungen in der
verfügbaren Zeit untergebracht werden, denn oftmals wird ziemlich schnell
gesprochen, auch ohne dabei die Gliederung der Sätze durch Kommas und
Punkte zu beachten. Das erschwert die Sinnerfassung des Zuhörers in uner-
wünschter Weise. So krass wie hier ist es zum Glück nur selten, dass in einer
Aufzählung das Komma und das Leerzeichen zwischen zwei getrennten Wör-
tern (Feuerwehr, Technisches ...) beim Sprechen einfach ignoriert werden
und es statt dessen so klingt, als wären sie zusammengeschrieben.
Finanzinvestor: * statt richtig 'Investor'
Für die Airbuswerke wird ein neuer "Finanzinvestor" gesucht.
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Nach Duden [1] heißt Investor auf Deutsch 'Kapitalanleger'. Danach ist ein
'Finanzinvestor' ein 'Finanz-Kapitalanleger' also doppelt gemoppelt.
Fi- rewall: ° statt richtig 'Fire- wall', nach [1] nur diese eine Trennfuge
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Firewall (= Brandmauer) ist auch im Deutschen die übliche Bezeichnung für
ein EDV-Programm, das unberechtigte Zugriffe zwischen einem Computer
und dem angeschlossenen Netzwerk in beiden Richtungen verhindert.
Firma ist explodiert: ³ statt richtig 'Betrieb (oder Fabrik) ist explodiert'
"Die im September des vergangenen Jahres explodierte Chemie-Entsorgungsfirma
in Ritterhude hat am Donnerstag abermals Wellen im Niedersächsischen Landtag
geschlagen." [Aus einer Nachrichtensendung des regionalen Hörfunksenders]
Obwohl viele Leute das zu glauben scheinen, ist eine 'Firma' weder ein 'Betrieb'
noch eine 'Fabrik', sondern deren Name, sofern dieser Betrieb ein kaufmänni-
sches Unternehmen darstellt (siehe auch Firmenname). Im Wortsinn könnte
eine 'explodierte Entsorgungsfirma' allenfalls bedeuten, dass deren Schild am
Eingangsportal des Betriebes oder deren Eintrag im Handelsregister explodiert
ist. Hier ist aber offensichtlich der Chemie-Entsorgungsbetrieb in Ritterhude
gemeint, der im vergangenen Jahr explodiert ist und dadurch große Schäden
verursacht hat. Aber warum können die Profis der deutschen Sprache einmal
wieder nicht das schreiben, was sie meinen?
[^]
Firmenname: * statt richtig 'Firma'
"Ein Betrieb oder Geschäft wird als Firma angesehen, die einen Firmennamen hat."
[Umgangssprachliche Irrtümer]
Die Begriffe Unternehmen, Gesellschaft, Firma, Betrieb und Geschäft werden
in der Umgangssprache oftmals synonym verwendet, obwohl sie rechtlich zu
unterscheiden sind.
"Eine Firma (abgekürzt: Fa.) ist der Name, unter dem ein Kaufmann seine
Geschäfte betreibt, seine Unterschrift leistet und unter dem er klagen und
verklagt werden kann (§ 17 HGB). Zur Führung einer Firma sind nach deut-
schem Handelsrecht nur Kaufleute berechtigt. ... Andere Gewerbetreibende
können eine Geschäftsbezeichnung führen." [Firma – Wikipedia 05.10.2015].
Eine Firma ist also kein Betrieb oder Geschäft, sondern der Name eines kauf-
männischen Unternehmens. Danach ist der 'Firmenname' als 'Namensname'
eines Unternehmens ein Pleonasmus, also doppelt gemoppelt.
[^]
Fla- tratesaufen: ° statt richtig 'Flat- rate- sau- fen', nach [1] nur diese drei Trennfugen
[Aus dem Buch Generation Doof, S. 326, Nachwort]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
In [1] findet man nur die beiden Teilwörter 'Flat|rate' und 'sau|fen'. Nach
[1b] werden zusammengesetzte Wörter nach ihren erkennbaren Bestandteilen
getrennt, das ergibt die drei Trennfugen 'Flat|rate|sau|fen' und keine anderen.
Fliesen reparieren: ³ statt richtig 'Fliesen ersetzen' bzw. 'auswechseln'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Wie repariert man Fliesen? Indem man sie flickt und dann neu glasiert?
Nach meinem Verständnis kann man allenfalls einen Fliesenspiegel oder
eine geflieste Wand reparieren, indem man schadhafte Fliesen vorsichtig
heraustrennt und durch neue (aus der hoffentlich noch vorhandenen Re-
serve) ersetzt. Die zitierte Formulierung 'Fliesen reparieren' halte ich für
stilistisch ziemlich missglückt.
Fließpunktzahl, Fließkommazahl, Gleitpunktzahl: ³ statt richtig 'Gleitkommazahl'
[Unzutreffende Begriffe aus zahlreichen Berichten der Daten- und Rechentechnik]
Die drei zitierten unzutreffenden Begiffe entstehen durch falsche bzw. sinn-
widrige Übersetzungen der ersten beiden Teilwörter dieses dreiteiligen Kom-
positums aus dem englischen Begriff 'floating-point number'. Lediglich das
dritte Teilwort 'Number' = 'Zahl' ist in allen Fällen richtig übersetzt. To 'float'
heißt auf Deutsch jedoch u.a. 'gleiten', 'schwimmen', 'treiben' und sollte kei-
nesfalls mit to 'flow' = 'fließen' (u.a.) verwechselt werden. 'Point' bedeutet
zwar meistens 'Punkt', allerdings leider nicht bei der Darstellung gebrochener
Zahlen, z.B. im Dezimalsystem (oder irgend einem anderen Stellenwertsystem).
Hier entspricht die deutsche Bezeichnung 'Dezimalkomma' dem englischen Be-
griff 'decimal point', wie inzwischen an jedem (international gebräuchlichen)
Taschenrecher und den Ländereinstellungen eines jeden Windows-PC ersicht-
lich ist. Damit sind alle Übersetzungsversuche von 'floating point number'
mehr oder weniger verunglückt, die auf Deutsch nicht 'Gleitkommazahl' hei-
ßen (siehe auch unter Vokabeln). Eine ausfühhrliche Abhandlung über Gleit-
kommazahlen
befindet sich auf meiner Seite "Logarithmen & Gleitkomma-
zahlen", auf der in dem Abschnitt Gleitkommazahl oder was sonst? auf die-
sen sprachlichen Wildwuchs eingegangen wird.
Fonds: ³ statt richtig 'Fond'
"Die Frau im Fonds des Wagens war Testerin des ADAC."
[Aus einem Artikel in einem Automobil-Clubmagazin]
Der Fonds hat etwas mit Geld zu tun (Geldmittel, ~vorrat, Bestand; die Fonds
auch Anleihen). Die Rückbank eines Autos (Taxis), die hier gemeint ist, heißt
jedoch 'Fond', genau wie der ausgebratene bzw. ausgekochte Fleischsaft. Im
Genitiv (des Fonds) und im Plural (die Fonds) wird zwar an den Fond ein 's'
angehängt, aber ganz bestimmt nicht im Dativ nach 'im'. Damit ist dieser
Begriff sachlich falsch, d.h. eindeutig eine Stilblüte.
Fußbal- lirrtümer: ° statt richtig 'Fußball- irrtümer'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Fuß|ball|irr|tü|mer ist ein zusammengesetztes Wort, das nach [1] nur diese vier
Trennfugen hat! Aber die Trennung von zusammengesetzten Wörtern ist und
bleibt offenbar schwierig, wenn das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Fußpedal: * statt richtig 'Pedal'
"... fest auf den Mitteldorn drücken und mit dem Fußpedal festspannen ..."
[Aus dem Schnelltest eines Christbaumständers]
Ein 'Pedal' ist nach Duden [1] ein 'Fußhebel', also ein Hebel, auf den man zum
Betätigen mit dem Fuß tritt, sei es nun an einem Christbaumständer, im Auto,
am Fahrrad oder an einer Orgel. Es ist von dem lateinischen Begriff 'pedalis' =
'zum Fuß gehörig' abgeleitet. Danach wäre ein 'Fußpedal', das man im Duden
vergeblich sucht, ein 'Fuß-Fußhebel', also doppelt gemoppelt. Bei einer Orgel
wird die gesamte mit den Füßen zu spielende Klaviatur als Pedal bezeichnet.
Dort heißt eine mit den Händen gespielte Klaviatur ja auch 'Manual' und
keineswegs 'Handmanual', was genau so ein Pleonasmus wäre.
ganz: ³ im Sinne von alle, sämtliche
"die ganzen Leute" [volkstümliche Bezeichnung für 'alle Leute', 'sämtliche Leute']
'Die ganzen Leute' sind und bleiben unlogisch und daher eine Stilblüte,
weil es keine halben Leute o.ä. gibt.
Geburtsname mit Kommas oder nicht?:
"Ida Meyer, geb. Fink und Familie" ³ = sinnentstellende Zeichensetzung
[Aus einer Traueranzeige in einer Inselzeitung] (Name geändert)
Während meiner Schulzeit hat unser Klassenlehrer, ein studierter Germanist,
uns geradezu eingebleut (nach neuer Reschtschreibung 'eingebläut'), dass
nach seinem Sprachverständnis nachfolgende Geburtsnamen nicht durch
Kommas abgetrennt werden, z.B. 'Frau Schmidt geb. Kühn hat dies mitge-
teilt'. Das gilt nach dem Rechtschreib-Duden [1], dem dieses Beispiel ent-
nommen ist, auch heute noch, und zwar gemäß der Regel "Bestandteile von
mehrteiligen Eigennamen und vorangestellte Titel ohne Artikel sind an sich
keine Zusätze oder Nachträge; entsprechend setzt man kein Komma" 4).
Wird der nachgestellte Geburtsname allerdings als Nachtrag (Apposition)
aufgefasst, dann kann er nach Duden [1] auch in zwei Kommas eingeschlos-
sen werden, z.B. 'Frau Schmidt, geb. Kühn, hat dies mitgeteilt' 4). Wegen der
Nachwirkungen meines fundierten Deutschunterrichts ziehe ich als Verfasser
dieser Sammlung allerdings immer noch die erste Variante ohne Kommas
vor. Das führt beim Entwurf von Traueranzeigen und -karten immer wieder
zu manchmal hartnäckigen Diskussionen mit Setzern und/oder Druckern, die
in diesem Punkt oft geradezu kommawütig sind und nichts anderes gelten
lassen. – In der zitierten Anzeige ist das eine Komma jedoch fehl am Platze,
denn damit wäre 'Ida Meyer' eine geborene 'Fink und Familie'. Richtig wäre
(vorzugsweise) gar kein Komma oder ein zweites Komma hinter 'Fink', um
den Geburtsnamen korrekt von dem Zusatz 'und Familie' zu trennen.
________________________
4) diese Regeln gelten gleichermaßen für 'geb.', 'verh.', 'gesch.', 'verw.'
Geburtstag, 70-jähriger: ³ statt richtig '70. (siebzigster) Geburtstag'
  1. "Gudrun Vogel feierte ihren 70-jährigen Geburtstag" (Name geändert)
    [Überschrift in einer kostenlosen Monatszeitschrift]
  2. "Borkum: Gezeitenland feiert 5-jährigen Geburtstag"
    [Überschrift eines Artikels in einer Inselzeitung]
Wie kann ein Geburtstag 70 (oder 5) Jahre alt werden? Die 70-jährige
Frau Vogel ist genau so vorstellbar wie ihr 70. Geburtstag. Aber mit dem
70-jährigen Geburtstag der Frau Vogel ist dem ersten Redakteur das Tem-
perament genau so gründlich durchgegangen wie dem zweiten Redakteur
mit dem 5-jährigen Geburtstag des Gezeitenlandes (Hallenbad in Borkum).
Nach der deutschen Grammatik werden Zeitpunkte im Gegensatz zu Zeit-
dauern bzw. -abläufen mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet, die nicht
falsch zugeordnet werden dürfen. '70-jährig' kann als Zeitdauer allenfalls
die bisherige Lebensdauer der Frau Vogel bezeichnen, aber keinesfalls den
Zeitpunkt ihres Geburtstages! Das gilt selbstverständlich genau so für das
5 Jahre alte Gezeitenland.
gefährliches Gefahrgut: * statt richtig nur 'Gefahrgut'
"..., dass der LKW gefährliches Gefahrgut geladen hat."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Als Gefahrgut werden Stoffe bezeichnet, von denen bei der Handhabung oder
beim Transport bestimmte Gefahren ausgehen können. Deshalb sind sie beim
Transport mit einer orangefarbenen Warntafel, der sog. Gefahrentafel, am
Fahrzeug zu kennzeichnen. Da Gefahrgut so heißt, weil von ihm Gefahren
ausgehen, ist 'gefährliches Gefahrgut' doppelt gemoppelt.
Gefühl- schaos: ° statt richtig 'Gefühls- chaos'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Nach [1] gibt es nur diese drei Trennfugen: 'Ge|fühls|cha|os'.
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b])
gegenfinanzieren: ¹ ³ statt richtig 'finanzieren'
[Modewort in Behörden und Politik]
Etwas zu 'finanzieren' bedeutet, es mit Geldmitteln auszustatten oder
geldlich zu ermöglichen [1]. Das Wort 'gegenfinanzieren' kommt im Duden
[1] nicht vor, aber es klingt so herrlich kompliziert, dass es von vielen
Behördenvertretern und Politikern heiß und innig geliebt wird. Vielleicht
soll es ja in Zeiten der Mangelverwaltung andeuten, das Geld für eine
Finanzierung müsse jemand anderem weggenommen werden. Jedenfalls ist
dieser Begriff ein modernes Beispiel für aufgeblähtes Behördendeutsch.
geha- bt: ° statt richtig 'ge- habt'
"„Da habe ich ja Glück geha- bt“, grinste Heiko."
[Aus einem abgeschlossenen Roman in einer Wochenzeitschrift]
Es ist unglaublich, was für Trennungsfehler durch brutale Trennprogramme
heutzutage möglich sind.
geis- treich: ° statt richtig 'geist- reich', nach [1] nur diese eine Trennfuge
"... suche humorvollen und geis- treichen Partner, ..."
[Aus den Kontaktanzeigen der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]
gemischter Salatteller: ³ statt richtig 'gemischter Salat' oder 'Teller mit gemischtem
Salat' [Aus den Speisenkarten zahlreicher Restaurants]
––> vermischter Warenhändler
Genitiv-Rutschbahn: ³ (kaskadierter Genitiv)
  1. "Der Zustand des Daches des Hauses des Sohnes des verstorbenen Eigen-
    tümers ist nicht in Ordnung." [Abschreckendes Beispiel aus [4]]
    Besser: Das Dach auf dem Haus, das dem Sohn des verstorbenen
    Eigentümers gehört, ist nicht in Ordnung.
  2. "Im Rahmen der Optimierung der Zusammenarbeit des grenzüberschreiten-
    den Polizeiteams (GPT) mit dem im niedersächsischen – niederländischen
    Grenzbereich Polizeidienststellen wurden verschiedene gemeinsame Einsatz-
    formen durchgeführt." [Aus einem Artikel auf Seite 1 einer Inselzeitung]
    Der zitierte Satz ist ein Beispiel für abschreckendes Behördendeutsch
    (dreistufige Genitivrutschbahn und Substantivismus). Erheblich besser
    wäre z.B.: Bei verschiedenen Einsatzformen im niedersächsisch-nieder-
    ländischen Grenzgebiet hat das grenzüberschreitende Polizeiteam
    (GPT) optimal zusammengearbeitet.
Geschäftstelle: ³ statt richtig 'Geschäftsstelle'
"Öffentliche Versicherung Braunschweig ... Geschäftstelle Broitzem"
[Werbeaufschrift auf der Plane eines PKW-Anhängers, beidseitig und hinten]
Hin und wieder ist man auch im privaten Umfeld 'betriebsblind', weil man
hier wie dort auffällige Unstimmigkeiten nicht bemerkt. So ist es mir mit der
zitierten Aufschrift auf der Plane eines der heute so beliebten PKW-Anhänger
ergangen, wo dem Wort 'Geschäftsstelle' das nach Duden [1] unverzichtbare
Fugen-s fehlt. Dieser Anhänger steht seit Monaten fast immer gut sichtbar in
der Einfahrt des lokalen Repräsentanten an der Durchgangsstraße unseres
Ortsteils, an dem ich auf meinem abendlichen Rundgang um die Blocks regel-
mäßig entlanggehe. Im aktuellen Duden [1] findet man 56 mit 'Geschäft' zu-
sammengesetzte Wörter (49 Substantive u. 7 Adjektive, alle mit Fugen-s) von
'Geschäftsabschluss' bis 'Geschäftszweig', zu denen auch die 'Geschäftsstelle'
gehört. Diese Regel galt auch schon vor der Rechtschreibreform.
geschlechtsneutrale Bezeichnungen: ³ stilistisch oft wenig gelungen
"Auszubildende, Studierende, Lehrkraft, Kolleg(inn)en,
Mitarbeiter/-innen, Mitarbeiter(innen), MitarbeiterInnen"
[Zunehmend verbreitete Begriffe aus Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften]
Geschlechtsneutrale Bezeichnungen sind der "Erfolg" verschiedener Emanzi-
pationsbewegungen, durch die Bezeichnung einer Person als Mitglied einer
Berufs- oder sonstigen Gruppe nicht ein bestimmtes (meist männliches) Ge-
schlecht zu suggerieren. Nach EU-Recht müssen Stellenanzeigen generell
'geschlechtsneutral' formuliert sein. Diese Bemühungen lassen völlig außer
Acht, dass in etlichen Fällen das grammatische Geschlecht (Genus) keines-
wegs mit dem natürlichen Geschlecht (Sexus) übereinstimmt, z.B. 'die Sache',
'das Weib', 'das Mädchen'. Krampfhaftes Bemühen um geschlechtsneutrale
Bezeichnungen bringt teilweise groteske (Stil-)Blüten hervor, u.a. Wortunge-
tüme wie "Mitarbeiter/-innen", "Mitarbeiter(innen)", "MitarbeiterInnen"
oder ähnliches, um diesem Trend Genüge zu tun. Während die Schreibweisen
mit Klammern oder Schrägstrich als Kurzformen für 'Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter' inzwischen sogar im Duden [1] stehen, ist dort das sog. Binnen-I
verpönt. Die ebenfalls zulässige Kurzform "Kolleg(inn)en" für 'Kolleginnen
und Kollegen' empfinde ich persönlich jedoch als ziemlich gewöhnungsbe-
dürftig. Außerdem wurde eifrig nach sog. geschlechtsneutralen Ersatzwörtern
gesucht. So wurde aus Lehrer und Lehrerin die farblose 'Lehrkraft', die aber
zum Glück wenigstens weiblich ist. In Gesetzen und Verordnungen wurden z.B.
aus dem altbewährten, an sich geschlechtsneutralen Lehrling 'der' bzw. 'die'
Auszubildende und aus dem Studenten 'der' bzw. 'die' Studierende. Das Gan-
ze funktioniert aber nur in Verbindung mit dem bestimmten Artikel, denn mit
einem unbestimmten Artikel unterscheiden sich die männlichen und weiblichen
Substantive eben doch (z.B. 'ein Auszubildender' bzw. 'eine Auszubildende'),
und ohne Artikel ist bei 'Auszubildende' unklar, ob die weibliche Form in der
Einzahl oder die neutrale Form in der Mehrzahl gemeint ist. Was soll ein ar-
mer Unternehmer also machen, wenn er einen Lehrling sucht (egal welchen
Geschlechts)? Früher hätte er einfach geschrieben "Lehrling gesucht", denn
die Mehrzahl hätte Lehrlinge geheißen. Es bleibt also schwierig! Es sei denn,
er fügt einer geschlechtsspezifischen Form den Zusatz (m/w) hinzu, wie es in
Dänemark schon länger praktiziert wird und auch bei uns immer öfter zu se-
hen ist. Da in Stellenanzeigen auch andere Gruppen (z.B. Behinderte) nicht
benachteiligt werden dürfen, liest sich heutzutage manche Offerte (besonders
für den Staatsdienst) so, als würde vorrangig eine behinderte Frau gesucht.
(Diese Anmerkung ist keinesfalls gegen Angehörige dieser Personengruppen
gerichtet, sondern gegen die noch stark verbesserungsbedürftigen Formulie-
rungen in den entsprechenden Stellenanzeigen.) Bemerkenswert fand ich auch
die Prüfungsordnung einer Uni für eine Fachrichtung, in der damals fast aus-
schließlich junge Männer studierten. Es hätte zwar grotesk geklungen, in die-
ser Prüfungsordnung die Ausnahmen für einen schwangeren Studenten zu for-
mulieren, und so nahmen die Regeln für schwangere Studierende, gemessen an
der geringen Zahl der möglichen Fälle, breiten Raum ein. Dabei hätte es für
diesen biologischen Sonderfall schon immer die 'Studentin' als weibliche Form
gegeben. – Im Tierreich wird hingegen teils der Name des männlichen und
teils der des weiblichen Tiers auch als Gattungsbezeichnung verwendet, z.B.
der Löwe (m: der Löwe, w: die Löwin), die Katze (m: der Kater, w: die Katze),
bei Vögeln sogar meistens die weibliche Form (die Ente, die Gans, die Amsel,
die Meise, das Huhn {w mit sächlichem Genus}, aber der Pfau, der Kirschkern-
beißer). – Da ich keine Stellenanzeigen verfassen muss, drücke ich mich oft um
eine formal geschlechtsneutrale Bezeichnung, weil der Text dadurch meistens
schwerer lesbar wird. Solange in der deutschen Kommunalverwaltung auch
weibliche Bedienstete ihre Urkunden mit "Der Standesbeamte" unterschreiben
müssen und es für den "Gast" immer noch keine weibliche Form gibt, habe ich
dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen.
Geschwindigkeitsü- berschreitungen: ° statt richtig
'Geschwindigkeits- überschreitungen'
[Aus einem Artikel in einer Inselzeitung] ––> Bankü- berfall
Gesetzliche Einheiten ³ und ihre Vorgänger
1954 wurden die Basiseinheiten für unser heutiges System von gesetzlichen
Maßen und Gewichten festgelegt, die nach dem 1970 in Kraft getretenen
"Gesetz über Einheiten im Meßwesen" in Handel und Gewerbe ausschließlich
zu verwenden sind. 1978 sind in Deutschland die letzten Übergangsfristen
abgelaufen. Obwohl die gesetzlichen SI-Einheiten seitdem verbindlich sind,
begegnen uns immer noch etliche ihrer inzwischen abgeschafften Vorgänger.
Hier nun einige Einheiten aus dem täglichen Leben [3]
(Umrechnungsfaktoren auf technische Genauigkeit gerundet):
  • Energie: 1 J (Joule) = 1 Ws (Wattsekunde) = 1 Nm (Newtonmeter)
    für größere Werte: 1 kWh (Kilowattstunde) = 3600 kJ = 3,6 MJ
    alt: Kalorie (meistens Kilokalorie, 1 kcal = 4,1855 kJ)
  • Leistung: 1 W (Watt) oder 1 kW (Kilowatt) = 1000 W
    alt: Pferdestärke (1 PS = 75 kp·m/s = 0,7355 kW)
    alt: Kilokalorie pro Stunde (1 kcal/h = 1,163 W)
  • Kraft: 1 N (Newton) = 1 kg·m/s²
    alt: 1 kp (Kilopond) = 9,81 N (Newton)
  • Drehmoment: 1 Nm (Newtonmeter)
    alt: Kilopondmeter (1 kpm = 9,81 Nm)
  • Druck: 1 Pa (Pascal) = 1 N/m² (sehr klein durch große Bezugsfläche)
    für höhere Drücke: 1 bar (Bar) = 105 Pa = 1000 hPa = 0,1 MPa
    alt: Millibar (1 mbar = 10² Pa = 1 hPa (Hektopascal))
    alt: Kilopond pro Quadratzentimeter (1 kp/cm² = 1 at = 981 hPa)
    alt: Millimeter Quecksilbersäule (1 mm Hg = 1 Torr = 1,333 hPa)
(Siehe auch Bruchteile und Vielfache von Einheiten.)
In bestimmten Sparten wurde lange bzw. wird immer noch mehr oder
weniger hartnäckig an alten, gesetzlich nicht mehr zugelassenen Einheiten
festgehalten. Das galt lange Zeit in der Physik und gilt noch heute in der
Medizin, wo Nährwerte weiterhin in Kalorien und Drücke (Blut- oder
Augeninnendruck) in mm Hg angegeben werden. Obwohl PS-Angaben in
den Fahrzeugpapieren inzwischen endgültig durch kW abgelöst sind, halten
sie sich in Werbung und Testberichten immer noch mit konstanter Bosheit.
Nach einem Leserbrief in der hiesigen Tageszeitung hat das offenbar nur
noch Bedeutung
"... zur Befriedigung der Leistungsgeilheit gewisser Naivlinge,
denen ein Motor mit 420 PS allemal mehr imponiert, als derselbe mit nur
309 kW." Obwohl provozierend brutal formuliert, enthält diese Aussage
sicherlich ein Körnchen Wahrheit.
geshuttelt: ª ³ von 'to shuttle' (hin- und herfahren), englisches Verb deutsch gebeugt
"Michael Ballacks prominente Hochzeitsgäste wurden geshuttelt." [Aus einem
Bericht des regionalen Hörfunksenders über die Hochzeit Michael Ballacks]
Die glanzvolle Hochzeit des Fußballprofis Michael Ballack am 14./15.07.08
mit ca. 400 prominenten Gästen im Jachtclub am Starnberger See ließ die
Wellen in den Medien hochschlagen. Damit die Gäste rechtzeitig an den ver-
schiedenen Stellen des Geschehens sein konnten, gab es für deren Transport
extra ein sog. Promi-Shuttle. Davon ließ sich der Redakteur eines Rundfunk-
beitrags zu der zitierten Formulierung hinreißen, die wohl von vielen Hörern
als Stilblüte oder deutsch-englischer Slang empfunden wurde.
getrügt: ³ statt richtig 'getrogen'
"Ich lächelte in mich hinein, denn mein Gefühl hatte nicht getrügt."
[Aus einem abgeschlossenen Roman in einer Frauenzeitschrift]
Auch angebliche Profis der deutschen Sprache scheinen immer öfter
Schwierigkeiten mit dem richtigen Gebrauch starker Verben zu haben.
Zwei verschiedene Redakteure der hiesigen Tageszeitung erfinden die
vermeintlichen Infinitive 'überquillen' und 'dahinschmilzen' nach den
stark gebeugten Formen 'es quillt über' bzw. 'es schmilzt dahin', und
ein Nachrichtenredakteur des regionalen Hörfunksenders erfindet das
schwach gebildete Imperfekt 'sie meideten' statt 'sie mieden' des starken
Verbs 'meiden'. Aber manche Romanautoren scheinen es nicht besser zu
können, wie man an dem zitierten Partizip Perfekt 'getrügt' statt richtig
'getrogen' des starken Verbs 'trügen, trog, getrogen' [2, # 704] sieht.
Gewin- neinbruch: ° statt richtig 'Ge- winn- ein- bruch'
[Einer von sechs Trennungsfehlern in einem Artikel einer Inselzeitung]
Dieser Fehler gehört zu den Klassikern der Trennung eines zusammenge-
setzten Wortes, bei denen das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Unter Missachtung von Regel [1b] ist hier nach [1c] getrennt worden.
Dadurch erscheint am Beginn der zweiten Zeile das Phantasie-Teilwort
'Neinbruch', was immer das sein mag (siehe auch Syste- mausfall).
Gril- labend: ° statt richtig 'Grill- abend' (auch nicht 'Grilla- bend') [1b]
[Aus einem Leserbrief in einer Inselzeitung] (einer von drei Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
bei dem der letzte Konsonant des ersten Teilwortes mit auf der nächsten
Zeile landet, weil das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Grundprinzip: * statt richtig nur 'Prinzip'
[Häufig verwendete Übetreibung] und [1]
Obwohl 'Grundprinzip' sogar im Duden steht, handelt es sich dabei ein-
deutig um einen Pleonasmus. 'Prinzip' bedeutet nach [1] bereits 'Grund-
lage' oder 'Grundsatz'! Damit ist das vermaledeite 'Grundprinzip' eine
'Grund-Grundlage' oder ein 'Grund-Grundsatz', also zweifelsohne genau
so doppelt gemoppelt wie die nicht auszurottende Rückantwort.
Haarfrisur: * statt richtig 'Frisur'
[Volkstümliche Übertreibung]
Eine Frisur wird grundsätzlich durch Schnitt und Anordnung der Kopfhaare
bestimmt. Damit ist Haarfrisur doppelt gemoppelt. Nur, wenn mit Frisur
ausnahmweise etwas anderes gemeint ist, z.B. der Umbau eines Motors zum
Erhöhen der Leistung oder das Fälschen von Geschäftsbüchern, dann sollte
auf diese abweichende Bedeutung der Frisur hingewiesen werden.
Hälfte, größere oder kleinere: ³ statt richtig 'größerer bzw. kleinerer Teil'
"Die größere Hälfte der Zuschauer hat sich bei dem Spiel gelangweilt."
[Volkstümliche Aussage]
Zwei Hälften sind immer gleich groß, denn sonst sind es eben keine Hälften.
Demzufolge kann es keine 'größere oder kleinere Hälfte' einer Menge geben,
sondern nur einen 'größenen oder kleineren Teil bzw. Anteil'.
Hand- ynummer: ° statt richtig 'Han- dy- num- mer'
Hand- ys: ° statt richtig 'Han- dys'
[Aus zwei Artikeln der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Wenn die Deutschen schon einen anglisierten Begriff für das Funktelefon
erfinden, den es in England oder Amerika gar nicht gibt, dann sollten die
Satzprogramme der Zeitungsverlage dieses Wort auch richtig trennen!
Häu- schen: ° statt richtig 'Häus- chen'
[gefunden als "Unterstellhäu- schen" in einem Artikel einer Inselzeitung]
Wird von Wörtern, die mit 's' enden, eine Verkleinerungsform mit der
Endung '-chen' gebildet, z.B. Haus – Häuschen, dann wird bei der
Worttrennung nur diese Endung abgetrennt und das 's' des Stammwor-
tes bleibt am Ende der oberen Zeile, also 'Häus- chen' und keinesfalls
'Häu- schen', denn das 'sch' wird hier nicht als ein Laut gesprochen!
Dieselbe Regel gilt auch für Wörter die auf 'se' enden und in deren
Verkleinerungsform das 'e' entfällt, z.B. Ho|se – Hös|chen und Ha|se –
Häs|chen, im Gegensatz zu Herr|scher oder Wä|sche, in denen das 'sch'
als ein Laut gesprochen wird. In der früher gebräuchlichen deutschen
Schreib- oder Frakturschrift wurden zwei S-Buchstaben unterschieden,
das Lang-S am Anfang bzw. innerhalb und das Schluss-S am Ende von
Wörtern oder Wortstämmen. Durch das Schuss-S in 'Häuschen', 'Höschen'
'Häschen' war völlig klar, wo die Trennfuge in diesen Wörtern hingehör-
te, wogegen der Sch-Laut in 'Herrscher' und 'Wäsche' durch eine untrenn-
bare Ligatur gesetzt wurde, genau wie andere häufige Kombinationen:
Fraktur
Durch die passende Schreibweise der S-Laute wurde in diesen Schriften
angegeben, ob ein 's' zur vorausgehenden oder zur folgenden Silbe gehört,
d.h. wie ein solches Wort zu sprechen und zu trennen ist, wie beispielsweise
in des|halb – da|selbst. Diese Feinheit gibt es heute leider nicht mehr. Es
ist und bleibt unglaublich, was für Schoten unzureichende deutsche Satz-
und Trennungsprogramme sogar mit deutschen Wörtern anstellen.
He- alth: ° statt richtig 'Health'
"Die Rehbergklinik St. Andreasberg soll ... in ein Fünf-Sterne-He-
alth-Resort verwandelt werden." [Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Der englische Begriff 'Health' ist ein einsilbiges Wort, das nach meinem Ver-
ständnis nicht mit geradezu gewalttätigen deutschen Trennungsprogrammen
in zwei Teile zerhackt werden sollte (siehe auch By- te, Char- me, Mo- os).
Es ist äußerst betrüblich, dass in Deutschland, wie oben zitiert, immer mehr
engliche Begriffe verwendet werden, deren Sinn älteren Leuten mit geringen
Englischkenntnissen weitgend verborgen bleibt, und dann auch noch mit den
hierzulande verwendeten Text- bzw. Satzprogrammen in sinnentstellender
Weise 'vergewaltigt' werden, damit es auch sprachkundigen Lesern nicht zu
leicht gemacht wird, diesen zerhackten Schrott zu verstehen! Warum also
statt 'Health-Resort' (im Englischen Original gefälligst ohne Bindestrich!)
nicht einfach das gute alte 'Kurhotel' oder 'Kurzentrum', aber das klingt wohl
nicht weltoffen bzw. kosmopolitisch genug? Die sonstigen Bedeutungen von
'Health Resort' wie 'Erholungsort', 'Kurort' oder 'Heilbad' sind hier ganz offen-
sichtlich nicht gemeint, d.h. die deutschen Begriffe würden sogar wesentlich
genauer bezeichnen, worum es wirklich geht.
Heim- atmuseum: ° statt richtig 'Hei- mat- mu- se- um
[Aus einem Interview in einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Eine dieser unsinnigen Trennungen, bei der man sich fragt, welche unzurei-
chenden Trennprogramme zum Zeitungssatz verwendet werden!
heiße Würstchenverkäufer: ³ statt richtig 'Heiße-Würstchen-Verkäufer'
[Volkstümlicher Schreibfehler] ––> vermischter Warenhändler
herr- scht: ° statt richtig 'herrscht', einsilbiges Wort nach [1] ohne Trennfuge
[Aus einem Leserbrief in einer Inselzeitung] (einer von drei Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
denn diese Trennung, bei der nur die schließenden vier Konsonanten 'scht'
auf der nächsten Zeile landen, ist an Blödsinn kaum noch zu überbieten!
Hitzeschild, das ² statt richtig 'der Hitzeschild', 'die Hitzeschilde'
"Zu dem Unglück hatte das beschädigte Hitzeschild der „Columbia“
geführt." [Aus einer Bildunterschrift in der hiesigen Tageszeitung]
––> Schutzschild
hochnebelartiger Nebel: * statt richtig 'Hochnebel'
"Am Donnerstagmorgen wird es hochnebelartigen Nebel geben."
[Wettermeldung eines regionalen Fernsehsenders]
Was mag hochnelartigen Nebel von Hochnebel unterscheiden? Vermutlich
nichts außer der Lust des Wettermoderators an kompliziert klingenden Wort-
ungetümen, die er besser vermieden hätte.
[^]
Holzbrett: * besser nur 'Brett', weil generell aus Holz
Nach den Verkehrsmeldungen liegen manchmal 'Holzbretter' auf der Autobahn.
[Meldungen des regionalen Hörfunksenders] Ein Brett im ursprünglichen Sinn
ist ein Stück Schnittholz, das zwischen 8 und 40 mm dick und mindestens
80 mm breit ist. Abgeleitete ggf. nicht aus Holz bestehende 'Bretter' sind
z.B. Rettungsbrett, Surfbrett, Spielbrett (für Brettspiele) und Schneebrett.
Holzfabrik: ³ statt richtig 'holzverarbeitender Betrieb', ggf. Sägewerk, Möbelfabrik o.Ä.
"Amoklauf in Schweizer Holzfabrik" [Überschrift in der hiesigen Tageszeitung]
"AMOKLAUF Schüsse in Holzfabrik" [Untertitel in einer Inselzeitung]
Eine Fabrik ist ein Betrieb, in dem normalerweise etwas hergestellt wird,
z.B. von 'A' wie Automobile in einer Automobilfabrik bis 'Z' wie Zucker in
einer Zuckerfabrik. In einer vermeintlichen 'Holzfabrik' wird jedoch ganz
bestimmt kein Holz hergestellt, denn das wächst seit Urzeiten im Wald! Bei
dem genannten Unternehmen handelt es sich also allenfalls um einen 'holz-
verarbeitenden Betrieb', sofern man ihn nicht auf Grund seiner Spezialisie-
rung als 'Sägewerk', 'Möbelfabrik' oder Ähnliches bezeichnen kann. Auch im
Duden [1] ist unter den mehr als 40 mit 'Holz-' zusammengesetzten Wörtern
die Stilblüte 'Holzfabrik' nicht zu finden. Da sie nicht nur in den beiden ge-
nannten Tageszeitungen auffiel, sondern auch im regionalen Hörfunksender
mehrmals erwähnt wurde, ist sie offenbar in der Deutschen Presse-Agentur
erfunden worden, denn die beiden zitierten Zeitungsartikel sind mit 'DPA'
signiert. Wie auch an anderer Stelle zu sehen, scheinen heutzutage sogar
die Redakteure der DPA in Stil und Grammatik nicht mehr sattelfest zu sein
(siehe auch bezwingte, Examensprüfungen, Netz wird gößer).
Homepa- ge: ° statt richtig 'Home- page' nach [1] zweisilbiges Wort
"Mit seiner Internetseite www.millionendollarhomepa- ge.com hat der Student ..."
[Aus einer Bildunterschrift der hiesigen Tageszeitung]
Home|page ist nach [1] wie im Englischen ein zweisilbiges Wort mit nur
dieser einen Trennfuge! Daher sollte es auch in einer Internetadresse nicht
falsch getrennt werden, falls das wegen deren außergewöhnlicher Länge
überhaupt sein muss. Erstaunlicherweise ist das Wort Millionenhome-
page im Text des Artikels richtig getrennt, obwohl die beiden Buchstaben
'pa' auch dort noch auf die obere Zeile gepasst hätte.
hüb- sch: ° statt richtig 'hübsch'
[Aus einer Vorab-Kritik in der hiesigen Tageszeitung]
Getrennt werden können nur mehrsilbige Wörter [1a], zu denen das
urdeutsche Wort 'hübsch' ganz bestimmt nicht gehört. Brutales Trenn-
programm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch, denn die
Trennung von gängigen einsilbigen deutschen Wörtern ist an Blödsinn
kaum noch zu überbieten!
Hufabdrücke von Hasen und Wölfen: ³ statt richtig 'Spuren' oder 'Fährten'
"... außer den Hufabdrücken von Hasen, Wölfen und Hirschen konnten sie nichts
entdecken." [Aus einem Wildwest-Schmöker]
Bekanntlich laufen nur Huftiere auf Hufen, z.B. Schalenwild wie Hirsche, Rehe,
Wildschweine oder Nutztiere wie Pferde, Ziegen, Rinder, Schweine. Hasen und
Wölfe laufen dagegen genau wie Hunde, Raub- und Hauskatzen auf den Ballen
ihrer Pfoten, die keine 'Hufabdrücke' hinterlassen können. Als Oberbegriff wäre
allenfalls 'Abdrücke' oder 'Spuren' zu tolerieren, falls die Fachbezeichnung
'Fährten' unbedingt vermieden werden sollte. 'Fußabdrücke' wäre nicht korrekt,
weil alle genannten Tiere nur mit ihren Zehen auftreten.
Hygieneschulung zur Lebensmittelhygiene: * statt richtig 'Schulung zur
Lebensmittelhygiene' oder 'Hygieneschulung zum Umgang mit Lebensmitteln'
[Überschrift eines Artikels in einer Inselzeitung]
Im Gaststättengewerbe sind umfangreiche Bestimmungen zur Lebensmittel-
hygiene einzuhalten. Deshalb werden von der IHK immer wieder Schulungen
zur Aus- und Fortbildung der in diesem Gewerbe Beschäftigten angeboten.
Die Wörter 'Lebensmittelhygiene' und 'Hygieneschulung' sind in diesem Fach-
gebiet sicherlich feststehende Begriffe, aber in der zitierten Kombination
stilistisch schlecht, weil 'hygienisch' doppelt gemoppelt.
immer, zur Betonung von 'meistens' oder 'normalerweise': * ³ (widersprüchlich)
  1. "Das mache ich meistens immer so." [Volkstümliche Aussage]
  2. "Die Arbeitslosenzahlen sind im Januar normalerweise immer höher als in
    diesem Jahr." [Aus den Morgennachrichten des regionalen Hörfunksenders]
'Immer' bedeutet 'jederzeit' oder 'ausnahmslos', je nachdem, ob es für einen
Zeitraum oder für eine Anzahl von Ereignissen verwendet wird. Sowohl
'meistens' als auch 'normalerweise' lassen jedoch zeitliche oder zahlenmäßige
Ausnahmen zu, stehen also im logischen Widerspruch zu 'immer' und sollten
daher nie mit 'immer' kombiniert werden.
ImmobilienS- cout24: ° statt richtig 'Immobilien- Scout'
[Aus einem Artikel in einer Vereinszeitschrift], (einer von vier Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
ImmobilienScout24 ist der Name eines Internetportals zum Vermarkten von
Immobilien, der aus den beiden deutsch/englischen Teilwörtern 'Immobilien'
und 'Scout' sowie der Zahl '24' gebildet wurde. Für andere Sparten gibt es
ähnliche Namen mit dem Suffix 'Scout24', z.B. AutoScout24. Obwohl die
Trennfuge durch den Großbuchstaben 'S' abgedeutet wird und das Lesen
erleichtert, konnte das Trennprogramm das natürlich nicht interpretieren.
Insel erfahren: ³ statt richtig 'inselerfahren'
"Insel erfahrene Hotelfachfrau (33) sucht zum Saisonbeginn Stelle im Hotel."
[Aus einem Stellengesuch in einer Inselzeitung]
Selbstverständlich kann man eine Insel erfahren, aber das ist in dem zi-
tierten Stellengesuch nicht gemeint. Dort erklärt eine Hotelfachfrau, dass
sie mit den Besonderheiten auf einer Insel vertraut bzw. darin erfahren ist.
Nach [1, § 36] können Substantive (Haupwörter) ... zusammen mit einem
adjektivischen oder adjektivisch gebrauchten zweiten Bestandteil Zusam-
mensetzungen bilden. Nach [Abs. (1)] wird (mit kleinem Anfangsbuchsta-
ben!) zusammengeschrieben (siehe auch Milchzucker-frei). Damit ist in
dem o.a. Zitat nur die Schreibweise 'inselerfahren' richtig, genau wie eini-
ge andere mit 'erfahren' zusammengesetzte Adjektive, die man im Duden
[1] findet, z.B.: 'berufserfahren', 'rechtserfahren', 'seeerfahren'. Als erstes
Wort der Anzeige wird das Adjektiv 'Inselerfahren' hier natürlich mit gro-
ßem Angangsbuchstaben geschrieben.
Inse- linteressen: ° statt richtig 'Insel- interessen'
[Aus einem Leserbrief in einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schwierig die automatische Trennung
von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt, deren zweiter Teil mit einem
Vokal beginnt. Viele unzureichende (oder unzureichend gepflegte) Trenn-
programme verwenden zu oft die allgemeine Regel [1c], weil sie die vom
Leser erkennbaren Bestandteile nach [1b] eben nicht erkennen!
Inselt- hema: ° statt richtig 'In- sel- the- ma'
[Aus einem Artikel auf der Titelseite einer Inselzeitung]
Die korrekte Trennung zusammengesetzter Wörter mit automatischen Tren-
nungsroutinen in modernen Satzprogrammen scheint ein nahezu unlösbares
Problem zu sein. Den zusammengehörenden th-Laut zu trennen, ist an Unsinn
kaum noch zu überbieten, zumal das Wort die 3 in der Zitatzeile angegebenen
Trennfugen hat.
[^]
Installationsservi- ce: ° statt richtig 'Installationsser- vice'
[Aus einem Artikel in einer Vereinszeitschrift], (einer von zwei Trennungsfehlern)
––> Servi- ce
jährliche Annuität: * statt richtig nur 'Annuität'
[Aus einem Interview des ARD-Fersehens]
In dem Interview, in dem die 'jährliche Annuität' genannt wurde, ging es
um die Bedienung (Zinsen und langfristige Tilgung) hoher Kredite, mit de-
nen eine schnelle Hilfe bei großen Schäden finanziert werden soll. Die An-
nuität ist nach Duden [1] die jährliche Zahlung zur Tilgung einer Schuld.
Diese Zahlung bleibt über die Jahre konstant, so dass mit abnehmender
Restschuld der Zinsanteil sinkt und der Tilgungsanteil entsprechend steigt.
Damit ist die 'jährliche Annuität' eindeutig ein Pleonasmus, d.h. doppelt
gemoppelt.
jungfräuliches Fischfilet: ³ statt richtig 'Filet jungfräulicher Fische'
"Jungfräuliches Fischfilet" [Überschrift in einem Kaufhausprospekt]
In dem Artikel wird richtig erklärt, dass 'Matjes' noch nicht geschlechts-
reife, also 'jungfräuliche' Heringe sind, aber das sind eben die Fische und
nicht deren Filet!
––> vermischter Warenhändler
Kabelschacht: ³ statt richtig 'Kabelgraben'
"Der Mann wurde ... beobachtet, als er einen bereits ausgehobenen, 50 Meter
langen Kabelschacht mit Sand zuschob, ..."
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
'Schächte' sind künstlich angelegte (nahezu) senkrecht verlaufende Hohl-
räume in der Erde oder in Gebäuden (siehe auch Stollen und Schächte). Im
Gegensatz dazu werden nahezu waagerechte Hohlräume als 'Gräben' be-
zeichnet, wenn sie nach oben offen sind, oder als 'Stollen', wenn sie unter
Tage verlaufen. Die zitierte Bezeichnung 'Kabelschacht' ist hier eindeutig
falsch, sondern das ist ein 'Kabelgraben'. Es ist sicher verwirrend, dass ein
solcher 'Kabelgraben' unter Anleitung und Aufsicht eines 'Schachtmeisters'
mit Schaufeln oder einem Bagger 'ausgeschachtet' wird. Dagegen wird ein
'Schacht' abgeteuft. Leider ist die deutsche Sprache in diesem Punkt – wie
auch an einigen anderen Stellen – nicht logisch. 'Kabelschächte' gibt es hin-
gegen oftmals in Hochhäusern, um alle Versorgungskabel brandgeschützt
in die oberen Stockwerke zu führen.
Kami- nabend: ° statt richtig 'Kamin- abend' (auch nicht 'Kamina- bend') [1b]
[Aus einem abgeschlossenen Roman in einer Frauenzeitschrift]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
bei dem der letzte Konsonant des ersten Teilwortes mit auf der nächsten
Zeile landet, weil das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Kanzl- ergucken: ° statt richtig 'Kanz- lergucken'
[Aus einem Artikel über Ex-Kanzler Schröder in einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
das in diesem Fall nicht einmal die Standardregel [1c] beherrscht,wonach
der letzte von mehreren Konsonanten auf der neuen Zeile landet, sofern
nichts anderes zu beachten ist.
Kavenzmänner, große: * 'große Kavenzmänner' statt richtig 'Kaventsmänner'
"Nun sind die großen „Kavenzmänner“ dran."
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung über die Entschärfung von Bomben]
Ein Kaventsmann ist nach [1] in der Seemannssprache ein 'besonders hoher
Wellenberg', landsch. auch ein 'beleibter Mann' oder ein 'Prachtexemplar';
nach anderen Quellen u.a. eine 'Monsterwelle' oder 'Riesenwelle' [Wikipedia],
also schon etwas besonders Großes. Damit sind die 'großen Kavenzmänner'
trotz der verschiedenen Schreibweise jedenfalls doppelt gemoppelt.
keinst: * statt richtig 'kein'
"..., die ich in keinster Weise nachvollziehen kann."
[Aus einer schriftlichen Notiz, aber auch volkstümlicher Ausdruck]
Der zitierte Ausspruch wird oft anstelle von 'niemals' verwendet, um etwas
mit besonderer Betonung auszuschließen. Als eindeutige verneinende Aussage
kann 'kein' jedoch nicht gesteigert werden (also nicht: kein, keiner, am keins-
ten). Damit ist auch der Begriff 'keinst' unzulässig, weil in der Höchststufe
(Superlativ) doppelt gemoppelt, d.h. 'in keiner Weise' wäre richtig (siehe auch
Super-GAU).
Kesse- lanlage: ° statt richtig 'Kes- sel- an- la- ge'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]). Die Trennung
von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar schwierig, wenn das
zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Kinders- chnitz-Zirkel: ° statt richtig 'Kinder- schnitz-Zirkel'
[Aus einem seit über 300 Jahren erscheinenden Jahreskalender von 2010]
Man lernt durch die heute gebräuchlichen automatischen Satzprogramme so
allerlei Trennungefehler kennen, aber dieser ist schon außergewöhnlich. Von
vier zusammenhängenden Konsonanten am Anfang des mittleren Teilwortes
nur drei auf die nächste Zeile zu bringen und einen (vielleicht als vermeintli-
ches Fugen-s) auf der vorausgehenden Zeile zu belassen, lässt auf ein beson-
ders kreatives Trennungsprogramm schließen. Aber richtig ist das deswegen
noch lange nicht!
Kleinst- adt: ° statt richtig Klein- stadt
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Auch in einer seriösen Tageszeitung wird die Silbentrennung zunehmend
unsinniger! Offenbar glauben die Anwender von immer schlampiger pro-
grammierten und/oder unzureichend gepflegten Trennungsroutinen für
deutsche Texte ihren Lesern auch noch haarsträubend verstümmeltes
Kauderwelsch zumuten zu können.
kleintropfiger Regen: ³ statt besser 'feiner Regen'
"Der Regen wird kleintropfiger."
[Aus der Wettervorhersage des regionalen Hörfunksenders]
Nach Überschwemmungen im Raum Osnabück hofften insbesondere die
Betroffenen auf Nachlassen der starken Niederschläge. Möglicherweise
wollte der Wettermoderator deshalb die Leute mit der schnurrigen Wort-
schöpfung 'kleintropfiger' erheitern. Dieses Adjektiv ist zwar ungewöhn-
lich, aber noch keine ausgeprägte Stilblüte.
Komödienst- adel: ° statt richtig Komödien- stadel
"19.45 Der Komödienst- adel"
[Eintrag einer Theaterübertragung in einer Fersehzeitschrift]
Diese falsche und sinnentstellende Trennung suggeriert dem Leser, es könnte
sich hierbei um den 'Dienst- adel' eines gewissen 'Komö' handeln, wer oder
was auch immer das sein mag. Eine derart unsinnige Trennung füllt zwar die
schmale Druckspalte für einen weit entfernten Regionalsender sehr gut aus,
aber leicht lesbar sollten die Einträge dennoch bleiben.
[^]
Konjunkturbarometer steht auf grün: ³ unzutreffendes Bild
"Das Konjunkturbarometer steht immer noch auf »Grün«"
[Überschrift der Titelstory in einer Mitgliederzeitschrift der hiesigen IHK]
Deutsch ist eine bilderreiche Sprache mit vielen bildlichen Redewendungen.
Durch Vermischen solcher Bilder, logische Kurzschlüsse, falsche Wortwahl
oder widersinnige Gedankenverbindungen können daraus jedoch leicht
Stilblüten entstehen [4]. Spätestens wenn 'der Zahn der Zeit' dafür herhalten
muss, 'Tränen zu trocknen' oder 'über eine Wunde Gras wachsen zu lassen',
ist nichts mehr zu retten. Ganz so schlimm ist es mit der zitierten Überschrift
zwar noch nicht, aber wie kann ein 'Barometer' auf 'grün' stehen? Das kann
zwar eine Verkehrsampel, aber ein Barometer zeigt lediglich tiefen, mittleren
oder hohen Luftdruck an, sofern diese Werte qualitativ beschrieben werden.
Davon ist jedoch keiner grün markiert wie der sprichwörtliche 'grüne Bereich',
mit dem die Nennbereiche kritischer Betriebsparameter auf manchen Messge-
räten gekennzeichnet sind. Deshalb ist diese Überschrift stilistisch eben nicht
'im grünen Bereich'.
kon- nte: ° statt richtig 'konn-te'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Die Manie moderner Satzprogramme, sogar einsilbige Wörter zwischen zwei
gleichen Buchstaben (meistens Vokalen) zu trennen, wird von Jahr zu Jahr
schlimmer (siehe auch Mo- os). Selbstverständlich werden Wörter wie 'Was-
ser' oder 'kön- nen' zwischen den beiden gleichen Konsonanten in deren Mitte
getrennt, aber die Trennungsoutine wird doch nicht so tun, als müsste das
auch bei der Vergangenheitsform 'kon- nte' so sein! Es ist und bleibt einfach
unglaublich, auf welch abenteuerliche Weise moderne Trennungsprogramme
sogar einfache deutsche Wörter zu Schrott verarbeiten.
[^]
konservieren: ³ statt richtig 'schonen'
"Während die Männer auf die Jagd gingen, konservierten die Ladys ihre Energie
für die Tänze." [Aus einem erotischen Roman]
Hier ist 'conserved' (evtl. 'preserved'?) offensichtlich in den phonetisch
ähnlichen Begriff 'konservierten' übersetzt worden. Dies ist aber nur eine
von sechs (bzw. 12) verschiedenen deutschen Bedeutungen! Richtig wäre
hier 'schonen' oder notfalls jede der anderen vier möglichen Bedeutungen
gewesen wie 'aufsparen', 'bewahren', 'erhalten' oder 'sparen' [6a], d.h. am
besten verständlich "..., schonten die Ladys ihre Energie für die Tänze."
Kont- rast:  ° neuerdings richtig, jedoch besser 'Kon- trast'
Kont- rolle: ° neuerdings richtig, jedoch besser 'Kon- trol- le'
[Aus zwei Artikeln einer Inselzeitung]
Im Duden [1] findet man die übergeordneten Trennungsregeln: Einfache
Wörter werden nach Sprechsilben, zusammengesetzte Wörter und Wörter
mit Vorsilben nach ihren erkennbaren Bestandteilen getrennt [1b]. Irre-
führende Trennungen bzw. Trennungen, die beim Lesen die Sinnerfassung
stören, sollten vermieden werden [1f]. Nur wenn gegen diese beiden Regeln
nicht verstoßen wird, ist die allgemeine Regel anzuwenden: Ein einzelner
Konsonant im Wortinneren kommt in der Regel auf die neue Zeile; von meh-
reren Konsonanten trennt man nur den letzten ab [1c]. Danach dürfte das
Wort 'Kon- trast' nur an dieser Stelle und das Wort 'Kon- trol- le' nur an die-
sen beiden Stellen getrennt werden. Im Widerspruch zu diesen Regeln findet
man in [1] jedoch die zwei Trennfugen Kon|t|rast bzw. die drei Trennfugen
Kon|t|rol|le. Außer den schwarzen Trennfugen vor dem 't' (und von dem zwei-
ten 'l') gibt es seit der Rechtschreibreform auch noch je eine weitere, rot mar-
kierte, Trennfuge vor dem 'r'. Damit ist die zitierte Trennung zumindest for-
mal korrekt, aber offenbar sind nicht nur die Wege des Herrn manchmal son-
derbar, sondern auch die Beschlüsse der Dudenredaktion, die in diesen Fällen
gegen ihre eigenen übergeordneten Regeln [1b, 1f] verstößt. Die Trennung
'Kont- rast' suggeriert nämlich die 'Rast' (Pause) irgendeines 'Kont', wer auch
immer das sein mag, und die Trennung 'Kont- rolle' suggeriert entsprechend
die 'Rolle' desselben obskuren 'Kont'. Es ist bedauerlich, dass bei der Recht-
schreibreform derart unsinnige Trennfugen in einfache Wörter eingefügt wor-
den sind (siehe auch Alb- recht und Ap- ril). Sie ermöglichen zwar einfachere
automatische Trennungsroutinen, erschweren jedoch das zügige Lesen, das im
Zeitalter der computerunterstützten Textverarbeitung offenbar nichts mehr
wert zu sein scheint.
Körperteil, das: ² statt richtig 'der Körperteil' [1]
[Aus einer Meldung des regionalen Hörfunksenders]
'Das Teil' ist ein getrennt handhabbares Ersatzteil oder Einzelteil eines
Gerätes, das zerlegt und wieder zusammengesetzt werden kann. 'Der Teil'
ist hingegen ein Anteil an einem normalerweise nicht zerlegbaren Ganzen.
Das gilt auch für einen lebensfähigen Köper, selbst wenn er im Schlachthof
nach dem Tode einmalig zerlegt werden kann.
Kosmeti- kimperium: ° statt richtig 'Kos- me- tik- im- pe- ri- um'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]). Die Trennung
von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar schwierig, wenn das
zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
kostenpf- lichtig: ° statt richtig 'kos- ten- pflich- tig
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Nach dem Duden [1] werden zusammengesetzte Wörter und Wörter mit
Vorsilben nach ihren erkennbaren Bestandteilen getrennt [1b]. Deshalb
hat 'kos|ten|pflich|tig' nur diese drei Trennfugen, wie auch unter diesem
Stichwort nachzulesen ist.
Koteletten grillen: ³ statt richtig 'Koteletts grillen'
Sie hatte "... in der Küche Koteletten gegrillt ..." [Aus einem erotischen Roman]
Koteletten, die es nur in der Mehrzahl gibt, bezeichnen einen Backenbart!
Die in diesem Zusammenhang gemeinten Rippchen bzw. Rippenstücke
(Einzahl 'das Kotelett') heißen jedoch in der Mehrzahl 'die Koteletts' [1].
Andernfalls wäre fraglich, ob die Koteletten allein, mit den Backen oder
sogar mit dem ganzen Kopf ihres Trägers auf dem Grill gelegen hätten.
Vermutlich hat die Übersetzerin jedoch nur einen Aussetzer mit der
Mehrzahl von Kotelett gehabt, der auch dem Lektor durchgeschlüpft ist.
kriminalpolizeiliche Beratungsstelle der Polizei: * statt richtig nur
'kriminalpolizeiliche Beratungsstelle' oder 'Beratungsstelle der Kriminalpolizei'
"Wer kann mich gezielt beraten? Die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen der
Polizei." [Aus einem Artikel einer Frauenzeitschrift]
Wenn die zitierte Antwort wirklich ernstgemeint wäre, müsste es 'kriminal-
polizeiliche Beratungsstellen' auch außerhalb der Polizei geben. Da es sol-
che Dienststellen jedoch nicht gibt, ist das Zitat zweifellos ein Pleonasmus,
also doppelt gemoppelt.
Küchenhilfskraft, eine/n ~: ³ statt besser 'eine Küchenhilfskraft (m/w)'
"Die Xyz-Klinik Borkum sucht zum 01.01.2010 eine/n Küchenhilfskraft ..."
[Aus einer Stellenanzeige in einer Inselzeitung]
Anzeigen in der abonnierten Inselzeitung sind immer wieder für stilistische
Überraschungen gut. Der Versuch einer 'geschlechtsneutralen Küchenhilfs-
kraft' ist hier offenbar gründlich misslungen (siehe auch geschlechtsneutra-
le Bezeichnungen
), denn seit wann kann das Substantiv 'Küchenhilfskraft'
auch männlich sein? Wenn der Inserentin, einer ortsbekannten größeren
Klinik, die 'Küchenhilfskraft' noch nicht geschlechtsneutral genug ist und
ihr der Zusatz (m/w) nicht gefällt, hätte sie sich zu '... sucht eine männliche
oder weibliche Küchenhilfskraft' bzw. 'Küchenhilfe' durchringen sollen.
Platz genug wäre in der Anzeige (2-spaltig, 100 mm) sicher gewesen.
Kühlmittelflüssigkeit: * statt richtig nur 'Kühlmittel' oder nur 'Kühlflüssigkeit'
"Dennis Hotop vom Betrieb sieht ihm beim Prüfen von Kühlmittelflüssigkeit zu."
[Aus einer Bildunterschrift in der hiesigen Tageszeitung]
In dem Artikel wird die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker beschrieben.
Das Bild zeigt einen Auszubildenden beim Prüfen des Kühlmittels bei geöff-
neter Motorhaube eines Autos. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die
früher allgemein als 'Kühlwasser' bezeichnete Flüssigkeit, die heutzutage
auch im Sommer Frostschutzmittel enthält. Nach meinem Sprachgefühl rei-
chen die Begriffe 'Kühlmittel' oder 'Kühlflüssigkeit' für diese sog. 'Kühler-
dauerfüllung' vollständig aus, denn die 'Kühlmittelflüssigkeit' ist jedenfalls
doppelt gemoppelt.
Kulturbanause, Kunstbanause: * statt besser 'Banause'
"... der sich als arroganter, nur an Geld interessierter Kulturbanause entpuppt."
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Der Begriff 'Banause' stammt aus dem Griechischen und bezeichnet nach
Duden [1] einen unkultivierten Menschen. Damit ist der 'Kulturbanause'
eindeutig doppelt gemoppelt, obwohl er sogar im Duden steht (siehe auch
Rückantwort). Ein Pleonasmus ist auch der oft als Synonym gebrauchte
Begriff 'Kunstbanause', der jedoch nicht im Duden steht.
kur- zentschlossen: ° statt richtig 'kurz- entschlossen'
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Die Trennung von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar
schwierig, wenn das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
kw/Std.: ³ statt richtig 'kWh' (Kilowattstunde)
"Allein der Umstand, dass der Gaspreis pro kw/Std. unter dem Strompreis liegt,
führt nicht automatisch zu dem Schluss, dass eine Energieeinsparung vorliegt."
[Aus einem Interview über Nachtspeicherheizungen in einer Vereinszeitschrift]
Die korrekte Abkürzung 'kWh' für die Einheit 'Kilowattstunde' der Arbeit
bzw. Energie scheint für die meisten Angehörigen der schreibenden Zunft
ein wahrer Horror zu sein. Sie wird immer wieder auf verschiedene Weise
falsch geschrieben, aber die bemerkenswerte Kreation 'kw/Std.' enthält
drei Fehler und ist damit bisher unerreicht. Als Einziges ist das kleine 'k'
für den Vorsatz (Präfix) 'Kilo' (Faktor 1000) richtig geschrieben. Die Leis-
tungseinheit 'Watt' wird als großes 'W' angegeben und die Zeiteinheit Stun-
de grundsätzlich als kleines 'h' (von lat. hora). Andere Abkürzungen (wie
Std) oder Abkürzungspunkte '.' sind in physikalischen Einheiten nicht vor-
gesehen. Der dritte Fehler ist der Bruchstrich '/', denn die Dimension ist
'Arbeit' = 'Leistung' ×' Zeit mit der Einheit kW × h = kWh im Gegensatz
zu dem sachlich falschen Begriff 'Stundenkilometer' für die Dimension der
'Geschwindigkeit' = 'Länge' / 'Zeit' mit der Einheit km/h. Die zitierte sinn-
gemäß richtige Aussage stammt vom Vereinsvorsitzenden, doch die unsin-
nige Energieeinheit ist offenbar dem ebenfalls beteiligten Inhaber einer
Elektrofirma nicht aufgefallen. Dabei kann jeder die richtige Schreibweise
'kWh' auf seinem heimischen Stromzähler sehen, ein Mal als Einheit der an-
gezeigten elektrischen Arbeit am Zählwerk und ein zweites Mal als Zähler-
konstante (z.B. 120 U/kWh), d.h. der Anzahl von Läuferumdrehungen für
eine Kilowattstunde. Aber auch darüber hinaus ist der o.a. Satz nicht gera-
de ein Vorbild für gelungenen Stil. Unschön wirken (1) die beiden Attributiv-
Nebensätze mit 'dass' in einem Satz, (2) der schwerfällige Substantivismus
'Energieeinsparung vorliegt' und evtl. (3) die gleichlautenden Verben 'liegt'
und 'vorliegt' am Schluss beider Nebensätze. Besser wäre z.B. "Allein durch
den Umstand, dass Gas pro kWh weniger kostet als Strom, kann noch nicht
Energie gespart werden." Selbst wenn der zitierte Satz in einem mündlichen
Interview so gesagt sein könnte, sollten die falsche Energieeinheit und der
Stil in einer schriftlichen Ausgabe korrigiert werden (siehe auch Megawatt
pro Jahr
).
laut los schreien: ³ statt richtig 'laut losschreien' oder 'lautlos schreien'
[Aus einem Wildwest-Schmöker]
Die Schreibweise 'laut los schreien' in drei Wörtern ist nach dem aktuellen
Duden [1] nicht zulässig, sondern vermutlich eine Altlast aus der ersten
Stufe der Rechschreibreform, in der eine sprichwörtliche Wut kultiviert
wurde, Verben von anderen Wörtern getrenntzuschreiben. Nach den alten
wie den aktuellen Regeln ist 'los' mit allen Verben außer 'haben' und 'sein'
zusammenzuschreiben [1], besonders wenn dadurch auchgedrückt werden
soll, dass mit der durch das folgende Verb bezeichneten Tätigkeit plötzlich
begonnen wird. Denkbar ist auch die Schreibweise 'lautlos schreien', wenn
eine Person einen 'stummen' Schrei abgibt, weil sie z.B. aus Verzweiflung
keinen Ton herausbekommt. Was davon gemeint sein könnte, ist bei der
falschen Schreibweise in drei Wörtern leider nur aus dem Zusammenhang
erkennbar (in dem obigen Zitat war offenbar 'laut losschreien' gemeint).
lediglich nur: * statt entweder 'lediglich' oder 'nur', aber nicht beides gemeinsam
"Ich kann lediglich nur meine Hälfte in die Waagschale werfen."
[Aus einem Sachbuch über Seitensprünge]
Jedes der beiden Wörter 'lediglich' und 'nur' drückt schon für sich allein
eine Einschränkung aus. Ihre Kombination ist daher eine überflüssige
Häufung sinngleicher bzw. sinnähnlicher Ausdrücke und damit doppelt
gemoppelt, d.h. ein Pleonasmus.
Leiche, tote: * eine Leiche ist immer tot, oder gibt es auch untote Leichen?
"Polizisten haben die 'Leiche' des kleinen Kevin 'tot' im Kühlschrank gefunden."
[Aus einer Rundfunkmeldung, vermutlich nach einem Polizeibericht]
Diese Meldung wurde morgens in den Nachrichten mehrmals so verlesen,
bevor in weiteren Meldungen das Wort 'tot' nicht mehr vorkam.
Leitender Direktor: * ¹ Behördendeutsch
[Amtsbezeichnung der höchsten Stufe im höheren Dienst, Bes.-O. A]
Für den Einstieg eines Beamten in den höheren Dienst ist grundsätzlich ein
abgeschlossenes Hochschulstudium erforderlich. Die vier zugehörigen Lauf-
bahnstufen der Besoldungsorgnung A haben die Namen:
  • A 13: Rat (z.B. Regierungsrat)
  • A 14: Oberrat (z.B. Regierungsoberrat)
  • A 15: Direktor (z.B. Regierungsdirektor)
  • A 16: Leitender Direktor (z.B. Leitender Regierungsdirektor)
Da ein 'Direktor' nach der Wortbedeutung bereits eine leitende Funktion
hat, ist der 'leitende Direktor' doppelt gemoppelt, wie u.a. die Rückantwort.
Selbstverständlich gibt es Leitungsfunktionen und damit auch 'Direktoren'
auf verschiedenen Hierarchieebenen, die durch Einschränkungen und/oder
Aufwertungen des Begriffs 'Direktor' bezeichnet werden können (z.B.
'Abteilungsdirektor', 'Direktor', 'Generaldirektor'). Im Vergleich dazu ist
der 'leitende Direktor' zweifellos eine Stilblüte aus dem Behördendeutsch.
Leitpfosten: ³ statt richtig 'Leitplanken-Pfosten'
"Tödliche Leitpfosten fielen bei Test durch"
[Überschrift auf der Titelseite der hiesigen Tageszeitung]
Der Artikel bezieht sich auf den Tod einer schwangeren Frau auf der A2
bei Helmstedt am 11.07.08. Die Frau ist von einem Pfosten der Leitplanke
getroffen worden, der bei einem Unfall auf der Gegenfahrbahn losgerissenen
und durch die Windschutzscheibe des betroffenen Autos geschleudert wurde.
In zahlreichen Berichten verschiedener Medien wird dieser Befestigungs-
pfosten der Leitplanke mit konstanter Bosheit fälschlich als 'Leitpfosten'
bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch in der StVO als Zeichen 620 eindeutig
festgelegt und hier nicht gemeint. Dabei sollte jeder Führerscheininhaber
und damit auch nahezu jeder Redakteur diese weißen Dreikantpfosten
kennen, die sich außerorts besonders bei schlechter Sicht als Markierung
der Fahrbahnränder bewährt haben. Diese hohlen und damit leichten(!)
'Leitpfosten' sind aus Kunststoff, 12 cm breit, 1,00 m hoch, oben zur
Fahrbahn hin abgeschrägt und parallel dazu mit einer 25 cm breiten
schwarzen Binde und darauf mit weißen Reflektoren versehen (vorne bzw.
rechts ein rechteckiger, hinten bzw. links zwei runde übereinander). Da
der Fachbegriff 'Sigma-Pfosten' als Träger der Leitplanken weitgehend
unbekannt ist, dürfte 'Leitplanken-Pfosten' oder '-Stütze' noch am besten
beschreiben, was in diesem tragischen Fall wirklich gemeint ist.
Leitung- strasse: ° statt richtig 'Leitungs- trasse'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung] Das Wort ist entweder falsch
geschrieben (Leitung- straße) oder falsch getrennt (Leitungs- trasse).
Aus dem Zusammenhang erwies sich die zweite Bedeutung als richtig.
Leonische Drahtwerke AG: ³ statt richtig 'Werke für Leonischen Draht'
[Unternehmensname, 1931 – 1999] ––> vermischter Warenhändler
let- ztlich: ° statt richtig 'letzt- lich'
[Einer von sechs Trennungsfehlern in einem Artikel einer Inselzeitung]
Nach welcher Regel das zitierte Wort in dieser Weise getrennt wurde, ist
nicht nachzuvollziehen. Entweder wurde die Trennstelle ausgewürfelt oder
durch den Zufallstreffer eines Querschlägers markiert. Es wird immer un-
glaublicher, was die Trennungsroutinen moderner Satzprogramme sogar
mit gebräuchlichen zweisilbigen deutschen Wörtern anstellen!
Licht, kaputtes: ³ wie mag wohl ein 'kaputtes Licht' aussehen?
"Das Licht der beiden letzten Straßenlaternen musste kaputt sein."
[Aus dem wöchentlichen Krimi in einer Frauenzeitschrift]
Sraßenlaternen können heil oder kaputt sein, aber nicht das Licht, das
sie, je nach Zustand, entweder abgeben oder auch nicht. Licht kann z.B.
leuchten, hell, dunkel oder auch nicht vorhanden sein, aber keinesfalls
kann es kaputt sein. Mit dieser unzutreffenden Eigenschaft des Lichts
ist der Krimiautorin jedenfalls eine vollendete Stilblüte gelungen.
Liebe- serklärung: ° statt richtig 'Liebes- erklärung'
[Aus einem Artikel über Ex-Kanzler Schröder in einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
bei dem der letzte Konsonant des ersten Teilwortes mit auf der nächsten
Zeile landet, weil das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Li- feguarded: ° statt richtig 'Life- guarded'
"Bewachter Strand/Li- feguarded Beach" [Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Es ist abenteuerlich, wie sinnentstellend deutsche Satzprogramme immer
wieder fremdsprachige Wörter trennen! 'Life' ist und bleibt nun mal ein
einsilbiges Wort und damit untrennbar! 'Lifeguard' steht zwar nicht im
Duden [1], seine Trennung wird aber genau so behandelt wie 'Life|style'
und 'Life|time|sport', die man dort findet. Von den einsilbigen Teilwörtern
dieser Komposita wird auch im Deutschen weder 'Life' noch 'style' noch
'time' getrennt, also am besten nur 'Life|guarded'. Nach englischen Tren-
nungsregeln gibt es eine zweite Trennfuge 'life|guard|ed'.
Lücke beseitigen: ³ (unzutreffendes Bild) statt richtig 'Lücke schließen'
... "die Sicherheitslücke muß beseitigt werden."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
In der zitierten Meldung ging es um Software mit einer Sicherheitslücke,
durch die Computerschädlinge eindringen können. Sicher kann man verste-
hen, was gemeint sein soll, obwohl diese Aussage stilistisch keineswegs kor-
rekt ist. Deutsch ist zwar eine bilderreiche Sprache mit vielen bildlichen
Redewendungen, aber beim Vermischen solcher Bilder können oft unlogisch
wirkende Stilblüten entstehen (siehe auch Konjunkturbarometer). Beseitigen
kann man dem Wortsinn nach nur etwas, das man (bildlich) zur Seite räumt,
d.h. das sich danach an einem anderen Ort befindet. Das können z.B. Hinder-
nisse wie umgestürzte Bäume oder sonstige Staßensperren sein, die danach
abseits der Straße oder wieder im Depot lagern, Müll oder Gerümpel, die
anschließend auf der Deponie landen, irgendwelcher Schmutz, der sich (je
nach Art) danach im Kehrichteimer, Wischwasser bzw. Staubsauger wieder-
findet, oder auf makabre Weise beseitigte Feinde eines Oberganoven, die
daraufhin begraben werden. – Gedanklich ist die Beseitigung einer Lücke,
eines Lochs, eines (leeren) Hohlraumes oder auch eines Mangels, oftmals un-
logisch, weil dieses 'Ding', bei dem ja im Grunde etwas fehlt (Material, Fül-
lung, korrekte Funktion oder Sicherheit), danach nirgendwo anders mehr auf-
zufinden ist. Eine Lücke oder ein Loch kann man allgemein schließen bzw., je
nach der Umgebung, z.B. sperren, verriegeln, zumauern, zuschütten, stopfen,
abdichten oder auch mit Brettern zunageln, einen Hohlraum kann man auf-
füllen, und einen Mangel kann man beheben oder abstellen, aber keines von
alledem läßt sich im wahren Sinne des Wortes 'beseitigen'! Das wäre etwa so,
als wenn man bei einer Fernsehbildröhre den Pumpstutzen abkneift, um das
Vakuum herauszulassen. Tatsächlich belüftet man dadurch die Bildröhre, in-
dem das vorher darin befindliche Vakuum, d.h. der luftleere Innenraum, mit
atmosphärischer Luft aufgefüllt wird. Daraufhin ist das Vakuum zwar ver-
schwunden, aber eben nicht 'beseitigt', sondern endgültig weg.
Mai- ne: ° statt richtig 'Maine'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Der Name des Bundesstaates 'Maine' im Nordosten der USA ist ein einsil-
biges Wort, das nach meinem Verständnis nicht mit geradezu gewalttätigen
deutschen Trennungsprogrammen in zwei Silben zerhackt werden sollte
(siehe auch By- te, Char- me, Mo- os).
Mantisse: ³ unzutreffend als Bestandteil einer Gleitkommazahl
In Mathematik und Computertechnik wird der Bergriff 'Mantisse' für zwei
verschiedene Zahlentypen verwendet, die sich wesentlich unterscheiden.
[Aus verschiedenen Artikeln und Lexika in deutscher Sprache, z.B. 8]
  1. Nicht-negativer Bruchteil eines dekadischen Logarithmus
  2. Signifikante Ziffern einer Gleitkommazahl (entspr. ihrer Genauigkeit)
Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Zahlentypen sol-
len am Beispiel der Dezimalzahl x = 178,125 plausibel gemacht werden.
Eine Zahl x (Numerus) wird mit den folgenden Gleichungen in den deka-
dischen Logarithmus y bzw. zurück in den Numerus x umgerechnet:
y
= log10(x) = lg(x)   bzw.   x = 10 y
Für das genannte Beispiel ist das
y = lg(x) = lg(178,125) = 2,250725   bzw.   x = 10 y = 102,250725 = 178,125
Die Vorkommastelle des Logarithmus y (2) heißt Kennziffer, und der
Bruchteil nach dem Komma (250725) heißt Mantisse.
Im Gegensatz dazu kann die Zahl y durch Verschieben (Gleiten) des Dezi-
malkommas hinter bzw. vor die erste signifikante Stelle (ohne weitere
Umrechnung) als Gleitkommazahl dargestellt werden, wobei diese Ver-
schiebung durch eine Zehnerpotenz mit passendem Exponenten kompen-
siert wird. Im Exponenten wird jede Stelle, um die das Komma verscho-
ben wird, nach links positiv und nach rechts negativ gezählt:
y
= 178,125 = 1,78125 · 10²
Diese Angabe ist heute von vielen Taschenrechnern als sog. wissen-
schaftliche Darstellung besonders großer bzw. kleiner Zahlenwerte be-
kannt. Der Zehnerexponent wird richtig als Exponent bezeichnet und
entspricht der Kennziffer des Logarithmus. Die Ziffernfolge wird oft un-
zutreffend Mantisse genannt, obwohl sie dem Numerus entspricht und
keineswegs zum Logarithmus gehört! Richtig sind stattdessen die Begrif-
fe Signifikand (engl. 'significand') bzw. Bruchteil ('fraction') für dessen
Nachkommastellen, die bereits seit Jahren in namhaften amerikanischen
Veröffentlichungen und Normen statt des unzutreffenden Begriffs 'Man-
tisse' (mantissa) zunehmend verwendet werden. Eine ausfühhrliche Ab-
handlung über Gleitkommazahlen befindet sich auf meiner Seite "Loga-
rithmen & Gleitkommazahlen", auf der in dem Abschnitt Signifikand
oder Mantisse?
auf diesen sprachlichen Wildwuchs eingegangen wird.
Masse – Maße: ³ 'Gewicht (in kg)' bzw. 'Abmessungen (in m)', das ist die Frage
"Der Kompakt-Klappko hat die Masse 180 mm × 120 mm."
[Neuheitennotiz aus dem Aprilheft 2006 eines Amateurfunkmagazins]
In dem o.a. Zitat ist eindeutig nicht die 'Masse' gemeint, die in Kilo-
gramm (kg) bzw Gramm (g) gemessen und umgangssprachlich als
Gewicht bezeichnet wird, sondern die 'Maße' als Mehrzahl von 'Maß'
im Sinne von Abmessungen, die in Metern (m) bzw. Millimetern (mm)
gemessen werden. Manche Leute scheinen zu glauben, die Ligatur 'ß'
wäre mit der Rechtschreibreform auch in Deutschland und Österreich
abgeschafft worden. Das ist aber nicht der Fall, wie ein Blick in den
neuesten Duden [1, Regel K 159] zeigt:
1. Für den stimmlosen s-Laut nach langem Vokal oder Doppellaut (Di-
phthong) schreibt man ß.
– Blöße, Maße, Maß, grüßen, grüßte, Gruß, außer, reißen, es reißt, Fleiß,
Preußen. (Ausnahmen: aus, heraus usw.)
2. Dies gilt jedoch nur, wenn der s-Laut in allen Beugungsformen stimmlos
bleibt und wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt. <§ 23 u. 25>.
– Haus (stimmhaftes s in Häuser)
– Gras (stimmhaftes s in Gräser)
– sauste (stimmhaftes s in sausen)
– meistens (folgender Konsonant im Wortstamm)
3. Für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal schreibt man ss. Das gilt
auch im Auslaut der Wortstämme <§ 2>.
– Masse, Kongress, wässrig, Erstklässler, dass (Konjunktion)
– hassen, ihr hasst
– Fluss, Flüsse
– essen, du isst, iss!
– Missetat, missachten
© Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl. Mannheim 2006
[CD-ROM] (siehe auch Busse – Buße)
Dem wäre höchstens hinzuzufügen, dass es immer noch 'Straße' und
keineswegs 'Strasse' heißt, weil dieser Beriff nichts mit dem Juwelier
Georg Friedrich Strass (französisch: Georges Frédéric Strass) oder
mit den Anfang der 1730-er Jahre von ihm erfundenen Diamant-Imi-
tationen zu tun hat. Lediglich in der Schweiz, wo es die Ligatur 'ß'
nicht gibt, oder auf Schreibmaschinen bzw. Computern, denen dieses
Sonderzeichen fehlt, kann man es durch 'ss' ersetzen.
Mat- helehrer: ° statt richtig 'Ma- the- leh- rer
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]). In diesem
Fall gehört das 'th' als ein Laut zusammen.
maximalst:* statt richtig 'maximal'
"die maximalste Spannung" [Aus einer Vorlesung der 1960-er Jahre]
Auf einer fehlabgeschlossenen Hochfrequenzleitung (oder einem Kettenleiter)
bilden sich sog. Stehwellen aus, d.h. statt einer gleichmäßigen Spannung
längs der Leitung folgen Spannungsmaxima und -minima in festen Abständen
aufeinander. Beim Behandeln dieses Themas sprach der Dozent immer wieder
von der 'maximalsten Spannung'. 'Maximal' ist jedoch bereits die Höchstform
(Superlativ), die nicht weiter gesteigert werden kann (siehe auch Super-GAU).
Richtig gewesen wäre 'die maximale Spannung' oder noch besser 'das Span-
nungsmaximum'.
mcg: ³ (Mikrogramm) statt richtig 'µg'
z.B. "150 mcg" [Wirkstoffangabe auf einer Medikamentenpackung]
Die zitierte Massen- bzw. Gewichtseinheit ist in den meisten Naturwissen-
schaften und in der Technik weitgehend unbekannt. Dort wird für die Mas-
seneinheit 'Mikrogramm' die im "Gesetz über Einheiten im Meßwesen"
festgelegte Abkürzung 'µg' benutzt, die nach diesem 1970 in Kraft getrete-
nen Gesetzt in Handel und Gewerbe ausschließlich zu verwenden ist. Ob-
wohl in Deutschland die letzten Übergangsfristen 1978 abgelaufen sind,
werden in der Medizin und Pharmazie nach wie vor alte, gesetzlich nicht
mehr zugelassene Einheiten gehätschelt, z.B. für Brenn- und Nährwerte
die 'Kalorie' (cal), statt des 'Joule' (J), und für Drücke das 'Millimeter
Quecksilbersäule' (mm Hg), statt des 'Pascal' (Pa), (siehe auch Gesetzliche
Einheiten
). Ähnlich scheint es hier auch mit der Angabe von Bruchteilen zu
sein. In Technik und Physik werden kleine Bruchteile von Grundeinheiten
durch Vorsilben mit festgelegten Abkürzungen bezeichnet, damit die Zah-
lenwerte überschaubar bleiben.
Bruchteile von Einheiten
Nach den ersten beiden Bruchteilen von einer Zehnerpotenz (Faktor
¹/10 = Dezi) und zwei Zehnerpotenzen (Faktor ¹/100 = Zenti) sind folgende
Bruchteile in Stufen (Verhältnissen) von jeweils drei Zehnerpotenzen
(Faktor ¹/1000) festgelegt [3]:
1 d = Dezi = 10–1 = 1 Zehntel
1 c = Zenti = 10–2 = 1 Hundertstel  
1 m   = Milli = 10–3 = 1 Tausendstel  
1 µ = Mikro   = 10–6 = 1 Millionstel (z.B. richtig 1 µg statt 1 mcg)
1 n = Nano = 10–9 = 1 Milliardstel   amerik. 1/(1 Billion)
1 p = Pico = 10–12   = 1 Billionstel amerik. 1/(1 Trillion)
1 f = Femto   = 10–15 = 1 Billiardstel   amerik. 1/(1000 Trillion)
1 a = Atto = 10–18 = 1 Trillionstel amerik. 1/(1 Quintillion)
(Siehe auch Vielfache von Einheiten.)
Megawatt pro Jahr: ³ statt richtig 'Megawattstunden pro Jahr'
  1. Ins Netz gelieferter Strom: "Im vergangenen Jahr waren es 2830 Megawatt.
    Davon können rund 700 Einfamilienhäuser versorgt werden."
  2. "Die Nennleistung liegt bei 3650 Megawatt, aber ausgelastet ist die Anlage
    nur selten."
  3. "Vielleicht schafft sie an diesem Tag die maximale Leistung von 2000 Kilo-
    wattstunden."
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Bedauerlicherweise haben Angehörige der schreibenden Zunft immer wieder
Schwierigkeiten mit physikalischen Größen und deren Einheiten. Insbesondere
bringen sie oftmals Energie (bzw. Arbeit) und Leistung sowie deren Einheiten
durcheinander wie Kraut und Rüben, wobei sich einem biederen Ingenieur alle
Haare sträuben. Das ist auch der Autorin dieses Artikels über eine Windkraft-
anlage auf dem Geitelder Berg in Braunschweig, aus dem die drei Zitate stam-
men, virtuos gelungen. Für Leistung und Energie gelten die folgenden gesetz-
lichen Einheiten (siehe auch dort):
  • Leistung = Arbeit pro Zeit = Arbeit/Zeit = Energie/Zeit:
    Die Basiseinheit für die Leistung ist das Watt (W),
    für größere Leistungen6) auch das Kilowatt (1 kW = 1.000 W)
    oder das Megawatt (1 MW = 1.000 kW = 1.000.000 W).
  • Energie = Arbeit = Leistung × Zeit:
    Die Basiseinheit für die Energie (bzw. Arbeit) ist das Joule (J),
    in der Mechanik auch das Newtonmeter (1 Nm = 1 J) und
    in der Elektrotechnik auch die Wattsekunde (1 Ws = 1 J = 1 Nm).
    In der elektrischen Stromversorgung sind folgende größeren Einheiten6)
    für die Energie (bzw. elektrische Arbeit) gebräuchlich:
    die Wattstunde (1 Wh = 3.600 Ws),
    die Kilowattstunde (1 kWh = 1.000 Wh) und
    die Megawattstunde (1 MWh = 1.000 kWh = 1.000.000 Wh).
    ________________________
    6) siehe auch Vielfache von Einheiten
Nach dem 1. Zitat sind angeblich im vergangenen Jahr 2830 Megawatt
erzeugt worden, also 2830 MW/Jahr. Eine solche Einheit ist jedoch sinnlos!
Gemeint sind hier offensichtlich 2830 MWh/Jahr (also Megawattstunden pro
Jahr), die einer mittleren Erzeugung von 2830 MWh/Jahr × 1 Jahr / 365 Tage
= ca. 7,735 MWh/Tag =7735 kWh/Tag entsprechen. Außerdem passt der Wert
2830 MWh/Jahr gut zu der im 1. Zitat genannten Versorgung von rund 700 Ein-
familienhäusern, in denen dann je 2830 MWh/Jahr / 700 = 4,043 MWh/Jahr
= 4043 kWh/Jahr verbraucht worden wären, die etwa unserem eigenen Jah-
resverbrauch entsprechen.
Das 2. Zitat ist zwar formal richtig (Leistung in Megawatt), trifft aber in sei-
ner Aussage nicht zu. Der angegebene Zahlenwert ist nämlich die nominelle
Energieerzeugung von 3650 MWh/Jahr (Megawattstunden pro Jahr).
Im 3. Zitat sind die angegebenen 2000 kWh (Kilowattstunden) ganz bestimmt
keine Leistung, sondern die an diesem Tag maximal erzeugte Energie (bzw.
elektrische Arbeit), also kWh/Tag. Es scheint unendlich schwierig zu sein!
(Siehe auch kw/Std statt kWh).
  [^]
meideten: ³ statt richtig 'mieden' als Imperfekt von 'meiden'
Casinos haben keine Raucherräume. "Deshalb meideten immer mehr Besucher
die Spielbanken." [Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
'meiden' ist immer noch ein starkes(!) Verb 'meiden, mied, gemieden'
[2, # 704] und wird nicht etwa schwach gebeugt 'meiden, meidete, ge-
meidet'! Beim Hören der zitierten Profiformulierung gelang es dem Autor
dieser Seite nur mit Mühe, sich nicht an seinem Nachmittagskaffee zu ver-
schlucken.
meistbefahrenst: * statt richtig 'meistbefahren'
"Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrenste Wasserstraße Deutschlands."
[Aus einer Talkshow des ARD-Fersehens]
Auch die Vergleichsformen (Komparationen) von Adjektiven bleiben von
der Sucht zur Übertreibung nicht verschont, wie man an diesem Beispiel
sieht. Bei zusammengesetzten oder zusammengeschriebenen Adjektiven
(oder Partizipien) setzt man den ersten Teil in die Vergleichsform, wenn je-
des der beiden Glieder noch seinen eigenen Sinn bewahrt hat (siehe auch
bestangezogenst, ...) Damit ist auch der Begriff 'meistbefahrenst' unzulässig,
weil in der Höchststufe (Superlativ) doppelt gemoppelt, d.h. '... die meistbe-
fahrene Wassertraße ...' wäre richtig gewesen.
meistdiskutiertest: * statt richtig 'meistdiskutiert'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Bei diesem zusammengesetzten Adjektiv sind beide Teilwörter gesteigert.
Das ist doppelt gemoppelt! ––> meistbefahrenst und
bestangezogenst, bestaussehendst, bestbewertetst
Metallpfeile: ³ statt richtig 'Metallfeile'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
In dem Zeitungsartikel über Metallbearbeitung wurde an mehreren Stellen
eine 'Metallpfeile' erwähnt. Selbstverständlich gibt solche 'Metallpfeile'
als Mehrzahl von 'der Metallpfeil' beim Bogenschießen, aber das spanabhe-
bende Werkzeug zum Feilen von Metalloberflächen ist eindeutig eine 'Feile'
bzw. eine 'Metallfeile', also ohne 'P'. Das war dem offenbar fachfremden
Autor dieses Artikels aber genau so wenig bewusst wie dem Redakteur
und/oder Lektor, die sich diesen Text noch vor dem Druck hätten ansehen
können.
Mi- ete, Mi- etobjekt: ° statt richtig 'Mie- te' bzw. Miet- ob- jekt
[Zwei von sechs Trennungsfehlern in einem Artikel einer Inselzeitung]
Die zunehmende Besessenheit moderner Satzprogramme, zwischen zwei Vo-
kalen innerhalb einer Silbe zu trennen, wird für den Leser immer unerträgli-
cher (siehe auch De- ath Valley). Wie an den Zitaten ersichtlich, macht die-
se Trennungswut nicht einmal vor den einfachen deutschen Wörtern 'Mie|te'
und 'Miet|ob|jekt' halt, die nach Duden [1] nur die markierten Trennfugen
haben, denn der stumme Dehnungsbuchstabe 'e' wird nie von dem vorange-
henden Vokal abgetrennt! Aber in diesem Punkt ist die Sichtweise der dafür
verantwortlichen Programmierer offenbar durch keinerlei Sachkenntnis
getrübt, oder sie sind bei dieser Arbeit allesamt volltrunken.
Milchzucker-frei: ³ statt richtig 'milchzuckerfrei'
"So ernähren Sie sich Milchzucker-frei"
[Überschrift eines Artikels auf der Ratgeberseite in der hiesigen Tageszeitung]
Die Schreibweise des in dem o.a. Zitat adverbial (d.h. als Umstandswort)
gebrauchten zusammengesetzten Adjektivs 'milchzuckerfrei' zeugt von großem
Einfallsreichtum der Autorin bzw. des Redakteurs, hat aber wenig mit den gül-
tigen Regeln der deutschen Rechtschreibung zu tun. Nach [1, § 36] können
Substantive (Haupwörter) ... zusammen mit einem adjektivischen oder adjek-
tivisch gebrauchten zweiten Bestandteil Zusammensetzungen bilden. Nach
[Abs. (1)] wird (mit kleinem Anfangsbuchstaben!) zusammengeschrieben, wenn
[Abs. (1.1)] der erste Bestandteil mit einer Wortgruppe paraphrasierbar ist, z.B.:
angsterfüllt, butterweich, herzerquickend, jahrelang, meterhoch, milieubedingt;
altersschwach, lebensfremd, sonnenarm uam. Im Unterschied zur Zusammen-
setzung [Abs. E1] weist die entsprechende syntaktische Fügung Artikel, Präpo-
sitionen u. Ä. auf, z.B.: von Angst erfüllt (= angsterfüllt), das Herz erquickend
(= herzerquickend), durch das Milieu bedingt (= milieubedingt). Damit ist in dem
o.a. Zitat nur die Schreibweise 'milchzuckerfrei' richtig, genau wie viele andere
mit dem Adjektiv 'frei' gebildete Zusammensetzungen, die man im Duden [1]
findet, z.B.: alkoholfrei, bleifrei, chlorfrei, koffeinfrei, säurefrei, zuckerfrei. Im
Gegensatz zu 'Milchzucker-frei' sind die Adjektive 'laktosefrei' und 'kalziumreich'
in dem o.a. Artikel korrekt geschrieben.
[^]
Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter: ³ statt richtig 'Millimeter'
(oder 'Liter pro Quadratmeter')
In Südniedersachsen fielen am 08.08.09 bei einem Starkregen in nur einer Stunde
"50 Millimeter pro Quadratmeter".
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Niederschlagsmengen wurden klassisch in Millimetern Niederschlagshöhe ange-
geben. Dazu gehört die Vorstellung, wie hoch das Wasser nach dem Niederschlag
auf einer beliebig großen ebenen Fläche ohne Abfluss steht. Heute wird immer
öfter die Einheit Liter pro Quadratmeter benutzt, die jedoch denselben Zahlen-
wert hat. Es gilt nämlich 1 Liter = 1 Kubikdezimeter (1 l = 1 dm³). Damit ist
1 dm³/m² = 0,1 m × 0,1 m × 0,1 m / 1 m² = 0,001 m³ / 1 m² = 0,001 m = 1 mm,
d.h. 1 l/m² = 1 mm bzw. 50 l/m² = 50 mm. Doch offenbar können sich viele Leute
eher vorstellen, wenn man auf einem Quadratmeter 5 volle Wassereimer auskippt,
als wenn dort das Wasser 50 mm (= 5 cm) hoch steht. In der zitierten Nachricht
wurden abwechselnd alle drei Einheiten (Millimeter, Liter pro Quadratmeter
und Millimeter pro Quadratmeter) genannt, vermutlich um den Stil lebendiger zu
gestalten. Das rechtfertigt es jedoch keinesfalls, unsinnige Einheiten zu erfinden.
Aber in diesem Punkt lässt die Sattelfestigkeit von Journalisten und Redakteuren
viele Wünsche offen, die aus Flüchtigkeit oder purer Unkenntnis ganz ungeniert
so unsinnige Einheiten wie 'Watt pro Stunde' (W/h) statt 'Watt' bzw. 'Kilowatt
pro Jahr' (kW/a) statt 'Kilowattstunden pro Jahr' (kWh/a) verwenden.
Mis- sachtung: ° statt richtig 'Miss- achtung',
[Aus einem Artikel in einer Vereinszeitschrift], (einer von vier Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Miss|ach|tung ist ein zusammengesetztes Wort, das nach [1] nur diese zwei
Trennfugen hat und nach [1b] nicht zwischen dem 'ss' getrennt wird! Aber
die Trennung von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar
schwierig, wenn das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
mögliche Einsparmöglichkeiten: * statt richtig
'mögliche Einsparungen' oder 'Einsparmöglichkeiten'
"Die Gemeinde hatte das Gutachten in Auftrag gegeben, um mögliche Einspar-
möglichkeiten aufzuzeigen."
[Aus den 10.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Die 'mögliche Möglichkeit' ist dermaßen doppelt gemoppelt, dass einem
dazu kaum noch etwas einfällt außer der Frage, wie ein Nachrichten-
redakteur so etwas weitergeben kann und der Sprecher das beim zweiten
Mal noch über die Lippen bekommt. Vielleicht sollte dieses Team dem-
nächst mal in einer der zahlreichen Comedian-Shows auftreten, denn
dies war einer von drei Pleonasmen, die mir innerhalb nur einer Woche
aufgefallen sind (siehe auch Fehlstart und Obdachlose).
Mo- os: ° einsilbiges Wort, nach [1] ohne Trennfuge!
[Aus mehreren Zeitschriften]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Die Regel [1d], dass zwischen Vokalen getrennt werden darf, die zu ver-
schiedenen Silben gehören, wird von automatischen Trennprogrammen im-
mer wieder bei einsilbigen Wörtern missbraucht. So darf das 'oo' nach [1]
zwar in Ko|ope|ra|ti|on getrennt werden, nicht jedoch in Moos, Moor oder
moo|rig. Kooperation darf hingegen nicht nach dem zweiten 'o' getrennt
werden, weil die Abtrennung eines einzelnen Buchstaben von dem zweiten
Teilwort Operation nach [1] nicht zulässig ist.
Motorra- dunfall: ° statt richtig 'Mo- tor- rad- un- fall'
[Aus einem Kriminal-Schmöker]
Die Trennung von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar schwie-
rig, wenn das folgende Teilwort mit einem Vokal beginnt.Viele unzureichende
(oder unzureichend gepflegte) Trennprogramme verwenden zu oft die allge-
meine Regel [1c], weil sie die vom Leser erkennbaren Bestandteile eines zu-
sammengesetzten Wortes nach [1b] eben nicht erkennen!
Mu- ehl, Otto: ° statt richtig Muehl, Otto
[Aus einem Leserbrief in der hiesigen Tageszeitung]
Der umstrittene Wiener Aktionskünstler Otto Muehl hat im Dezember
1969 eine überwiegend als ekelhaft empfundene Besudelungs-Vorstellung
auf einer Braunschweiger Bühne insziniert, über die jetzt nochmals
berichtet worden ist. Trotzdem sollte sein einsilbiger Familienname
Muehl (gesprochen Mühl und nicht Muëhl) nicht gleich zerhackt werden,
aber die Trennungswut deutscher Satzprogramme ist offenbar nicht zu
bremsen (siehe auch Bo- ehm und Wa- echter). Die Buchstabenpaare
ae, oe und ue für die historische Schreibweise der deutschen Umlaute
ä, ö und ü gehören nun einmal untrennbar zusammen. Schließlich würde
niemand auf die Idee kommen, den Namen Müller in seiner selteneren
Schreibweise Mueller zwischen dem 'u' und dem 'e' zu trennen, also nie
'Mu- eller', sondern nur 'Muel- ler' (im Gegensatz zu ak|tu|ell). Auch das
sog. westfälische stumme 'e' zur Dehnung des vorangehenden Vokals
wird nie von diesem getrennt, also nie 'So- est' statt richtig 'Soest' und
nie 'Co- esfeld' statt richtig 'Coes|feld' [1].
Nachname oder Nachnahme: ³ was ist was?
"... – wie etwa die Nachname oder den Kauf auf Rechnung – ..."
[Aus einem Artikel in einer Internet-Fachzeitschrift]
Offensichtlich handelt es sich in dem Zitat um einen einfachen Satzfehler,
der von einer automatischen Rechtschreibprüfung nicht gefunden wird,
aber dennoch nicht einer gewissen Komik entbehrt. In dem Zitat ist ent-
weder die Schreibweise oder der Artikel den Wortes Nachna(h)me falsch,
denn 'der Nachname' ist der Familienname einer Person, und 'die Nach-
nahme' (von 'nehmen') ist das Kassieren einer Ware bei Lieferung durch
den Spediteur und Weiterleiten des Geldes an den Lieferanten. In dem ge-
nannten Artikel über Zahlungsmöglichkeiten im Web war eindeutig der
zweite Begriff gemeint.
Netz wird größer: ³ statt richtig 'enger' (unzutreffendes Bild)
"Das Netz von Umweltzonen in Deutschland wird immer größer, ..."
[Aus einem DPA-Artikel über "verschärfte Umweltzonen" in einer Inselzeitung]
Deutsch ist zwar eine bilderreiche Sprache mit vielen bildlichen Redewendun-
gen, aber beim Vermischen solcher Bilder können oft unlogisch wirkende Stil-
blüten entstehen (siehe auch Konjunkturbarometer). Ein Netz wird üblicher-
weise enger oder engmaschiger, damit immer 'kleinere Fische' darin hängen-
bleiben. Dieses Bild würde auch auf die in dem Artikel genannten Städte zu-
treffen, die ab 1. Januar 2010 ihre Umweltzonen verschärfen, aber der DPA-
Redakteur hatte dabei wohl ein anderes Bild vor seinem geistigen Auge.
Neukommer: ³ statt richtig 'Neuling'
[Modewort von Juristen und Politikern]
Der Neukommer ist offenbar die stupide Übersetzung des Begriffs
'newcomer' aus dem Englischen, die immer öfter nachgeplappert wird.
Gegenüber dem eingeführten deutschen Wort 'Neuling' wirkt der
'Neukommer' als aufgeplusterter Begriff aus dem Juristendeutsch.
New York Ti- mes: ° statt richtig 'New York Times'
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Getrennt werden können nur mehrsilbige Wörter [1a]! Der letzte Teil des
englischen Zeitungsnamens 'Times' ist nicht nur in der Originalsprache
einsilbig, sondern steht sogar ohne Trennfuge im Duden [1]. Brutales
Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch, denn
die Trennung von gängigen einsilbigen Wörtern ist an Blödsinn kaum
noch zu überbieten!
Niedersachsen: ³ Land oder Leute, das ist die Frage
"Wir Niedersachsen sind ein zukunftsorientiertes Land"
[Aus einem Beitrag des regionalen Hörfunksenders]
'Niedersachsen' kann (als Einzahl) sowohl das zweitgrößte deutsche Bun-
desland sein als auch (in der Mehrzahl) dessen 'Einwohner' bedeuten. In
der zitierten Aussage geht das jedoch durcheinander, indem die Einwoh-
ner (wir Niedersachsen) als 'Land' bezeichnet werden. Logisch richtig
wäre hingegen jede der drei folgenden Formulierungen gewesen, je nach-
dem, was genau der Moderator ausdrücken wollte:
1. 'Wir Niedersachsen sind zukunftsorientierte Leute (bzw. Menschen).'
2. 'Wir Niedersachsen leben in einem zukunftsorientierten Land.'
3. 'Niedersachsen ist ein zukunftsorientiertes Land.'
Nor- damerika: ° statt richtig 'Nord- ame- ri- ka'
[Aus einem Sachbuch]
Die automatische Trennung von zusammengesetzten Wörtern, deren folgender
Teil mit einem Vokal beginnt, ist und bleibt schwierig. Das gilt sogar für einen
verbreiteten Begriff, den mit den o.a. Trennfugen im Duden [1] steht. Nach der
Rechtschreibreform gilt unverändert die Regel, dass einzelne Vokalbuchstaben
am Wortanfang oder -ende nicht abgetrennt werden, auch nicht innerhalb von
Komposita [1e]! Trotzdem hat hier ein automatisches Trennprogramm mit feh-
lendem oder unzureichendem Wörterbuch besonders brutal zugeschlagen.
Nordseeg- äste: ° statt richtig 'Nordsee- gäste'
[Aus einem Artikel in einer Fremdenverkehrszeitschrift]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Was mag ein 'Nordseeg' wohl für ein unbekannter Baum oder Busch sein,
dessen 'Äste' so werbewirksam amgepriesen weden? Hier fängt das zweite
Teilwort wirklich mal mit einem Konsonanten an, aber trotzdem geht die
automatische Trennung schief!
Nota- bitur: ° statt richtig 'Not- abi- tur'
[Aus einem Leserbrief in der hiesigen Tageszeitung]
Nach der Rechtschreibreform gilt unverändert die Regel, dass einzelne Vokal-
buchstaben am Wortanfang oder -ende nicht abgetrennt werden, auch nicht
bei Komposita [1e] (siehe auch Abgase- missionen und Bankü- berfall. Damit
hat das Wort 'Not|ab|i|tur' nur diese drei Trennfugen, von denen die rot mar-
kierte erst seit der Rechtschreibreform zugelassen ist.
[^]
Notar oder Rechtsanwalt: ³ wer tut was?   ––> Rechtsanwalt oder Notar
Obdachlose ohne Dach über dem Kopf: * oder gibt es auch welche mit Dach?
"In Hannover gibt es nur wenige Obdachlose ohne ein Dach über dem Kopf."
[Aus den Funkbildern des regionalen Hörfunksenders]
Die Redaktion des regionalen Hörfunksenders glaubt entweder, es gäbe
auch Obdachlose mit einem Dach über dem Kopf, oder sie neigt zu Pleo-
nasmen, um ihre Meldungen und Beiträge besonders dramatisch zu for-
mulieren. Nach meiner Ansicht sind derart doppelt gemoppelte Aussagen
jedoch eher für eine Comedian-Show geeignet als für einen seriösen Rund-
funkbeitrag, denn dies war einer von drei Pleonasmen, die mir innerhalb
nur einer Woche aufgefallen sind (siehe auch Einsparmöglichkeiten) und
Fehlstart.
Old- enburg: ° statt richtig 'Ol- den- burg'
[Einer von sechs Trennungsfehlern in einem Artikel einer Inselzeitung]
Der Städte- oder Landkreisname 'Ol|den|burg' hat nach [1] nur diese
beiden Trennfugen. Nach welcher Regel das zitierte Wort an dieser Stel-
le getrennt wurde, ist nicht nachzuvollziehen.
Onli- nebörse: ° statt richtig 'On- linebörse', Online- börse oder 'Onlinebör- se'
"Außerdem gibt es noch die Onli- nebörse ‚Nexxt-Change‘."
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Nach dem aktuellen Duden [1] sind sowohl On|line als auch Bör|se zwei-
silbige Wörter mit je einer Trennfuge (wie angegeben). Zusammengesetzt
ergibt sich nach [1b] eine weitere Trennfuge an deren Verbindungsstelle.
Damit gibt es nur diese drei Trennungsmöglichkeiten On|line|bör|se und
keine weiteren! Mit der brutalen automatischen Trennung eingedeutsch-
ter Wörter ist und bleibt es offenbar schwierig!
ort- sunkundig: ° statt richtig 'orts- un- kun- dig'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]). Die Trennung
von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar schwierig, wenn das
zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Personenbeförderung in Aufzügen: * ¹
"Es ist verboten, Personen in Aufzügen zu befördern, in denen das Mitfahren
von Personen verboten ist." [Aufzugs-Verordnung vom 8. Sept. 1926]
Dieser Hinweis stand vor dem Zweiten Weltkrieg in vielen (vermutlich
nahezu allen) Aufzügen, und zwar in Lasten- und Personenaufzügen.
Nachdem ich dieses Paradebeispiel für verkorkstes Behördendeutsch
von einem älteren Kollegen beim Bier schon mehrmals gehört hatte
und kaum glauben wollte, bekam ich Anfang der 1970-er Jahre genau
diesen Text auf einem schönen Messingschild im Personenaufzug eines
älteren Hotels in Offenbach zu sehen. In Lastenaufzügen hätte ich das
zum Unterstützen des Mitfahrverbotes von Personen ja noch einsehen
können, nicht jedoch in Personenaufzügen. Einfach unglaublich!
Personenkontrollen durchführen: ¹ statt besser 'Personen kontrollieren'
"An den Außengrenzen der EU werden wieder Personenkontrollen durchgefüht."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Der zitierte Satz ist ein Klassiker für abschreckendes Behördendeutsch. Es
werden nicht etwa 'Personen kontrolliert', sondern selbstverständlich 'Per-
sonenkontrollen durchgeführt'! Wahrscheinlich stammt dieser Substantivis-
mus aus einer Pressemeldung von Polizei, Zoll oder Grenzschutz und ist
von der Nachrichtenredaktion des Senders ohne jedes Gespür für guten
Sprachstil – wie so oft – unverändert übernommen worden.
PIN-Nummer: * statt richtig 'PIN' oder allenfalls 'PIN-Code'
"Mit Hilfe einer zusätzlich angebrachten Minikamera wird dann versucht, die
passende Geheim- oder PIN-Nummer zur Karte zu identifizieren."
[Aus einem Bericht über manipulierte Geldautomaten in der hiesigen Tageszeitung]
Von mehreren möglichen Bedeutungen des Begriffs PIN ist in diesem
Zusammenhang eindeutig die 'persönliche Identifikations-Nummer' gemeint,
die ursprünglich als Akronym aus den Anfangsbuchstaben der drei englischen
Wörter 'personal identification number' entstanden ist. Damit identifiziert sich
der Benutzer gegenüber einer computergesteuerten Maschine. Wie man sieht,
passen die drei Buchstaben auch zu dem deutschen Begriff, in dem das N
bereits Nummer bedeutet. Damit ist 'PIN-Nummer' doppelt gemoppelt.
Richtig wäre z.B. "..., die passende Geheimnummer oder PIN zur Karte ..."
(siehe auch TAN-Nummer).
Preise, billige: ³ statt richtig 'niedrige' oder 'tiefe' Preise
"billige Preise" [Volkstümliche Bezeichnung oder Werbeaussage]
Waren können billig oder teuer sein, Preise jedoch nur niedrig (bzw. tief)
oder hoch. Oder weiß zufällig jemand, was ein 'billiger Preis' kostet?
Public Viewing: ³ statt richtig 'öffentliches Fernsehen'
[Aus Berichten über die Fußballweltmeisterschaften 2006 – 2010
in der hiesigen Tagezeitung und im regionalen Hörfunksender]
Die Begeisterung in der Medien- und Werbebranche, die deutsche Sprache
mit mehr oder weniger unsinnigen englischen Begriffen anzureichern, ist
offensichtlich ungebrochen. Besonders bedenklich ist das jedoch, wenn die
Erfindungswut der daran Beteiligten von nur geringer oder nahezu keiner-
lei Sachkenntnis der englischen Sprache getrübt ist. Seit 2006 gehört dazu
die peinliche Bezeichnung Public Viewing für das gemeinsame öffentliche
Anschauen von Fernsehübertragungen entscheidender Fußballspiele oder
anderer bedeutender Sportveranstaltungen auf Großbildschirmen. In der
Originalsprache steht dieser Begriff jedoch keineswegs für eine kollektive
eher lustige Fanveranstaltung, sondern bedeutet die "Ausstellung eines
aufgebahrten Leichnams" [6a], damit alle Trauernden feierlich an dem
Verstorbenen vorbeiziehen können. Die 'neue' deutsche(!) Bedeutung von
'Public Viewing' wurde anlässlich der Weltmeisterschaft 2006 von Funk-
tionären des Profifußballs mit offensichtlich unzureichenden Sprachkennt-
nissen 'erfunden'. Auch wenn dieser Begriff inzwischen bei Wikipedia*) in
epischer Breite erklärt wird und sogar im neuesten Duden steht, ändert das
nichts daran, dass die Briten und Amerikaner in diesem Punkt ihre eigene
Sprache nicht mehr verstehen. Auf Grund eines Leserbriefs vom 23.06.10
hat die hiesige Tageszeitung gelobt, in ihren Berichten den Begriff 'Public
Viewing' möglichst zu vermeiden. Vom regionalen Hörfunksender bekommt
man während der Weltmeisterschaft 2010 diesen Unsinn jedoch mehrmals
täglich um die Ohren gehauen (siehe auch Vokabeln: public viewing, body
bag
, Handy). Unvoreingenommen könnte man jedoch auch vermuten, die
Fußballfunktionäre wollten die Weltmeisterschaft zu Grabe tragen und sie
deshalb zum Public Viewing aufbahren. Für die vielen Fußballfans hoffen
wir allerdings, dass diese Interpretation nicht zutrifft.
Que- ensboro Bridge: ° statt richtig 'Queens- bo- ro Bridge'
[Aus einem Kriminal-Schmöker]
'Queens' bzw. 'Queen' ist in der englischen und amerikanischen Original-
sprache ein einsilbiges Wort, das nicht getrennt werden kann. 'Queen'
steht sogar ohne Trennfuge im Rechtschreibduden [1]. Dieses einsilbige
Wort zwischen den beiden Vokalen zu trennen, ist genau so blödsinning
wie bei dem deutschen Wort Mo- os. Ein Verlag, dessen 'Groschenromane'
überwiegend in New York und Umgebung spielen, d.h. in denen zahlreiche
Namen in der Originalsprache vorkommen, sollte eigentlich ein dafür ge-
eignetes Satz- und Trennprogramm verwenden und pflegen. Was waren das
doch für herrliche Zeiten des Bleisatzes, als der Maschinensetzer an der
Linotype® die Wörter am Zeilenende noch mit Sinn und Verstand manuell
getrennt hat!
quer um den Globus: ³ unzutreffendes Bild
"Sie reisten auf der Suche nach erlesenen Einrichtungsgegenständen
quer um den Globus, ..." [Aus einem Roman]
Deutsch ist zwar eine bilderreiche Sprache mit vielen bildlichen Redewen-
dungen, aber beim Vermischen solcher Bilder können oft unlogisch wir-
kende Stilblüten entstehen (siehe auch Konjunkturbarometer). 'Quer durch
den Globus' erinnert stark an den Film 'Das China-Syndrom', in dem die
Gefahr behandelt wird, dass bei einem größtmöglichen Störfall (GAU)
eines Kernreaktors dessen schmelzender Kern angeblich in Richtung China
in die Erde hineinschmelzen würde. Für ein zutreffendes Bild sollte die
verwendete Umstandsbestimmung des Ortes schon in sich schlüssig sein,
also entweder 'quer durch den Globus' (China-Syndrom, möglichst durch
den Erdmittelpunkt) oder, wie hier offensichtlich gemeint, 'rund um den
Globus' (auf bzw. oberhalb der Erdoberfläche), aber bitte keinesfalls 'quer
um den Globus'!
Ragti- me-Klassiker: ° statt richtig 'Rag- time-Klassiker'
[Vorabkritik des Films 'Der Clou' in der hiesigen Tageszeitung]
Ragtime heißt zwar wörtlich übersetzt 'zerrissene Zeit' im Sinne von 'zerris-
sener Takt' dieser durch ihre Synkopen so typischen Musik. Das heißt aber
nicht, das zweite auch im Deutschen einsilbige Teilwort 'time' dürfte durch
eine unzulässige Trennung zerrissen werden. Nach Duden [1] ist Rag|time
ein zweisilbiges Wort mit nur einer Trennfuge! Also auch hier ein brutales
Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch!
rasen: ³ statt der tatsächlichen Art der Fortbewegung
[Modewort in zahlreichen Unfallberichten verschiedener Medien]
Zweifellos werden etliche Unfälle durch die unangemessen hohe
Geschwindigkeit eines der Beteiligten verursacht, aber viele Redakteure
erliegen offensichtlich dem Rausch dieses dramatisch wirkenden Wortes.
Spätestens dann, wenn ein Flugzeug auf der Startbahn bereits 'rast', bevor
es seine Mindestgeschwindigkeit zum Abheben erreicht hat, sollte der
betreffende Redakteur seine Wortwahl überdenken, wie auch in etlichen
anderen Fällen!
Rathausverwaltung: ³ wird damit etwa die Immobilie 'Rathaus' verwaltet?
"... ob nicht doch das leerstehende alte Postgebäude für die Rathausverwaltung
ausreicht." [Aus den 8.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
In der Nachricht ging es darum, wo die Gemeindeverwaltung von
Schwanewede während größerer Bauarbeiten im Rathaus unterkommen
sollte. Gemeint waren hier ganz offensichtlich die 'Insassen' des Rathauses
und nicht dessen Verwaltung.
Reaktionszeit mindern: ³ statt richtig 'Reaktionszeit verlängern' oder
'Reaktionsgeschwindigkeit mindern'
"Medikamente mindern Reaktionszeit"
[Überschrift in der hiesigen Tageszeitung]
Die zitierte Schlagzeile ist sachlich falsch, denn in dem folgenden Artikel
wird beschrieben, dass Medikamente die Fahrtüchtigkeit einschränken und
die Reaktion verschlechtern können. Das entspricht jedoch einer längeren
Reaktionszeit bzw. einer geminderten Reaktionsgeschwindigkeit, wovor zu
Recht gewarnt wird. Träfe hingegen die Schlagzeile zu, müsste man sogar
geeignete Medikamente schlucken, um die Reaktionszeit zu mindern und
damit entsprechend aufmerksamer zu fahren. Aber sachlich richtige Aus-
sagen bleiben offenbar schwierig.
Reals- teuersätze: ° statt richtig 'Real- steuersätze'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Man könnte meinen, im Plichtenheft für das Trennungsprogramm hätte ge-
standen: Wenn das 'st' schon getrennt werden darf, dann aber gefälligst im-
mer! Bei diesem aus den drei Teilwörtern 'Real', 'Steuer(n)' und 'Sätze' zu-
sammengesetzten Substantiv gilt das jedoch ärgerlicherweise nicht, denn
es hat die nur die fünf Trennfugen 'Re|al|steu|er|sät|ze', die dem Trennungs-
programm hier nicht gereicht haben. Allerdings entbehren die bei der fal-
schen Trennung entstandenen 'teuersätze' in diesem Zusammenhang nicht
einer gewissen Komik.
Rechtsanwalt oder Notar: ³ wer tut was?
"Die Erbtante hat beim Rechtsanwalt ihr Testament gemacht."
[Unzutreffene Beschreibung in zahlreichen Geschichten bzw. Krimis]
Das Verständnis des deutschen Justizwesens scheint bei vielen Autoren
leichter Unterhaltungsliteratur von keinerlei Sachkenntnis getrübt zu sein,
denn sie halten im Dschungel der Justiz einen Rechtsanwalt offensichtlich
für die Allzweckwaffe schlechthin. Das trifft jedoch keineswegs für alle
Rechtsgeschäfte zu. Ein Anwalt berät seinen Mandanten (Autraggeber) in
allen Rechtsfragen, vertritt ihn vor Gericht oder auch außergerichtlich
bzw. verteidigt ihn ggf. in Straf- oder Bußgeldverfahren. Vor höheren Ge-
richtsinstanzen (vom Landgericht an aufwärts) muss man sich von einem
Anwalt vertreten lassen (Anwaltszwang). Der nimmt in allen Fällen die
Interessen seines Mandanten wahr und ist damit ganz bewusst parteiisch.
Deshalb darf ein Anwalt in in einem Zivilverfahren keinesfalls auch die
Gegenseite vertreten. Testamente und sonstige Beurkundungen gehören
daher keinesfalls zum Aufgabenbereich eines Rechtsanwalts.
Ein Notar beurkundet Rechtsgeschäfte jeder Art und beglaubigt Unter-
schriften. Im Gegensatz zur parteiischen Arbeit des Rechtsanwalts muss
der Notar neutral (d.h. unparteiisch) sein und beide Vertragsparteien
gleichermaßen beraten und auf Risiken des zu schließenden bzw. zu be-
urkundenden Vertrags hinweisen. Für etliche Rechtsgeschäfte ist die no-
tarielle Beurkundung vorgeschrieben, z.B. für Grundstückskaufverträge,
Verträge zur Gesellschaftsgründung und Erbverträge. Andere Verträge
bzw. Verfügungen können notariell beurkundet werden, z.B. Testamente.
Im Gegensatz zum Privattestament, das vom sog. Erblasser vollständig
von Hand geschrieben und (mit Orts- und Datumsangabe) unterschrieben
sein muss, ist ein mit Maschine (oder Computer) geschriebenes öffentli-
ches Testament nur gültig, wenn es notariell beglaubigt und beim zustän-
digen Amtsgericht hinterlegt worden ist. Im Gegensatz dazu kann ein Pri-
vattestament auch anderswo verwahrt werden, auf die Gefahr hin, dass es
dort nicht gefunden oder sogar unterschlagen bzw. vernichtet wird. Selbst-
verständlich kann ein Vertrag oder Testament von den Beteiligten ohne
oder mit fremder Rechtsberatung (z.B. auch durch einen Rechtsanwalt)
entworfen werden, aber beurkunden kann das nur ein Notar. Es sei denn,
der Erbblasser schreibt den Text vollständig von Hand ab und errichtet
damit ein Privattestament.
Die Anzahl der Notare ist im Gegensatz zu den Rechtanwälten beschränkt,
obwohl für beide Berufe in den meisten Bundesländern die gleiche Qualifi-
kation als Volljurist erforderlich ist. Lediglich in Baden-Württemberg und
übergangsweise in den neuen Bundesländern gibt es bei den Notaren Aus-
mahmen davon. Damit sie auch Verträge beurkunden können, sind etliche
Rechtsanwälte auch als Notare zugelassen bzw. in größeren Kanzleien gibt
es oft mindestens einen Notar.
Regres- sforderung: ° statt richtig 'Regress- forderung'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Zwischen doppelten Konsonanten kann nicht in jedem Fall getrennt werden
(z.B. Was- ser), sofern das 'ss' zum ersten Teil eines zusammengesetzten
Wortes gehört [1b]. Es fällt auf, dass dieses Wort in der einspaltigen Über-
schrift des Artikels (vermutlich manuell) richtig und nur im Fließtext (ver-
mutlich automatisch) falsch getrennt wurde. Es bleibt also schwierig, denn
Re|gress|for|de|rung hat nach [1] nur diese vier Trennfugen.
reife Maisfelder: ³ statt richtig 'Felder mit reifem Mais' ––> vermischter Warenhändler
"Sie fuhren an reifen Maisfeldern vorbei, ..."
[Aus einem Roman der Reihe "Die Ermittler" von 2004]
Relaunch: ª statt besser 'Neustart' oder 'Neuauflage'
"Ein ganz wichtiger Punkt ist auch der Relaunch der Webseite, ..."
[Aus einem Interview in einer Inselzeitung]
Im Tourismusgeschäft scheinen, wie in der Werbebranche, englische Be-
griffe immer beliebter zu werden, auch wenn sie in Deutschland nicht
mehr alle potentiellen Kunden verstehen (siehe auch Winterdestination).
In dem o.a. Interview wurden außer dem hier zitierten 'Relaunch' auch
noch die beiden wenig bekannten englischen (Teil-)Wörter 'chillen' und
'Beach Soccer Turnier' gefunden (siehe dort). 'Launch' kann außer dem
Abschuss einer Rakete besonders als Verb vielerlei Bedeutungen haben.
Unter 'Relaunch' wird in der Internetbranche die Freischaltung oder
Neuauflage eines Webauftritts verstanden, die auch hier gemeint ist.
Es ist jedoch zweifelhaft, wie viele normale Internetbesucher diesen
Fachjargon kennen und ob man ihn deshalb in einem Zeitungsinter-
view benutzen sollte. Neuauflage hätte den Sachverhalt in diesem Fall
wohl am besten getroffen.
Reparaturstellen beheben: ³ statt richtig 'Schadstellen reparieren'
"Am Bootsrumpf sind zwei kleinere Reparaturstellen zu beheben."
[Aus einem Inselmagazin]
Schäden oder Schadstellen kann man reparieren, beseitigen oder auch be-
heben, aber was – bitte sehr – macht man mit Reparaturstellen? Nach
meinem Sprachempfinden handelt es sich dabei um Schadstellen, die be-
reits repariert worden sind und denen man die Reparatur möglichst nicht
mehr ansieht.
Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz: ¹
statt besser 'Überwachungsgesetz zur Rindfleischetikettierung' (2013 aufgehoben)
"Längstes Wort hat ausgedient" und "Dieses Wort wird niemand vermissen"
[Zwei Artikel in der hiesigen Tageszeitung und in einer Inselzeitung]
Der Name dieses 1999 in Mecklenburg-Vorpommern erlassenen Gesetzes ist
ein unglaublicher Exzess der deutschen Behördensprache. Das Bemühen von
Politikern und Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung, eine möglichst
vollständige Zusammmenfassung in der Überschrift (bzw. dem Namen) eines
Gesetzes oder einer Verordnung unterzubringen, führt oft zu derartig schwer
verständlichem Behördendeutsch. Nach Aussage eines in dem o.a. Artikel
zitierten Sprachforschers galt dieser Gesetzesname mit seinen 63 Buchstaben
als längstes im Deutschen existierendes Wort, das jedoch wegen seines selte-
nen Gebrauchs nicht in den Duden aufgenommen wurde. Der geringe Um-
fang des Gesetzes von nur 6 Paragraphen lässt dessen extrem langen Namen
noch gewaltiger erscheinen (siehe auch Beispiele extra langer Wörter).
Römische Zahl LXXXXX: ³ statt richtig 'C'
"4 YOU SILVERSTORM LXXXXX Limited & Co. KG"
[Amtliche Mitteilungen aus dem Handelsregister in der hiesigen Tageszeitung]
Schon seit mehreren Jahren fallen in den jeden Mittwoch veröffentlichten
"Amtlichen Mitteilungen aus dem Handelsregister" Einträge von Kom-
manditgesellschaften auf, deren Komplementär eine 'Limited' nach briti-
schem Recht ist. Diese Limiteds werden offenbar von einer Braunschweiger
Agentur auf Vorrat eingerichtet und dann hiesigen Gewerbetreibenden als
Billigausführung gegenüber der deutschen GmbH als Mantel verkauft, denn
der Geschäftszweck ist sehr allgemein und bei allen einheitlich formuliert.
Diese KGs unterscheiden sich lediglich in der Buchstabengruppe zwischen
'Silverstorm' und 'Limited', die wie eine in Einerschritten erhöhte römische
Zahl anmutet. Die meisten dieser Zahlen stimmen ja auch, aber etliche eben
nicht. LXXXXX (50 + 5 × 10) ist zwar rechnerisch = 100, aber keine korrekt
gebildete römische Zahl. Natürlich bleibt es dem Anmelder überlassen, welche
kryptischen Zeichen er als Firma eintragen lässt, aber 'LXXXXX' statt 'C'
(für 100) ist so etwas wie '12.60 Uhr' statt richtig '13.00 Uhr'.
Römische Zahlen beruhen auf der Fünfer- und Zehnerbündelung von natürli-
chen Zahlen (ohne Null), bei der im heute noch weitgehend bekannten Bereich
der Jahreszahlen folgende Großbuchstaben verwendet werden:
Fünfer usw.       Zehner usw.       Beispiele
I = 1       I, II, III, (auf hist. Uhren auch IIII) = 1 – 3 (4)
V = 5 X = 10 IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII = 4 – 12
XIV (14), XVIII (18), XIX (19), XXXIX (39)
L = 50 C = 100 XL (40), XLIX (49), LXIX (69), LXXIV (74),
XCIX (99), CCXXXVI (236), CCCIX (309)
D = 500 M = 1000 CD (400), CDXCIX (499), DXII (512), DL (550),
DCCC (800), CMXC (990), MCMXLII (1942)
Größere römische Zahlen werden nach folgenden Regeln gebildet:
  • Die Zahlen werden nach der Größe der Zeichen(-gruppen) mit abnehmen-
    dem Wert von links nach rechts geordnet. Kleinere Zeichen rechts von
    größeren Zeichen werden zu diesen addiert.
  • Die Einer, Zehner usw. (I, X, C, M, ...) werden bei Bedarf bis zu dreimal
    aneinandergereiht (0 ... 3, 0 ... 30, 0 ... 300 usw.).
  • Um Zahlen wie 4, 9, 40, 90, 400, 900 usw. bilden zu können, wird bei
    Bedarf dem nächstgrößeren Zeichen V, X, L, C, D, bzw. M das nächst-
    kleinere Zeichen aus der rechten Spalte (I, X, C) vorangestellt. Dieses
    kleinere Zeichen links eines größeren Zeichens wird dann davon subtra-
    hiert (IV = 4, IX = 9, XL = 40, XC = 90, CD= 400, CM = 900). Dabei
    darf I nur vor V oder X stehen, X nur vor L oder C, C nur vor D oder M;
    also '1999' keinesfalls 'MIM', sondern richtig 'MCMXCIX'!
  • Jedes der Fünferzeichen (V, L, D) darf in einer Zahl höchstens einmal
    vorkommen.
Es gibt auch Zeichen für größere Zahlen (5.000, 10.000 usw.), die jedoch zum
Teil uneinheitlich und heute auch weitgehend unbekannt sind, weil sie für die
Angabe von Jahreszahlen nicht gebraucht werden.
rote Kreuzschwester: ³ statt richtig 'Rotkreuzschwester / Rote-Kreuz-Schwester'
[Volkstümlicher Schreibfehler] ––> vermischter Warenhändler
Rückantwort: * ¹ statt richtig 'Antwort'
[Übliche Geschäftskorrespondenz] und [1]
Obwohl 'Rückantwort' sogar im Duden steht, handelt es sich dabei nach
dem Sprachgefühl des Autors um einen Pleonasmus. Anders als eine
'Rücksendung' oder 'Rücksprache' ist eine 'Antwort' bereits die Reaktion
auf eine meist schriftliche Anfrage. Danach müsste eine 'Rückantwort'
folgerichtig die Reaktion auf eine 'Antwort' sein. In diesem Sinne wird
der Begriff 'Rückantwort' aber nicht gebraucht, also doppelt gemoppelt.
Ruheraum der Damen: ³ in einem Pariser Theater statt richtig 'Damentoilette'
[Aus der deutschen Übersetzung eines amerikanischen Romans]
Als 'Ruheraum der Damen' wird in dem zitierten Roman eine vornehm
ausgestattete 'Damentoilette' in einem Pariser Theater / Opernhaus des
19. Jahrhunderts beschrieben. Offensichtlich ist hier die Bezeichnung
"ladies' restroom" aus dem Amerikanischen wörtlich übersetzt worden.
Man mag kaum glauben, dass der Übersetzer weder die Allerweltsvokabel
'restroom' = 'Toilette' kennt noch diesen Irrtum bei der anschließenden
Detail-Beschreibung dieser Räumlichkeit bemerkt hat. Obwohl es im
Englischen den Begriff 'toilet' gibt, unterliegt er offensichtlich einem Tabu
und wird in den USA als 'restroom' und in Groß-Britannien als 'bathroom'
bezeichnet (siehe auch Badezimmer und bathroom, lavatory, restroom).
Sachkunden- achweis: ° statt richtig 'Sach- kun- de- nach- weis'
"Kosten für Sachkunden- achweise sind Abzocke"
[Überschrift eines Leserbriefs in einer Inselzeitung]
Trennungsfehler bei zusammengesetzten Substantiven sind inzwischen Legen-
de, vor allem seit dem Einsatz automatischer Trennungsprogramme. Vor al-
lem, wenn das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt, landet der letzte Kon-
sonant des ersten Teilwortes oft mit auf der nächsten Zeile. Aber wie man hier
sieht, wird genau so brutal nach dem ersten Konsonanten des zweiten Teilwor-
tes (und vor dessen erstem Vokal) getrennt.
Sachverhaltsaufklärung stattfinden: ¹ statt besser 'Sachverhalt aufklären'
"Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Sachverhaltsaufklärung stattfindet."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Nach Reparaturen im AKW Grohnde bestanden im zuständigen Ministerium
Bedenken, ob sie ordnungsgemäß erledigt worden sind. Deshalb durfte das
AKW zunächst nicht wieder eingeschaltet werden. In diesem Zusammenhang
verbreitete der regionale Hörfunksender in seinen Nachrichten den oben zi-
tierten Satz, der von finsterem Behördendeutsch strotzt. Ohne den bei Behör-
den so heiß geliebten und von den Nachrichtenredaktionen allzu bereitwillig
übernommenen Substantivismus hätte die oben zitierte Aussage viel eleganter
geklungen: 'Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Sachverhalt aufgeklärt wird.'
(siehe auch Schülerbeförderung durchführen bzw. erfolgen).
Sa- fewort: ° statt richtig 'Safe- wort'
[Aus einem Sachbuch über Dominanz und Unterwerfung]
Es ist unglaublich, welchen Blödsinn zahlreiche deutschsprachige Tren-
nungsprogramme mit einsilbigen eingedeutschten Fremdwörten an-
stellen. 'Safe' ist und bleibt nach [1] auch im Deutschen ein einsilbiges
Wort ohne Trennfuge (siehe auch beige, Byte, Charme, Fire|wall, On-
line
, Rag|time), Stage, Store! Damit kann das Kompositum 'Safe|wort'
nur zwischen den beiden einsilbigen Teilwörtern getrennt werden! Das
'Safewort' ist bei Unterwerfungsspielen ein Notsignal, mit dem der sub-
missive Partner das Spiel abbrechen kann, wenn es ihn überfordert.
Sale: ª ³ statt besser 'Schlussverkauf' oder 'Ausverkauf'
"SALE" (meistens in Blockschrift bzw. Versalien)
[Modewort auf zahlreichen Werbeblättern und -plakaten für Saisonverkäufe]
Der Begriff 'Sale', der von der deutschen Werbebranche heute so heiß und
innig geliebt wird, hat im Englischen eine ungenau breite Bedeutung. Für
das einzelne Wort 'sale' findet man in [6a] außer dem allgemein bekannten
'Verkauf' noch 10 weitere deutsche Übersetzungen, um die Art des Verkaufs
auf Deutsch genauer bezeichnen zu können: Absatz, Abschluss, Abstoßung
(Unternehmen), Auktion, Ausverkauf, Räumungsverkauf, Realisation,
Schlussverkauf, Veräußerung und Vertrieb (Absatz). Daneben gibt es in [6a]
noch zahlreiche mit 'sale' zusammengesetzte Wörter, die den Werbestrategen
vermutlich weniger bekannt sind, weil sie kaum benutzt werden. Jemand, der
mehr mit Französich als mit Englisch vertraut ist, dürfte über den Begriff
'sale' sogar verwundert sein. Das französische 'sale' bedeutet nämlich
'schmuddelig', 'schmutzig', 'unflätig', gar nicht zu reden von 'salé' (gesalzen),
das im übertragenen Sinne für 'anzüglich' oder 'deftig' gebraucht wird [6b].
Offenbar hat es beim Erfinden von Werbeslogans durchaus Vorteile, wenn
der Blick nicht durch allzu viel Sachkenntnis getrübt ist.
saubere und gut erhaltene Sachspenden: ³ statt richtig
'Spenden sauberer und gut erhaltener Sachen'
"Um saubere und gut erhaltene Sachspenden wird gebeten."
[Aus den Regionalnachrichten eines Hörfunksenders]
––> vermischter Warenhändler [^]
Schiffahrt- samt: ° statt richtig 'Schiff- fahrts- amt'
[Aus einem Leserbrief einer Inselzeitung]
Trotz dieser Trennung ist hier kein Samt in der Schifffahrt gemeint, sondern
die allgemein bekannte Behörde für diese Berufssparte. Zugeschlagen hat hier
ein brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]). Die Trennung
von zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar schwierig, wenn das
zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt. Demgegenüber fällt die alte Schreib-
weise von Schiffahrt mit nur zwei (statt drei) f kaum auf.
Schleuse: ³ statt (in diesem Zusammenhang) richtig 'Siel' bzw. 'Wehr' oder 'Sperrwerk'
"Zwei Frauen versuchen verzweifelt eine Schleuse zu schließen."
[Aus dem Thriller Dunkles Geheimnis, Knaur-Taschenbuch 62513, 2003]
In diesem aus dem Englischen übersetzten Buch werden an vielen Stellen
zwei angebliche 'Schleusen' mit nur einem Tor(!) erwähnt und beschrieben,
die zum Entwässerungssystem des tiefliegenden Marschlandes von Norfolk
gehören. Vermutlich heißt der ursprüngliche englische Begriff 'sluice', für
den es nach Leo [6a] im Deutschen 12 verschiedene Bedeutungen gibt.
'Schleuse' sind jedoch nur zwei davon! Richtig ist in diesem Zusammenhang
'Siel' oder allenfalls 'Deichschleuse'. Der deutsche Begriff 'Schleuse' gilt
nämlich für ein Bauwerk mit zwei Toren zum Heben oder Absenken von
Schiffen zwischen zwei verschiedenen Fahrwasserpegeln, das im Englischen
'lock' heißt. Vielleicht muß man dem Übersetzer zu Gute halten, dass er aus
dem tiefsten Binnenland kommt und sein Verständnis von Entwässerungsan-
lagen nahe dem Meeresspiegel durch nicht allzu viel Sachkenntnis getrübt
ist. Außerdem fand ich die Übersetungen in 'Damm' (häufig) bzw. in 'Deich'
(selten) stellenweise so verwirrend, dass sie nicht nachvollziehen konnte.
Schlos- sarkaden: ° statt richtig 'Schloss- ar- ka- den'
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Nach dem Duden [1] werden zusammengesetzte Wörter und Wörter mit
Vorsilben nach ihren erkennbaren Bestandteilen getrennt [1b]. Deshalb
hat 'Schloss|ar|ka|den' nur diese drei Trennfugen, wie auch unter den bei-
den Stichwörtern 'Schloss' und 'Ar|ka|de' nachgeschaut werden kann. Die
falsche Trennung zwischen 'ss' am Ende des ersten Wortes oder der ersten
Silbe ist Legende und offensichtlich nicht auszurotten (siehe auch Abschlus-
sprüfung
, Beschlus- svorschläge, bis- schen, Mis- sachtung, Regres- sforde-
rung
, Verschlus- szustand).
Schnel- laufheizung: ° statt richtig 'Schnell- auf- hei- zung'
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Die automatische Trennung von zusammengesetzten Wörtern, deren folgen-
der Teil mit einem Vokal beginnt, ist und bleibt schwierig. Das gilt besonders,
wenn vor dem zweiten Teilwort zwei gleiche Konsonanten stehen. Das zitierte
Wort wie 'Schnel- lauf' zu trennen, ist keinesfalls richtig. Nach neuer Recht-
schreibung hätte es dann nämlich 'Schnelllauf' gehießen, und nach alter
Schreibweise 'Schnellauf' hätte das dritte 'l' beim Trennen eingefügt werden
müssen (Schnell- lauf), wie früher auch bei 'Brennessel' zu 'Brenn- nessel'. In
dem Artikel über die Einsparung von Heizkosten ist jedoch eindeutig die
'Schnell|auf|hei|zung' gemeint, in der es nur die markierten Trennfugen gibt.
Schnik- kschnack: ° statt richtig 'Schnick- schnack'
[Aus einer Anzeige der hiesigen Tageszeitung, Okt. 2009]
Erschienen zu Zeiten, zu denen ck bei der Trennung ganz bestimmt nicht
mehr in k-k aufgelöst wird. Nach [1b] gehörte hier ck schon immer auf
die erste Zeile, denn nach [1] hatte dieses Wort nur eine Trennfuge. Es
ist unglaublich, welche überholten Trenungsroutinen in heutigen Satz-
programmen immer noch verwendet werden!
schrauben: ³ statt richtig 'bumsen' oder 'vögeln' (in einem Sex-Blog)
"Ich sah ihm dabei zu, wie sie die Hüften in seine schraubte und auf seinem
herrlichen Schwanz ritt, ..." [Aus dem erotischen Taschenbuch 'Sex-Blogs']
Offensichtlich ist nicht jedem Profiübersetzer von erotischer Literatur die
Bedeutung der englischen Wörter 'screw / to screw' bekannt, mit denen sie
als Slang im sexuellen Bereich gebraucht werden. Die neutrale Übersetzung
in der Technik ist zwar 'Schraube / schrauben', aber diese Wörter bedeuten
im Zusammenhang mit der geschlechtlichen Vereinigung (sexual intercourse)
je nach Quelle 'bumsen', 'vögeln' [5 u. 6a] oder auch 'ficken' [6a] (siehe
auch bei 'Vokabeln' unter den Stichwörtern screw und Schrauben-Mutter.
Damit heißt der oben zitierte kaum verständliche Satz mit den 'ineinander-
geschraubten Hüften' wesentlich eingängiger: "Ich sah ihm dabei zu, wie
sie die Hüften auf seine bumste und auf seinem herrlichen Schwanz ritt, ..."
Diese sinnwidrig übersetzte 'Schrauberei' kommt noch an anderen Stellen des
genannten Buches vor.
Schulen fallen aus: ³ statt richtig 'Unterricht fällt aus' oder 'Schule fällt aus'
"In Niedersachsen fallen zahlreiche Schulen aus"
[Aus den Frühnachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Man kann zwar vermuten, was mit der zitierten Meldung in den 8.30-Uhr-
Nachrichten gemeint ist, aber dennoch halte ich diese Formulierung für
eine Stilblüte. Offensichtlich fällt am 11.01.10 in zahlreichen Schulen der
Unterricht aus, weil die Schülerbusse wegen unpassierbarer Schneewehen
vom vorausgegangenen Wochenende nicht verkehren. Im Volksmund heißt
das auch 'die Schule fällt aus', sofern 'Schule' als Synonym für 'Unterricht',
benutzt wird, den es praktisch nur im Singular gibt. Also wenn schon, dann
bitte auch 'Schule' in diesem Sinne nur in der Einzahl! Bei 'Schulen' in der
Mehrzahl denkt man eher daran, dass die Gebäude ausgefallen (unbenutz-
bar) sind, sei es, weil deren Heizung nicht funktioniert, größere Bereiche
wegen eines gebrochenen Wasserrohres überflutet sind oder es dort keinen
Strom gibt. Aber Schulen (im Plural!) ausfallen zu lassen, weil nicht unter-
richtet wird, um den Schülern den Schulweg nicht zuzumuten, ich weiß ja
nicht! Stilistisch korrekt hätte die zitierte Meldung z.B. heißen können:
'In zahlreichen Schulen Niedersachsens fällt der Unterricht aus.' So viel zu
den Formulierungskünsten von Profis der deutschen Sprache!
Schülerbeförderung durchführen bzw. erfolgen: ¹ statt besser 'Schüler befördern'
  1. Schülerbeförderung durchführen: ¹
    "Die Schülerbeförderung ist nicht durchführbar."
    [Aus den 8.00-Uhr-Verkehrsmeldungen des regionalen Hörfunksenders]
    Die zitierte Begründung, warum der Unterricht im Landkreis Wol-
    fenbüttel am 14.01.10 ausfällt, hätte ohne Substantivismus viel
    flüssiger geklungen: Die Schüler können nicht befördert werden.
  2. Schülerbeförderung erfolgen: ¹
    "Die Schülerbeförderung zur Grundschule Hitzacker auf der Linie 307 ...
    kann aufgrund der bestehenden Straßensperrungen nicht erfolgen."
    [Aus den Verkehrsmeldungen des regionalen Hörfunksenders]
    Der unter 2. zitierte Satz gehörte zu den am 16.06.13 stündlich ver-
    breiteten Meldungen über das sinkende Elbhochwasser, nachddem
    die Einwohner dank des selbstlosen Einsatzes zahlreicher Helfer in
    das nicht überflutete Hitzacker zurückgekehrt waren und die Kinder
    in der örtlichen Schule wieder unterrichtet wurden. Auch diese zi-
    tierte Meldung hätte ohne Sustantivismus viel flüssiger geklungen:
    Die Schüler können wegen der noch gesperrten Straßen auf der
    Linie 307 ... nicht zur Grundschule Hitzacker befördert werden.
In den Nachrichten und Verkehrsmeldungen des regionalen Hörfunksen-
ders häufen sich stilistisch unschöne Formulierungen in reinstem Behör-
dendeutsch, die kaum noch auffallen, weil sie nahezu gebetsmühlenartig
wiederkehren. Vermutlich werden solche Texte unmittelbar aus Polizei-
meldungen übernommen, ohne dass ein Redakteur überhaupt noch be-
merkt, was für Stilblüten er mit solchen substantivistischen Formulierun-
gen verbreiten lässt (siehe auch Angaben machen).
Schutzschild, das: ² statt richtig 'der Schutzschild','die Schutzschilde'
Abwehrschild, das ² statt richtig 'der Abwehrschild', die Abwehrschilde'
Hitzeschild, das ² statt richtig 'der Hitzeschild', die Hitzeschilde'
  1. "Die Borke ist das Schutzschild des Baumes."
    [Aus einer Broschüre eines Harzer Forstamtes]
  2. "Das amerikanische Raketenabwehrschild ..."
    [Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
  3. "Zu dem Unglück hatte das beschädigte Hitzeschild der „Columbia“
    geführt." [Aus einer Bildunterschrift in der hiesigen Tageszeitung]
Die Schutz- und Abwehrwaffe 'Schild' ist immer männlich! Damit sind nur
'der Schutzschild', 'der Abwehrschild' bzw. der Hitzeschild richtig. Wären
die Verfasser Fans der Zeichentrickserie Asterix, dann hätten sie sicher
den Band "Der Avernerschild" gelesen. Es wäre interessant zu wissen,
was der Autor der Forstbroschüre, der Nachrichtenredakteur oder der
Autor der Bildunterschrift vor Augen haben, wenn sie 'das Schutzschild',
'das Raketenabwehrschild' bzw. das Hitzeschild schreiben, etwa einen
Anschlag, Aushang, Hinweis oder Zettel mit den Worten "Holzschädlinge
halt! Nicht eindringen!", "Feindliche Raketen halt! Weiterfliegen verbo-
ten!" bzw. "Hitze halt! Nicht aufheizen!"? Es ist einfach unglaublich!
schwerer Straftäter: ³ statt richtig 'Straftäter', 'Verbrecher' oder 'Schwerverbrecher'
In einer Meldung über die umstrittene Vorratsdatenspeicherung der Telekommu-
nikation wurden "schwere Straftäter" erwähnt.
[Aus den 10.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Es gibt 'Straftaten' sowie als Steigerung auch 'schwere Straftaten' und
'Straftäter', die solche mit Strafe bedrohten Taten begehen. Aber was, bitte-
schön, muss man unter einem 'schweren Straftäter' verstehen? Etwa einen
Täter mit deutlichem Übergewicht? Grammatisch korrekt ist nämlich nur
diese Deutung, denn das Attribut 'schwer' bezeichnet im einen Fall die 'Tat',
im anderen Fall hingegen den 'Täter'!
  ––> vermischter Warenhändler
Seeno- trettungskreuzer: ° statt richtig 'Seenot- rettungskreuzer'
[Aus der Bildunterschrift einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Die automatische Trennung zusammengetzter Wörter ist und bleibt offen-
bar schwwierig. Wenn das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt, landet
ofmals der letzte Konsonant des ersten Teilwortes mit auf der nächsten Zeile.
Wie man hier sieht, kommt das sogar vor, wenn das zweite Teilwort mit
einem Konsonanten beginnt. Vielleicht wurde 'tr' als ein Laut interpretiert.
sein- erzeit: ° statt richtig 'sei- ner- zeit'
[Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
Dieses einfache deutsche Wort hat im Duden [1] nur die beiden Trennfugen
'sei|ner|zeit'. Offenbar hat es die verwendete Trennungsroutine als zusammen-
gesetztes Wort aus 'sein' und 'erzeit' behandelt. Einfach beschämend!
[^]
selb- st: ° statt richtig 'selbst', einsilbiges Wort
[Aus einem Artikel in einer Vereinszeitschrift], (einer von vier Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
denn die Trennung von gängigen einsilbigen deutschen Wörtern ist an
Blödsinn kaum noch zu überbieten!
Servi- ce : ° statt richtig 'Ser- vice', (einer von zwei Trennungsfehlern)
[gefunden als "Installationsservi- ce" in einer Vereinszeitschrift]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Nach [1] ist 'Ser|vice' ein zweisilbiges Wort mit nur einer Trennfuge. Das
gilt sowohl für den Begriff aus dem Französischen für Tafelgeschirr als auch
für den hier gemeinten Begriff aus dem Englischen für Kundendienst. Es ist
eine Zumutung für die Leser, was für Schoten sich unzureichende deutsche
Satz- und Trennungsprogramme mit eingedeutschten Fremdwörtern leisten.
sexuelle Missbrauchsfälle: ³ statt richtig 'Fälle sexuellen Missbrauchs'
"Bundesweit werden immer mehr sexuelle Missbrauchsfälle bekannt."
[Aus den 14.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Letztens musste man im Hörfunk etwa eine Woche lang mehrmal täglich
über sich ergehen lassen, als immer neue Fälle sexuellen Missbrauchs von
Schülern an Eliteschulen der Jesuiten aufgedeckt wurden. Neben anderen
Formulierungen kam darin auch immer wieder der Begriff 'sexuelle Miss-
brauchsfälle' vor, der grammatisch genau so falsch gebildet ist, wie der
––> vermischte Warenhändler.
sich etwas mitnehmen: ³ Aufblähung von Sätzen durch unnötige Reflexivpronomen
  1. "Die Kinder können sich die Bilder mitnehmen."
    [Aus der 'Plattenkiste' des regionalen Hörfunksenders]
  2. "Nimm dir die Schlüssel mit."
    [Aus dem Schlager 'Ich war noch niemals in New York' von Udo Jürgens]
Seit vielen Jahren wird in der Umgangssprache immer öfter ein unnötiges
Reflexivpronomen (mir, dir, sich, uns, euch, sich) eingefügt, wodurch der
betreffende Satz wohl interessanter klingen soll, tatsächlich aber aufgebläht
wirkt. Es gibt 'echte reflexsive Verben', bei denen das Reflexivpronomen als
Teil des Verbs gilt (z.B. sich schämen, sich beeilen u.a.m.) und 'unechte
reflexive Verben', bei denen das Reflexivpronomen eine Satzergänzung ist
(z.B. sich waschen, sich töten u.a.m., entweder sich selbst oder jemand
anderen)[2]. Vermeidbare Reflexivpronomen, die in beiden o.a. Beispielen
ersatzlos weggelassen werden können, blähen die Sprache nur unnötig auf.
sie singen: ³ als Übersetzung von 'ils chantaient' statt richtig 'sie sangen'
"Und die Vögel singen" als deutsche Übersetzung von "Et les oiseaux chantaient"
[Aus einer Titelansage in der Frühlingshitparade des regionalen Hörfunksenders]
Diese Übersetzung ist sinngemäß fast richtig, aber der Titel des bekannten
Instrumentalstücks mit dem Vogelgezwitscher von Alain Morisod & Sweet
People heißt im Original auf Französisch 'Et les oiseaux chantaient' und
nicht 'chantent'. Richtig übersetzt heißt das auf Deutsch 'Und die Vögel
sangen' bzw. auf Englisch 'And The Birds Were Singing' (im Imperfekt
statt im Präsens). Wer in der Schule je die Konjugation der regelmäßigen
Verben richtig büffeln musste (hier 'chanter' = erste Gruppe, Endung 'er'),
wird die Formen von Imperfekt und Präsens jedoch kaum verwechseln.
siebenköpfiger Familienvater: ³ statt richtig 'Vater einer siebenköpfigen Familie'
[aus 7] ––> vermischter Warenhändler
so dermaßen: * statt richtig nur 'so' oder nur 'dermaßen'
"..., stimmen Sie zu und übertreiben danach so dermaßen, dass ..."
[Aus einer Antwort auf der Ratgeberseite der hiesigen Tageszeitung]
Die in diesem Zitat kombinierten Modaladverbien (Umstandswörter der Art
und Weise) 'so' und 'dermaßen' sind doppelt gemoppelt, was der Autorin
offenbar nicht bewußt geworden ist. 'Dermaßen' drückt genau wie 'derart'
oder 'dergestalt' bereits einen hohen Grad des empfohlenen 'Übertreibens'
aus, so dass dessen weitere Steigerung durch 'so' bereits inflationär und
damit stilistisch schlecht wirkt. Als Kommunikationstrainerin sollte die
Autorin des o.a. Beitrags zumindest in der Schriftsprache so sattelfest sein
(statt 'so dermaßen' sattelfest), dass sie als Profi der deutschen Sprache
nicht auch noch durch solche Ansammlung sinnähnlicher Ausdrücke mit
aller Kraft zu deren Inflation beiträgt (siehe auch solch derart und
überhaupt gar nicht).
solch derart: * statt richtig nur 'solch' oder nur 'derart'
"Seit Jahren hatte kein Unwetter solch derart gravierende Folgen für den
Zugverkehr." [Wörtliche Rede in einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Auch Führungskräfte der Bahn sind offensichtlich gegen Übertreibungen
mit den doppelt gemoppelten Modaladverbien (Umstandswörtern der Art
und Weise) 'solch' und 'derart' nicht gefeit. 'Derart' drückt genau wie
'dermaßen' oder 'dergestalt' bereits einen hohen Grad des empfohlenen
'Übertreibens' aus, so dass dessen weitere Steigerung durch 'solch' bereits
inflationär und damit stilistisch schlecht wirkt (siehe auch so dermaßen).
spezifisches Gewicht: ³ hat welche Einheit?
"Berstein hat ein spezifisches Gewicht von 1,05 – 1,09 Gramm und ist ..."
[Aus einem Artikel über Bernstein in der hiesigen Tageszeitung]
Als 'spezifisches Gewicht' wurde vor mehr als 40 Jahren das auf das Vo-
lumen bezogene Gewicht eines Körpers bezeichnet, das eine Eigenschaft
des Materials ist,
γ = G / V     (spezifisches Gewicht = Gewicht / Volumen),
und hatte je nach Maßsystem bei gleichem Zahlenwert die Einheit
g/cm³ (Gramm/Kubikzentimeter) bzw. kg/dm³ (Kilogramm/Kubikdezimeter).
Nach langen Diskussionen der Fachleute wurde für das damalige Ge-
wicht G die Masse m als gesetzliche Einheit festgelegt [3] und aus
dem 'spezifischen Gewicht' γ wurde
ρ = m / V     (Dichte = Masse / Volumen)
mit derselben Einheit. In dem 1970 in Kraft getretenen "Gesetz über
Einheiten im Meßwesen" [3], sind die Maßeinheiten festgelegt, die in
Handel und Gewerbe ausschließlich zu verwenden sind. 1978 sind in
Deutschland die letzten Übergangsfristen abgelaufen, bis zu denen
ältere Einheiten noch offiziell verwendet werden durften. Das sollte
einer Goldschmiedemeisterin an sich bekannt sein, vor allem, wenn sie
Zeitungsartikel über ihr Fachgebiet verfasst. Unglücklicherweise ist
das 'Gewicht' im heutigen Gesetz nicht mehr als 'Masse', sondern
als sog. 'Gewichtskraft' festgelegt, wodurch dieses neue 'spezifische
Gewicht' nach folgender Gleichung definiert ist:
γ = FG / V = m · g / V = ρ · g     (= Gewichtskraft / Volumen)
mit der Dichte ρ und der Erdbeschleunigung g. Dessen Einheit ist heute
N (Newton) und war früher p (Pond) bzw. kp (Kilopond), aber das ist
hier ganz bestimmt nicht gemeint. Obwohl die meisten Leute im tägli-
chen Leben die Begriffe 'Masse' und 'Gewicht' nicht unterscheiden, ist
die Einheit 'Gramm' in dem Zitat keinesfalls richtig. (siehe außerdem
Baltisches Meer)
Sta- ge School of Music, Dance and Drama: ° statt richtig 'Stage School ...'
[Aus einem Interview mit einer Sängerin in der hiesigen Tageszeitung]
Offensichtlich bleibt es bei der Trennungswut deutscher Zeitungsredaktionen
riskant, der privaten 'Bühnenschule für Musik, Tanz und Schauspiel' in
Hamburg einen englischen Namen zu geben. Nach den Sprachkenntnissen
des Autors sind die englischen Wörter 'Stage', 'School' und 'Dance' einsilbig
und haben demzufolge keine Trennfuge! Lediglich 'Mu|sic' und 'Dra|ma'
bestehen aus zwei Silben und dürfen getrennt werden.
Stan- dort: ° statt richtig 'Stand- ort', nach [1] nur diese eine Trennfuge
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
Star- kregen: ° statt richtig 'Stark- regen'
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung unter Missachtung von [1b]). Die Trennung von
zusammengesetzten Wörtern ist und bleibt offenbar auch dann schwierig,
wenn das zweite Teilwort mit einem Konsonanten beginnt.
Sta- tement: ° statt richtig 'State- ment', nach [1] nur diese eine Trennfuge
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
stehende Ovationen: ³ statt richtig 'begeisterter Beifall'
[Volkstümliche Stilblüte] ––> vermischter Warenhändler
Steinbrecher Straße oder Steinbrecherstraße: ³ was davon ist richtig?
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
In der hiesigen Tageszeitung ist in den letzten Monaten eine äußerst lehrrei-
che Verkehrsserie 'Achtung Vorfahrt!' erschienen. In einem der letzten Bei-
träge 'Pflasterung sorgt für Übersicht' wurde deren Bedeutung am Beispiel
der Straßeneinmündung 'Steinbrecherstraße' in die 'Jasperallee' anschaulich
beschrieben. In dem Artikel wurde Steinbrecherstraße acht Mal erwähnt,
davon allerdings nur drei Mal richtig in einem Wort geschrieben, jedoch fünf
Mal falsch in zwei Wörtern (ohne Bindestrich) 'Steinbrecher Straße'. Diese
Getrenntschreibung bedeutet, dass die Straße nach einem Ort 'Steinbrech'
führt, so wie die 'Hamburger Straße' nach 'Hamburg'. Benannt ist die Straße
jedoch nicht nach einem weitgehend unbekannten Ort, den es vermutlich gar
nicht gibt, sondern nach dem Gewerkschafter Gustav Steinbrecher (1876 –
1940). Damit ist die 'Steinbrecherstraße' in einem Wort zu schreiben, wie in
nahezu allen Stadtplänen und städtischen Unterlagen zu finden. Es ist immer
wieder betrüblich, wenn die Redakteurin des zitierten Artikels als vermeintli-
cher Profi der deutschen Sprache die lokalen Straßennamen nicht durchge-
hend richtig schreibt, sondern dabei mehr falsche als richtige Wörter zu Pa-
pier bringt. In so einem Fall ist man geneigt, den früheren Maschinensetztern
mit ihren exzellenten Kenntnissen der Rechtschreibungs- und Trennungsregeln
nachzutrauern (siehe auch Zusammengesetzte Substantive, Kap. 2).
    [^]
Stellenwert: ³ oft sinnentstellend als Steigerung des Begriffs 'Wert' gebraucht
Beispiele für den sinnentstellenden Gebrauch dieses Modewortes:
"Der Stellenwert des Trainers muss sich verbessern." [de.eurosport.yahoo.com]
"Prozessmanagement – Inhalte und Stellenwert für die Unternehmensgestaltung"
[Titel einer Studienarbeit]
"Stellenwert der Arbeit", "Stellenwert des Autos" u.a.m. [Google-Treffer]
Der Begriff 'Stellenwert' ist in der Mathematik wohldefiniert als Wert einer
Ziffer auf Grund ihrer Stelle in einer größeren Zahl aus mehreren Ziffern in
einem sog. 'polyadischen Zahlensysten' bzw. 'Stellenwertsystem'. Aus dem
täglichen Leben kennen wir alle das 'Dezimalsystem' mit der Zahlenbasis 10
und 10 verschiedenen Ziffern 0 – 9. Bei natürlichen Zahlen (z.B. 1984)
haben die einzelnen Ziffern verschiedene Stellenwerte, die von rechts nach
links mit jeder Stelle um den Faktor 10 zunehmen (Einer- (E), Zehner- (Z),
Hunderter- (H), Tausender-Stelle (T) usw. bei noch längeren Zahlen). Bei
Dezimalbrüchen (z.B. 1984,275) steht rechts der Einerstelle das Dezimal-
komma (im Englischen der Dezimalpunkt) und weiter nach rechts die
Zehntel- (z), Hundertstel- (h), Tausendstel-Stelle (t) usw.
Dezimalbruch:   1 9 8 4 , 2 5 7
Stellenwerte:    103   102   101   100  ,  10-1   10-2   10-3 
Stellennamen: T H Z E , z h t
Mit dieser mathematisch festgelegten Bedeutung hat der häufige Gebrauch
des Wortes 'Stellenwert' nicht das Geringste zu tun. Da 'Stellenwert' aber
so viel wuchtiger klingt als der meistens gemeinte Begriff 'Wert', wird sein
unsinniger Gebrauch im Zeitalter der Superlative kaum auszurotten sein.
Step- hanie: ° statt richtig 'Ste- pha- nie'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Nach dem Duden [1] gilt die Regel "Stehen Buchstabenverbindungen wie
ch, sch; ph, rh, sh oder th für einen Konsonanten, so trennt man sie nicht.
Dasselbe gilt für ck." Deshalb darf der F-Laut 'ph' in 'Stephanie' nicht ge-
trennt worden. Als Stichwort findet man in [1] 'Ste|pha|nie' mit diesen
beiden Trennfugen.
Stok- kyards: ° statt richtig 'Stock- yards' (am. Viehhof, Viehgehege)
[Aus einer Bildunterschrift der hiesigen Tageszeitung]
Erschienen zu Zeiten der alten Regeln, nach denen bei der Trennung
ck in k-k aufgelöst wurde. Hier gehört jedoch ck auf die erste Zeile.
Stollen und Schächte: ³ sind zwar Löcher in der Erde, aber voneinander verschieden
Unter der Stadt Salzgitter sind immer wieder "ehemalige Luftschutzstollen" aus
dem Zweiten Weltkrieg eingebrochen. Damit dies zukünftig nicht mehr passiert, sind
inzwischen "Schächte auf 8 km Länge untersucht und mit einem Zementgemisch
verfüllt worden". [Aus mehreren Meldungen des regionalen Hörfunksenders]
Stollen verlaufen grundsätzlich waagerecht oder mit leichtem Gefälle, damit
das Wasser abfließen kann. Insofern ist der Begriff 'Luftschutzstollen' richtig.
Schächte sind hingegen senkrechte Hohlräume, sei es in Bergwerken, für
Brunnen, Fahrstühle o.ä. In Sonderfällen können Schächte mehr oder weniger
von der Senkrechten abweichen, sog. tonnlägige Schächte, die aber immer
noch sehr steil verlaufen. Für die o.a. untertägigen Luftschutzbunker in
Salzgitter, von denen der Autor ein paar aus eigener Anschauung kennt, ist
die Bezeichnung 'Schächte' jedoch sachlich falsch. Außerdem ist mit der
schwammigen Bezeichnung 'Zementgemisch' vermutlich ein zementarmer
'Magerbeton' gemeint, wie er zum Versatz in Bergwerken gebräuchlich ist.
Sto- re, Sto- res: ° einsilbiges Wort, nach [1] ohne Trennfuge!
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung] (an zwei Stellen falsch getrennt)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
'Store', 'Stores' ist in jedem Fall einsilbig und damit untrennbar, sowohl
das Wort englischen Ursprungs für Speicher bzw. Laden, das hier gemeint
war, als auch das Wort französischen Ursprungs für Gardine.
Straf-Penalty: * statt richtig nur 'Strafe', nur 'Strafstoß' oder nur 'Penalty'
[Aus dem Kurzinterview eines Fußballsprechers in der Tagesschau]
Der englische Begriff 'penalty' bedeutet auf Deutsch 'Strafe' bzw. 'Sanktion',
beim Fußball auch einen zu tretenden 'Strafstoß'. Somit ist 'Straf-Penalty'
doppelt gemoppelt. Es ist offensichtlich vorteilhaft, wenn man die Bedeu-
tung fremdsprachlicher Begriffe, mit denen man wild um sich wirft, genau
genug und nicht nur so ungefähr kennt.
„Street View“-Knipser: ³ statt richtig 'Street-View-Knipser'
"Bürger suchen Schutz vor „Street View“-Knipsern"
[Artikelüberschrift in der hiesigen Tageszeitung]
Nach den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung [1 §44] setzt
man einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger zusam-
mengesetzter Wörter. In [1] sind dafür u.a. folgende Beispiele mit fremd-
sprachigen Teilwörtern angegeben: Ad-hoc-Bildung, De-facto-Anerkennung,
Do-it-yourself-Bewegung, Go-go-Girl, Rooming-in-System, Abend-Make-up.
Dennoch ist die offenbar für kreativ gehaltene Unsitte nicht auszurotten,
ein zusammengesetztes fremdsprachiges Wort (hier: Street View) ohne Bin-
destriche in Anführungszeichen zu setzen und dann durch einen Bindestrich
mit dem deutschen Teilwort zu verbinden. Gegen diese Marotte sind offen-
bar auch Profis der deutschen Sprache nicht gefeit, wie man an der zitierten
Überschrift sieht. Über den Leserbriefen zu diesem Thema in der nächsten
Zeitungsausgabe stand 'Street-View-Knipser' dann allerdings in dieser kor-
rekten Schreibweise. Sofern die Bezeichnung 'Street View' für sich allein
genannt wird, enthält sie natürlich sie keinen Bindestrich.
Stundenkilometer pro Stunde: ³ statt richtig 'Kilometer pro Stunde'
"Auf dem Brocken gibt es Windgeschwindigkeiten bis 70 Stundenkilometer
pro Stunde" [Aus den Wettermeldungen des regionalen Hörfunksenders]
Die gesetzlichen Einheiten für die Geschwindigkeit sind
• Meter pro Sekunde (m/s), die in Physik und Technik verwendet wird, und
• Kilometer pro Stunde (km/h), die im täglichen Leben gebräuchlicher ist.
In der Umgangssprache wird die Einheit 'Kilometer pro Stunde' ofmals nach-
lässig als 'Stundenkilometer' bezeichnet, was fälschlicherweise 'Kilometer mal
Stunde' also 'kmh' bedeutet. Das ist selbstverständlich nicht richtig, wird aber
dennoch häufig toleriert, weil man weiß oder zumindest ahnt, was gemeint ist.
Die vermeintliche Einheit 'Stundenkilometer pro Stunde', also 'kmh/h = km' ist
dagegen unsinnig und dürfte nicht in dem abzulesenden Text für einen Spre-
cher der Nachrichten oder Wettermeldungen stehen. Falls aber doch, dann
sollte dem Sprecher so ein Unsinn auffallen, und wenn er sich dennoch ver-
sprochen hat, dann könnte die unmittelbare Korrektur eines Sprachprofis noch
einiges retten. Schön wär's ja!
[^]
Substantivismus (mit '-ung'): ¹ gestelzte Behörden- oder Kaufmannssprache
"Mit diesem Leserbrief wurden zu der Änderung in der Sitzverteilung im
Stadtrat Bad Grund Ausführungen gemacht, die leider unvollständig waren."
[Stellungnahme zu einem Leserbrief in einer kostenlosen Monatszeitschrift]
Die drei aufeinanderfolgenden mit '-ung' substantivierten Verben (Än-
derung, Sitzverteilung und Ausführungen) sind als typisches Behörden-
deutsch stilistisch ziemlich verunglückt. Man muss sicher nicht sämtli-
che drei Substantive mit aller Gewalt vermeiden, aber eins bis zwei
wären leicht möglich. 'Ausführungen gemacht' ist die in der Behörden-
sprache heiß und innig geliebte Floskel, die statt der wesentlich elegan-
teren verbalen Form 'ausgeführt' nur allzu oft benutzt wird (siehe auch
Angaben machen). Bei den Wörtern 'Änderung in der Sitzverteilung'
muss man schon nachdenken, was genau ausgedrückt werden soll. Eine
'geänderte Sitzverteilung' bezeichnet eher das Ergebnis als den Vorgang
der Änderung. Falls der wirklich gemeint ist, könnte mit dem 'Ändern
der Sitzverteilung' die stilistisch unschöne Folge von zwei auf '-ung' en-
denden Substantiven vermieden werden, sofern das Wort 'Sitzverteilung'
als feststehender Begriff benutzt werden soll. Der zitierte Satz könnte
also stilistisch flüssiger lauten: (1) 'In diesem Leserbrief wurde zur ge-
änderten Sitzverteilung im Stadtrat Bad Grund Folgendes leider unvoll-
ständig ausgeführt.' oder (2) 'In diesem Leserbrief wurde zum Ändern
der Sitzverteilung im Stadtrat Bad Grund Folgendes leider unvollständig
ausgeführt.' Vermutlich haben viele Berufsjahre in der Kommunalverwal-
tung beim Verfasser des zitierten Satzes bleibende Spuren hinterlassen.
Su- chergebnis, Sucher- gebnisse: ° statt richtig 'Such- er|geb- nis- se'
Falsche bzw. sinnentstellende Trennung [Aus einem Artikel einer PC-Zeitschrift]
In dem Artikel, aus dem diese beiden Trennungsbeispiele zitiert sind, handelt
es sich um Ergebnisse bzw. Treffer von Anfragen an eine Suchmaschine im
Internet. Dabei ist die erste Trennung falsch, denn sie verstößt die gegen Re-
gel [1b], weil das 'ch' zum ersten einsilbigen Teilwort 'Such' gehört und nichts
mit einem 'Su- cher' zu tun hat. Obwohl bei der zweiten Trennung eine formal
vorhandene Trennfuge benutzt wird, führt sie zunächst gedanklich in die Irre.
Das erste Teilwort 'Such' suggeriert nämlich gemeinsam mit der ersten Silbe
'er' des zweiten Teilwortes den Begriff 'Sucher', der hier gar nicht gemeint ist.
Solche ireführenden bzw. die Sinnerfassung störenden Trennungen sollten
jedoch nach Regel [1f] vermieden werden. Wenn die Satz- und Trennpro-
gramme einer Fachzeitschrift mit ihren eigenen Fachbegriffen nicht zurecht-
kommen, müssten ihre Autoren besser einfachere Ausdrücke verwenden, in
diesem Fall z.B. das synonym gebräuchliche unkritische Wort 'Treffer'.
sucht Spüler ... ab sofort gesucht: * statt richtig nur einmal 'suchen' bzw. 'gesucht'
"Xyz Seehotel sucht Spüler zur Aushilfe auf 400-Euro-Basis ab sofort gesucht."
[Aus einer Anzeige in einer Inselzeitung]
Der Pleonasmus von 'sucht' am Anfang und 'gesucht' am Ende ist vermut-
lich eine 'Karteileiche', die beim (mehrmaligen) Umformulieren des Textes
entstanden und bei flüchtigem oder unterlassenem Korrekturlesen überse-
hen worden ist. Schade, dass weder der Inserent noch der Anzeigenredak-
teur diesen als Pleonasmus erscheinenden Grammatikfehler vor der Ver-
öffentlichung bemerkt hat.
Super-GAU, größtmöglicher ~: * statt 'GAU' oder allenfalls 'Super-GAU'
[Modewort in zahlreichen Berichten verschiedener Medien über größere Unfälle]
und "Der größtmögliche Super-GAU ..." [Aus einer Artikelserie 'Wissen']
GAU heißt 'größter anzunehmender Unfall' und ist ein etablierter Begriff
aus Sicherheitsanalysen von Kernkraftwerken. Zunächst bestand die Mei-
nung, dass GAU als größtes Schadensereignis genau so wenig gesteigert
werden könne wie andere Superlative, z.B. maximal (nicht: maximaler, am
maximalsten bzw. supermaximal), oder zweiwertige Aussagen, z.B. schwan-
ger (nicht: schwangerer, am schwangersten bzw. superschwanger). Nach
größeren Störfällen in Kernkraftwerken (z.B. von Windscale, WAA Sellafield,
Three Mile Island bei Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima) wird ein
GAU als sog. Auslegungsstörfall verstanden, dessen Auftreten durch vor-
handene Sicherheitsvorkehrungen noch beherrscht werden kann. Größere,
sog. auslegungsüberschreitende Störfälle werden heute in der Politik und
den Medien als Super-GAU bezeichnet, weil sie schwerer bzw. katastropha-
ler sind als der beim Entwurf einer Anlage zu Grunde gelegte GAU. Das
ist insoweit korrekt, allerdings sollte dieser Begriff nicht für alltägliche
Unfälle missbraucht werden. Wenn es in einer Welt der Superlative auch
schwierig sein mag, mit den Füßen auf dem Teppich zu bleiben, sollte man
von seriösen Autoren und Redakteuren doch erwarten können, dass sie nicht
auch noch nach Kräften zur Inflation der Begriffe beitragen, um ihre Artikel
unnötig zu dramatisieren (siehe auch: Detonation, rasen, verseucht).
Syste- mausfall: ° statt richtig 'Sys- tem- aus- fall'
[Aus einem Artikel einer Internet-Fachzeitschrift]
Dieser Fehler gehört zu den Klassikern der Trennung eines zusammenge-
setzten Wortes, bei denen das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
Unter Missachtung von Regel [1b] ist hier nach [1c] getrennt worden.
Dadurch erscheint am Beginn der zweiten Zeile das Phantasie-Teilwort
'Mausfall'. Es ist bedauerlich, dass so etwas in einer Fachzeitschrift pas-
siert, in deren Texten der Begriff Sys|tem|aus|fall durchaus öfter vorkom-
men dürfte (siehe auch Gewin- neinbruch, Gril- labend, Kami- nabend,
Kesse- lanlage, kur- zentschlossen, Schnel- laufheizung, Stan- dort, Tee-
nager
uam.).
täglicher Tagesablauf: * statt richtig 'Tagesablauf' oder 'täglicher Ablauf'
"..., die zum täglichen Tageablauf gehören, ..."
[Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Der Artikel in einer redaktionellen Beilage zur hiesigen Tageszeitung be-
handelt steuerliche Entlastungen für Behinderte und ist daher besonders
interessant für Leute, die erst kürzlich von diesem Schicksal betroffen
wurden. Trotzdem ist der 'tägliche Tagesablauf' doppelt gemoppelt.
TAN-Nummer: * statt richtig 'TAN' oder allenfalls 'TAN-Code'
[Häufiger Bezeichnungsfehler beim Online-Banking]
Neben mehreren anderen Bedeutungen bezeichnet der Begriff TAN beim
Online-Banking die Transaktionsnummer, mit der ein individueller Auftrag
virtuell unterschrieben werden muss. Da das N in TAN bereits Nummer
bedeutet, ist die TAN-Nummer doppelt gemoppelt (siehe auch PIN). Es ist
immer riskant, die aus den Anfangsbuchstaben der Teilwörter bestehenden
Akronyme, deren Bedeutung man nicht kennt, mit anderen Wörtern
zusammenzusetzen. Weitere Pleonasmen dieser Art sind z.B.
  • ABM-Maßnahme = Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Maßnahme
  • AGP-Port = Accelerated-Graphics-Port-Port
  • HBCI-Interface = Homebanking-Computer-Interface-Interface
  • HIV-Virus = Humanes Immundefizienz-Virus-Virus
  • LCD-Display = Liquid-Crystal-Display-Display
Dieser Stil erinnert stark an den Schulrat in der Feuerzangenbowle.
Tatsachen, vollendete: * statt richtig 'Tatsachen'
"Vollendete Tatsachen schaffen." [Verbreitete Modefloskel]
Tatsachen sind in jedem Fall uneingeschränkt vorhanden bzw. gültig, denn
sonst wären es eben keine Tatsachen. Da es weder halbe noch unvollendete
Tatsachen gibt, kann man sie auch nicht steigern. Daher sind 'vollendete
Tatsachen' doppelt gemoppelt.
Tee- nager: ° statt richtig 'Teen- ager' (nach [1] nur diese eine Trennfuge)
[Aus mehreren Werken der Belletristik und aus verschiedenen Zeitschriften]
Hier tritt kein neuer Schädling (Nager) einer Nutzpflanze (Tee) auf,
sondern nur der altbekannte brutale Schädling eines Trennprogramms
mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Temperaturen, gefrierende ~, kalte oder warme ~ bzw. schwüle ~: ³ statt richtig
'Frost', 'niedrige' / 'tiefe' oder 'hohe Temperaturen 'bzw. 'schwüle Luft'
  1. "Sie soll bei gefrierenden Außentemperaturen automatisch ..."
    [Aus einem ddp-Artikel der hiesigen Tageszeitung]
  2. "Warme oder kalte Temperaturen" [Aus der Umgangssprache]
  3. "schwüle Temperaturen"
    [Aus der Wettervorhersage des regionalen Rundfunksenders]
Luft, Wasser oder andere Stoffe bzw. Gegenstände können kalt oder
warm sein, Wasser und andere Flüssigkeiten können auch gefrieren.
Temperaturen sind jedoch allenfalls niedrig (bzw. tief) oder hoch. Wie
sollte denn z.B. eine gefrierende oder gefrorene Temperatur aussehen?
Oder hat schon mal jemand eine Temperatur angefasst, wie kalt oder
warm sie sich anfühlt? Ein Redakteur vom ddp (Deutschen Depeschen-
dienst) sollte als Profi der deutschen Sprache eine Stilblüte wie die
'gefrierenden Temparaturen' in einem nicht zeitkritischen Artikel zum
Winterbeginn eigentlich vermeiden können. Und in einer Zeitungsredak-
tion liest heutzutage offensichtlich niemand mehr, was von einer Nach-
richtenagentur übernommen wird. – Der Begriff 'schwül' bezeichnet kei-
nesfalls eine Temperatur, sondern einen hohen Wasserdampfgehalt war-
mer Luft. Diese schwüle Hitze wird als unangenehm empfunden, weil
sie die Kühlung des menschlichen Körpers durch Schwitzen behindert.
Schwüle Luft (d.h. feuchte warme Luft) wirkt daher wärmer als trocke-
ne Luft gleicher Temperatur. Deshalb kann nur die Luft schwül sein und
keineswegs die Temparatur! Das sollte einem Profi, der Wettervorhersa-
gen verfasst, eigentlich klar sein!
Terrabyte: ³ statt richtig 'Terabyte'
"1 Terrabyte HDMI Player für 89,00 Euro"
[Angebot bei ebay am 25.06.09]
'Terra' ist lateinisch und bedeutet Erde oder Land. In dieser Bedeutung
finden wir die Bezeichnung in vielen deutschen Begriffen, z.B. Terrain,
Terrarium, Terrasse, terrestrisch u.a.m. Das 'Terrabyte' gehört jedoch
keinesfalls dazu, weil hier nur 'Terabyte' gemeint sein kann,
1 T = Tera = 1012 = 1 Billion (siehe auch Tetraflops pro Sekunde).
Tetraflops pro Sekunde: * ³ statt richtig 'Teraflops'
"Wir sprechen von Rechnersystemen, die Hunderte von Tetraflops pro
Sekunde ausführen können: Hunderte von Milliarden Rechenschritten."
[Aus dem Thriller Die Bancroft-Strategie]
Der zitierte Satz enthält einen Pleonasmus und zwei sachliche Fehler.
1. 'FLOPS' ist ein Maß für die Rechengeschwindigkeit von Prozessoren
und/oder Computersystemen und bedeutet 'floating point operations per
second', zu Deutsch 'Gleitkommaoperationen pro Sekunde'. Damit ist
'FLOPS pro Sekunde' ein Pleonasmus, d.h. doppelt gemoppelt (siehe
auch PIN-Nummer). Unbekannte Akronyme sind und bleiben riskant!
2. Die Vorsilbe 'Tetra' ist in diesem Zusammenhang sachlich falsch,
denn die FLOPS haben nichts mit der Firma 'Tetra-Pack' oder den von
ihr erfundenen gleichnamigen tetraederförmigen Verpackungen zu tun.
Gemeint sind hier ganz offensichtlich 'Teraflops'.
3. In Technik und Physik werden große Vielfache von Grundeinheiten
durch Vorsilben bezeichnet, damit die Zahlenwerte überschaubar bleiben.
Vielfache von Einheiten
Nach den ersten beiden Vielfachen von einer Zehnerpotenz (Faktor 10
= Deka) und zwei Zehnerpotenzen (Faktor 100 = Hekto) sind folgende
Vielfache in Stufen (Verhältnissen) von jeweils drei Zehnerpotenzen
(Faktor 1000) festgelegt [3]:
1 da   = Deka = 101 = 1 × Zehn
1 h = Hekto   = 102 = 1 Hundert
1 k = Kilo = 103 = 1 Tausend  
1 M = Mega = 106 = 1 Million
1 G = Giga = 109 = 1 Milliarde   amerik. 1 Billion
1 T = Tera = 1012   = 1 Billion amerik. 1 Trillion
1 P = Peta = 1015 = 1 Billiarde   amerik. 1 Thousand Trillion
1 E = Exa = 1018 = 1 Trillion amerik. 1 Quintrillion
(Siehe auch Bruchteile von Einheiten.)
Damit sind 'Hunderte von Teraflops' = 'Hunderte von Billionen Rechen-
schritten pro Sekunde' statt 'Hunderte von Milliarden Rechenschritten',
wie im zitierten Text behauptet wird. Ob der amerikanische Autor oder
der Übersetzter mit den unterschiedlichen Bezeichnungen in Europa und
den USA für so große Zahlen von 12 Zehnerpotenzen, d.h. einer Eins mit
12 Nullen, durcheinandergeraten ist, weiß ich leider nicht.
Theaters- tadl: ° statt richtig 'Theater- stadl'
[Aus einer Kultur-Notiz in der hiesigen Tageszeitung]
Zusammengesetzte Wörter werden nach ihren erkennbaren Bestandteilen
getrennt [1b]. Wenngleich die süddeutsche Schreibweise von 'Stadel'
(ohne 'e') nicht im Duden [1] steht, hat dieses zusammengesetzte Wort
nur die drei Trennfugen 'The|a|ter|stadl' und keine anderen!
theoretischer Physiker: ³ statt richtig 'Fachmann für theoretische Physik'
[Volkstümliche Stilblüte] ––> vermischter Warenhändler
tragfähige Keidungsstücke: ³ statt richtig 'tragbare Kleidungsstücke'
"Bitte nur tragfähige Kleidungsstücke einwerfen"
[Schild an einem Sammelcontainer für Altkleidung]
'Tragfähig' ist ein Gebilde, das etwas (oftmals Schweres) tragen kann,
z.B. eine Brücke, ein Arbeitsgerüst, der Baugrund für ein Hochhaus oder
auch ein Seil zum Heben einer Last. Danach müssten Kleidungsstücke nur
dann 'tragfähig' sein, wenn man sich damit an einem Haus aus einem der
oberen Stockwerke abseilen wollte, z.B. bei einem Brand im Treppenhaus
oder bei einem Ausbruch aus einem Gefängnis. 'Tragbar' ist hingegen et-
was, das 'man tragen kann', weil es dafür geeignet ist. Das können leichte
Geräte sein, z.B. ein 'tragbarer Computer' bzw. ein 'tragbares Fernsehge-
rät', noch 'einwandfreie Kleidung' zu ihrem normalen Gebrauch, der hier
offensichtlich gemeint ist, oder im übertragenen Sinne auch 'annehmbar',
'erträglich', 'erschwinglich', 'zumutbar', z.B. 'finanziell tragbar'.
Trau- murlaub: ° statt richtig 'Traum- urlaub'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Zusammengesetzte Wörter werden nach ihren erkennbaren Bestandteilen
getrennt [1b] und nicht nach [1c]! Aber es bleibt offenbar schwierig, wenn
das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
überhaupt gar nicht: * statt richtig nur 'gar nicht' oder nur 'überhaupt nicht'
"... überhaupt gar nicht ..."
[Aus der Wettervorhersage des regionalen Rundfunksenders]
Die Negationspartikel 'nicht' regiert meistens den ganzen Satz, so dass
sich der Wahrheitswert seiner Aussage ändert, wenn man das 'nicht' weg-
lässt [2 # 874]. Da eine Partikel nicht steigerungsfähig ist, kann die Nega-
tion durch eine der sog. Gradpartikeln 'gar', 'überhaupt' oder 'beileibe' be-
sonders betont bzw. verstärkt werden [2 # 872], wobei 'beileibe' als veral-
tet gilt. Mehrere Gradpartikeln, z.B. 'überhaupt' und 'gar' vor dem 'nicht'
sind eine Anhäufung sinngleicher Begriffe und daher doppelt gemoppelt
(siehe auch so dermaßen).
überquillen: ³ statt richtig 'überquellen'
"Altglascontainer quillen über" (+ dreimal 'überquillen' im Text)
[Überschrift eines Artikels in der hiesigen Tageszeitung]
Die zitierte Überschrift in der hiesigen Tageszeitung ließ mich stutzen, zumal
sich der Redakteur seiner Sache offenbar ziemlich sicher war, weil dieses un-
gewohnte Verb 'überquillen' in dem anschließenden Artikel noch dreimal vor-
kommt. Das Wort 'überquillen' steht wirklich nicht im Duden [1], sondern
nur 'überquellen', das wie 'quellen' bei intransitivem Gebrauch stark gebeugt
wird [2, # 704] (siehe auch erschrecken, letztes Beispiel). Danach muss es
in der Einzahl richtig heißen: der Eimer quillt über, ~ quoll über, ~ ist überge-
quollen, und in der Mehrzahl: die Eimer quellen über, ~ quollen über, ~ sind
übergequollen. Im Duden [1] findet man jedoch erstaunlicherweise das Verb
'quillen' mit dem Zusatz (veraltet, noch landsch. für ¹quellen), wobei die Note ¹
auf die stark gebeugte (intransitive) Form von 'quellen' verweist. Das macht
verständlich, warum der Redakteur von dem Infinitiv 'überquillen' überzeugt
zu sein scheint. Trotzdem ist mir diese Form weder hier, wo ich seit 1962 woh-
ne, noch in meiner früheren Heimat, wo ich aufgewachsen und zur Schule ge-
gangen bin, jemals begegnet. Es wäre deshalb interessant zu wissen, woher
der betreffende Redakteur diesen veralteten Infiniv mitgebracht hat.
übersteigen um mehr als 130 %: ³ statt richtig 'übersteigen von mehr als 130 %'
oder 'übersteigen um mehr als 30 %'
"Übersteigen die Reparaturkosten eines Autos dessen Wiederbeschaffungswert
um mehr als 130 %, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor."
1. [Aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
2. [Pressemitteilung des Amtsgerichts München, 30.11.09, AZ 345 C 4756/09]
Offensichtlich haben nicht nur immer mehr Angehörige der schreibenden
Zunft ihre liebe Not, einfache Zahlenvergleiche in zutreffende Prosa zu
übertragen (siehe auch dreimal größer), sondern auch bayerische Richte-
rinnen. Der zitierte einleitende Satz eines Artikels in der abonnierten Insel-
zeitung erschien mir zweifelhaft und hat mich zu weiteren Nachforschungen
veranlasst. Dabei fand ich ihn wörtlich in zahlreichen Anwaltsportalen und
schließlich auch in der betreffenden Pressemitteilung des AG München*).
Die Zahlenwerte, um die es in diesem Verfahren ging, sind:
5.500,00 € Wiederbeschaffungswert
7.243,46 € Reparaturkosten = 1,317 × Wiederbeschaffungswert
Demnach betragen die Reparaturkosten = 131,7 % vom Wiederbeschaffungs-
wert. Die Klage wurde abgewiesen, weil sie um 1,7 % über der magischen
Grenze von 130 % dieses Wertes lagen. Aus dem zitierten Einleitungssatz der
Pressemitteilung "um mehr als 130 % über dem Wiederbeschaffungswert"
muss man jedoch schließen, sie hätten über 230 % vom Wiederbeschaffungs-
wert gelegen. Erstaunlicherweise ist der Vergleich mit den 1,7 %, um die
diese 130-%-Grenze überschritten ist, in der Pressemitteilung korrekt formu-
liert. In der Prozentrechnung ist wie bei anderen Größenvergleichen zwischen
den beiden Präpositionen (Verhältniswörtern) 'um' und 'auf' zu unterscheiden:
Eine Erhöhung um 30 % gibt die Differenz (30 %) zwischen dem 'Grundwert'
(100 %) und dem 'Endwert' (hier 130 %) an. Dem entspricht eine Erhöhung
auf 130 %, wenn statt der Differenz der Endwert genannt werden soll. Da-
für ist auch die Präposition 'von', die Wendung 'in Höhe von' oder der Geni-
tiv ohne Präposition (z.B. 130 % des Wiederbeschaffungswertes) geeignet.
Ich weiß nicht, ob man diese elementare Schulweisheit im Jurastudium ver-
lernt, denn das o.a. Zitat wurde in zahlreiche Anwaltsportale kritiklos genau
so falsch aus der Pressemitteilung des AG München übernommen. Lediglich
in dem Verkehrslexikon von Hans Giese wurde der Text redaktionell über-
arbeitet und mit "...nur in Höhe von bis zu 130 % des Wiederbeschaffungs-
werts zu gewähren." sachlich richtig wiedergegeben.
umgang- sunwillig: ° statt richtig 'umgangs- unwillig'
[Aus einem Leserbrief in der hiesigen Tageszeitung]
Zusammengesetzte Wörter werden nach ihren erkennbaren Bestandteilen
getrennt [1b]. Dabei gehört das Fugen-s wie jeder andere Konsonant
am Ende des ersten Bestandteils bei der Trennung nicht zu dem mit einem
Vokal beginnenden zweiten Bestandteil (z.B. 'Hoheits- akt' und nicht
'Hoheit- sakt' [1]). Somit hat das o.a. Wortungetüm nur folgende vier
Trennfugen 'um|gangs|un|wil|lig' und keine anderen!
Umleitungsbeschilderung: ¹ statt besser 'Umleitungsschilder'
Umleitungsempfehlung: ¹ statt besser 'Umleitung empfehlen'
  1. "Bitte folgen Sie der Umleitungsbeschilderung."
  2. "Wir haben eine Umleitungsempfehlung für Sie."
[Aus verschiedenen Verkehrsmeldungen des regionalen Hörfunksenders]
Beim Gebrauch von zusammengesetzten Wörtern, die aus zwei mit dem Suf-
fix '-ung' gebildeten Verbalsubstantiven bestehen, müssten sich einem stilbe-
wussten Deutschen alle Haare sträuben. Sie sind nämlich als schwerfälliges
Behördendeutsch kam noch zu überbieten. Dennoch bekommen wir die ge-
nannten Wortungetüme in den Verkehrsmeldungen unseres regionalen Hör-
funksenders immer wieder um die Ohren gehauen. Vermutlich werden diese
Texte aus den Meldungen der Verkehrspolizei unverändert übernommen,
ohne dass deren lupenreines Behördendeutsch verwässert wird (siehe auch
Bedienung, Beschilderung, Bevölkerung und Substantivismus mit '-ung').
Wieviel flüssiger klingt dagegen
  1. "Bitte folgen Sie den Umleitungsschildern." bzw.
  2. "Wir empfehlen Ihnen folgende Umleitung."
unsere: ³ statt richtig 'seine' (falsches Possessivpronomen, Plural statt Singular)
"Das XYZ-Inselhotel „NN“ sucht ab sofort Mitarbeiter/in für unsere Rezeption.
Zum 1. März Mitarbeiter für unser/e Gaststätte/Restaurant gesucht.
Nähere Informationen und Bewerbungen unter XYZ-Inselhotel „NN“
z.Hd. Kontaktperson, Anschrift" [Stellenanzeige in einer Inselzeitschrift]
Der Inhalt dieser zweispaltigen Anzeige, der hier als Fließtext zitiert ist,
lässt zwar erkennen, was gemeint ist, hätte jedoch zum Gewinnen eines
Preises für richtige Grammatik oder gelungenen Stil keinesfalls ausge-
reicht. Die Anzeige ist zweiteilig, weil zu zwei Terminen Mitarbeiter für
verschiedene Aufgaben gesucht werden. Im ersten Teil kann 'das Insel-
hotel' (3. Person Singular) Mitarbeiter nur für 'seine Rezeption' suchen
und nicht für 'unsere Rezeption' (1. Person Plural)! Das geschlechtsneu-
trale Kunstwort 'Mitarbeiter/in' ist zwar unschön, deutet jedoch an, dass
offenbar eine Stelle angeboten wird, denn die männliche Form 'Mitarbei-
ter' ist in Ein- und Mehrzahl identisch, und eine Zahlenangabe fehlt. Im
zweiten Teil der Anzeige (zum 1. März) bleibt völlig unklar, ob zu diesem
Termin nur männliche Saisonkräfte gesucht werden und wie viele, denn
es fehlt nicht nur die Anzahl, sondern im Gegensatz zum ersten Teil auch
noch eine Geschlechtsangabe (siehe auch geschlechtsneutrale Bezeich-
nungen
). Die Sparformulierung 'unser/e Gaststätte/Restaurant' mit der
Betriebsangabe 'XYZ-Inselhotel „NN“' ist nach meinem Sprachempfinden
an Scheußlichkeit kaum noch zu überbieten. Erstens passt auch hier
'unser/e' (1. Person Plural) nicht zum ausschreibenden 'XYZ-Inselhotel'
(3. Person Singular), und zweitens wirkt dieses geschlechtsabhängige
Possessivpronomen vor den zusamengefassten Substantiven mit verschie-
denem Geschlecht ziemlich gekrückt. Hier hätte nur ein Begriff, z.B. 'Res-
taurant', wesentlich eleganter gewirkt. Auch die gemeinsame Präposition
'unter' für 'nähere Informationen' und 'Bewerbungen' ist stilistisch verun-
glückt. Diese Präposition trifft nur für die Informationen zu, denn Bewer-
bungen richtet man immer noch 'an' jemanden und nicht 'unter' jemanden.
Unterricht unterrichten: * ¹ statt richtig 'Unterricht abhalten' oder
'Sachkunde unterrichten'
"Die Ausbilder Hans-Heinrich K., Andreas K. und Christian B. unterrich-
teten
nach den Vorschriften für den Erweb des Sachkunde-Nachweises im
Sinne des Waffengesetzes innerhalb des Niedersächsischen Sportschützen-
verbandes (NSSV) in mehr als 16 Vollzeitstunden theoretischen und prakti-
schen Unterricht." [Aus einem Artikel in einer kostenlosen Monatszeitschrift]
Offensichlich hat der Redakteur in dem zitierten Bandwurmsatz aus mehr
als 35 Wörtern (einschließlich Zahlen und Abkürzungen) selbst die Über-
sicht verloren, so dass er den im Zitat fett hervorgehobenen Pleonasmus
(unterrichteten ... Unterricht) nicht einmal bemerkt hat. Im Artikel wa-
ren auch die Familiennamen der drei Ausbilder ausgeschrieben. Der drei-
malige Genitiv 'des Sachkunde-Nachweises', 'des Waffengesetzes' und
'des NSSV' wird zwar durch die dazwischen eingefügten Wörter etwas ab-
gemildert, macht aber den ganzen Satz gemeinsam mit dessen Länge und
dem doppelt gemoppelten Unterricht zu einer gelungenen Stilblüte. Auch
die 'Vollzeitstunden' (zu 60 Minuten) gegenüber üblichen 'Unterrichtsstun-
den' (zu 45 Minuten) wirken aufgebläht. Gebräuchlich ist hierfür der Be-
griff 'Zeitstunden', falls sie von den verkürzten 'Stunden' unterschieden
werden sollen. 'Vollzeit' und 'Teilzeit' haben nämlich eine feste Bedeutung
bei der täglichen Arbeitszeit. Es ist sicher nicht leicht, gesetzliche Vorga-
ben (z.B. aus dem Waffenrecht) in verständliches Deutsch zu 'übersetzen',
aber in einem Bericht über einen Sachkundekursus sind nach meiner An-
sicht schwerfällige juristische Formulierungen nicht um jeden Preis er-
forderlich. Doch der Verfasser des zitierten Satzes kann seine Berufsjahre
in der Kommunalverwaltung offenbar nicht verleugnen.
Unterstellhäu- schen: ° statt richtig 'Unterstellhäus- chen'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung] ––> Häu- schen
Urlaub- squartiere: ° statt richtig 'Ur- laubs- quar- tie- re'
[Aus einem Artikel auf der Titelseite einer Inselzeitung]
Diese unsinnige Trennung entspricht keiner Trennungsregel, weder einer zu-
treffenden noch einer unzutreffenden! Es ist unglaublich, welcher Unsinn in
heutigen Trennungsalgorithmen programmiert wird!
[^]
Ve- rarbeitung: ° statt richtig 'Ver- ar- bei- tung'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Zusammengesetzte Wörter mit der Vorsilbe 'vor', z.B. 'vorab' und 'voraus',
hatten früher nur eine Trennfuge zwischen den beiden Teilvörtern 'vor|ab' bzw.
'vor|aus'. Nach der neuen Rechtschreibung ist eine weitere (rot markierte)
Trennfuge hinzugekommen 'vo|r|ab' bzw. 'vo|r|aus', die der heute gebräuchli-
chen Aussprache z.B. 'vo- raus', eintpricht. Das gilt aber keinesfalls für das
Wort 'Ver|ar|bei|tung', das im Duden [1] nur diese drei Trennfugen hat.
[^]
verbeamten: ¹ ³ verbeamtet statt richtig 'beamtet'
"Ein verbeamteter Postbote hat ... rund 100 Euro gestohlen."
[Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung über ein Gerichtsurteil]
Wenn jemand ein Amt innehat, dann ist er beamtet oder je nach
Geschlecht ein Beamter bzw. eine Beamtin. Wenn jemand ein Amt erhält,
dann wird er beamtet oder zum Beamten (bzw. zur Beamtin) ernannt,
sei es auf Zeit, auf Widerruf, zur Probe oder auf Lebenszeit. Das Verb
'verbeamten' ist Behördenjargon bzw. -slang, obwohl es im Duden [1]
steht. Das adjektivisch gebrauchte Partizip 'verbeamtet' (statt beamtet)
für einen etablierten Beamten ist und bleibt jedoch eine reinrassige
Stilblüte aus dem Juristen- bzw. Behördendeutsch, aber vielleicht wird
ja demnächst auch noch ein 'Verbeamteter' erfunden. Zum Glück wurde
der Autor in seinem Berufsleben nie verbeamtet, sondern alle fünf Mal
ordnungsgemäß ernannt.
verdächtige Beobachtungen machen: ¹ statt besser 'Verdächtiges beobachten' oder
'verdächtige Ereignisse (bzw. Vorkommnisse) beobachten'
"Die Polizei sucht Leute, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Vermutlich hat der Sender diesen Aufruf in schlechtem Behördendeutsch(!)
unmittelbar aus einer Pressemeldung der Polizei übernommen, ohne dass
der Redakteur auch nur bemerkt hätte, was für eine Stilblüte er mit dieser
substantivistischen Formulierung verbreiten lässt. Wie viel flüssiger hätte
dagegen z.B. die folgende Formulierung geklungen: Die Polizei sucht Leute,
die etwas Verdächtiges beobachtet haben.
Verdachtsmoment, der: ² statt richtig 'das Verdachtsmoment'
"... es gebe einen Verdachtsmoment ..."
[Aus den Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
'Der Moment' ist ein zeitlicher Begriff und bedeutet 'Augenblick',
'Zeitpunkt', 'kurze Zeitspanne'. 'Das Moment' ist hingegen ein
'ausschlaggebender Umstand', 'Gesichtspunkt' oder 'Produkt aus zwei
physikalischen Größen'. Damit muss es eindeutig 'das Verdachtsmoment'
heißen [1] bzw. im zitierten Text 'ein Verdachtsmoment'! Aber die Profis
der deutschen Sprache sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Verdienst: ² 'der Verdienst' statt hier richtig 'das Verdienst'
  1. 'der Verdienst' zur Würdigung des NDR-Intendanten:
    Um seine Arbeit zu würdigen, wurde " 'der Verdienst'
    des scheidenden NDR-Intendanten" gelobt.
    [Aus einer Lobrede im regionalen Hörfunksender]
  2. 'der Verdienst' der Braunschweiger Fußballpioniere:
    "... beiden kommt der Verdienst der Einführung zu."
    [Aus einem Artikel in der hiesigen Tageszeitung]
Gemeint ist aber zweifellos in beiden Fällen nicht das Einkommen (der
Verdienst) des NDR-Intendanten bzw. der Fußballpioniere, sondern deren
anerkennenswertes Wirken (das Verdienst) für den Rundfunk bzw. für das
Fußballspiel.
verg- nüglich: ° statt richtig 'ver- gnüg- lich'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch
(unzulässige Trennung nach [1c] unter Missachtung von [1b]).
Verkäuferin als Ganztagsstelle: ³ falsches Bindewort (falsche Konjunktion)
"Wir suchen Verkäuferin als Halb- oder Ganztagsstelle."
[Stellenanzeige eines Schuhhauses in einer Inselzeitung]
'Als' kann ein Bindewort der Zeit (temporal) oder, wie in diesem Fall,
der Art und Weise (modal) sein [2]. Die modale Konjunktion 'als'
führt jedoch gedanklich in die Irre, denn sie leitet ein, welcher Art die
Arbeit der Verkäuferin sein soll. Richtig wäre z.B. als Filialleiterin,
Kundenberaterin, Stellvertreterin der Inhaber u.a.m. Keinesfalls kann
die Verkäuferin jedoch eine Halb- oder Ganztagsstelle sein, wie es im
Anzeigentext als Stilblüte ausgedrückt wird. Gemeint ist dagegen
sicherlich: "Wir suchen Verkäuferin für halb- oder ganztags." bzw.
"Wir suchen Verkäuferin und bieten Halb- oder Ganztagsstelle."
verletzt: ³ Unterschied zwischen Tat- und Leideform bzw. Aktiv und Passiv
"Auf der Fahrt der Polarstern verletzten sich 27 Passagiere."
[Aus den Mittagsnachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Die in der Tatform (Aktiv) formulierte Aussage erweckt den unzutreffenden
Eindruck, die Passagiere hätten selbst entscheidend zu ihren Verletzungen
beigetragen. Tatsächlich wurde jedoch ein paar Wochen zuvor bei einer
Fahrt von Helgoland nach Borkum in schwerem Wetter mit hohen Wellen
ein Teil der Reling abgerissen und durch ein Panoramafenster in den
Fahrgastraum des Katamarans "Polarstern" geschleudert. Der einzige
aktive Beitrag der dabei verletzten Passagiere war der, dass sie sich bei
dieser Fahrt zufällig an Bord des Schnellbootes befanden. Die o.a. Aussage
hätte also sinngemäß in der Leideform (Passiv) formuliert sein müssen:
"Auf der Fahrt der Polarstern wurden 27 Passagiere verletzt." Aber der-
maßen fundierte Deutschkenntnisse kann man wohl heutzutage von einem
Nachrichtenredakteur nicht mehr erwarten.
vermischter Warenhändler: ³ statt richtig 'Gemischtwarenhändler'
"Der vermischte Warenhändler Horace Vandergelder"
[Person in der deutschen Inszenierung des Musicals 'Hello Dolly' um 1965]
Das Musical Hello Dolly beruht auf der Posse mit Gesang 'Einen Jux will
er sich machen' (1842) von Johann Nepomuk Nestroy (1801 – 1862). Darin
mokiert sich Nestroy bereits vor mehr als 170 Jahren mit dem 'vermischten
Warenhändler' Zangler über diese falsche Bildung von zusammengesetzten
Hauptwörtern (Komposita). Gehört zum ersten Teilwort ursprünglich eine
Beifügung (Attribut), z.B. 'vermischte Waren', dann ist deren Händler kein
'vermischter Warenhändler', weil sich das Attribut hier auf den Händler
bezieht und nicht mehr auf die Waren. Weitere Fehler dieser Art, über die
sich bereits Nestroy mit vollem Recht lustig gemacht hat, sind nach [7]:
  • der vierstöckige Hausbesitzer (Besitzer eines vierstöckigen Hauses)
  • der siebenköpfige Familienvater (Vater einer siebenköpfigen Familie)
Zu diesem Fehlertyp gehören auch falsche Ableitungen wie:
  • die rote Kreuzschwester (Rotkreuzschwester / Rote-Kreuz-Schwester),
    die Schwester ist nicht rot, sondern arbeitet für das Rote Kreuz
  • der heiße Würstchenverkäufer (Heiße-Würstchen-Verkäufer),
    nicht der Verkäufer ist heiß, sondern die von ihm verkaufte Ware
  • der anorganische Chemiker (Fachmann für anorganische Chemie),
    nicht der Chemiker ist unbelebt, sondern die betreffende Chemie
  • der theoretische Physiker (Fachmann für theoretische Physik),
    nicht der Physiker ist theoretisch, sondern sein Fachgebiet
  • die stehenden Ovationen (begeisterter Beifall),
    nicht der Beifall steht auf, sondern das applaudierende Publikum
  • die reifen Maisfelder (Felder mit reifem Mais),
    nicht die Felder sind reif, sondern der darauf angebaute Mais
  • die feinen Sandstrände (Strände mit feinem Sand),
    nicht die Strände sind fein, sondern deren Sand
  • die sexuellen Missbrauchsfälle (Fälle sexuellen Missbrauchs)
    nicht die Fälle sind sexuell, sondern der Missbrauch
  • das zweireihige Harmonika-Album
    (Album für zweireihige Harmonikas),
    nicht das Notenalbum ist zweireihig, sondern die Harmonika
  • der Unternehmensname 'Leonische Drahtwerke AG', 1931 – 1999,
    (Werke für Leonischen Draht), ab 1999: 'Leoni AG',
    die Firma sitzt nicht in León, sondern stellt Leonischen Draht her
  • der schwere Straftäter (Begeher einer schweren Straftat)
    nicht der Straftäter ist schwer, sondern die von ihm begangene Tat
  • ambulantes Operationszentrum (Zentrum für ambulante Operationen),
    nicht das Zentrum ist ambulant, sondern die dortigen Operationen
  • das jungfräuliche Fischfilet (Filet jungfräulicher Fische),
    nicht das Filet ist jungräulich, sondern die Fische waren es
  • der gemischte Salatteller (Teller mit gemischtem Salat),
    nicht der Teller ist gemischt, sondern der Salat
  • das fangfrische Fischgericht (Gericht aus fangfrischem Fisch),
    nicht das Gericht ist fangfrisch, sondern der Fisch
  • die sauberen und gut erhaltenen Sachspenden
    (Spenden sauberer und gut erhaltener Sachen),
    nicht die Spenden sind sauber und gut erhalten, sondern die Sachen
verschärfteres:* statt richtig 'verschärftes' oder 'schärferes'
"... forderte von den Behörden ein verschärfteres Vorgehen gegen Umwelt-
verstöße." [Aus den 8.00-Uhr-Nachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Auch die Vergleichsformen (Komparationen) von Adjektiven bleiben von
der Sucht zur Übertreibung nicht verschont, wie man an diesem Beispiel
sieht. Die normale Vergleichsform (Komparativ) von 'scharf' ist 'schärfer'.
Das adjektivisch gebrauchte Partizip 'verschärft' des Verbs 'verschärfen'
drückt bereits eine Steigerung aus, so dass 'verschärfter' eine unzulässige
zweite Steigerung und damit doppelt gemoppelt ist.
Veschlus- szustand: ° statt richtig 'Verschluss- zustand'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Offensichtlich ist das Trennen zusammengesetzter Wörter nicht nur
schwierig, wenn das zweite Teilvort mit einem Vokal beginnt, sondern
auch in diesem Fall, der gegen [1b] verstößt. Der Ver|schluss|zu|stand
hat nur diese drei Trennfugen, denn der Soll|zu|stand wird ja auch nicht
zwischen den beiden 'l' getrennt [1].
verseucht (Verseuchung): ³ statt richtig 'verunreinigt', kontaminiert' oder 'belastet'
"Asse-Gegner warnen vor radioaktiver Verseuchung"
[Zweitüberschrift zu einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Immer wieder wird in verschiedenen Medien von einer 'radioaktiven
Verseuchung' berichtet, weil diese Vokabel so schön dramatisch klingt.
Eine Seuche ist jedoch eine schwere Infektionskrankheit, die zahlreiche
Menschen oder Tiere befällt. Diese Krankheitserreger sind üblicherweise
parasitäre Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Pilze, Viren, oder auch
größere Parasiten. Im Bundesseuchengesetz ist eine längere Liste von
Seuchen angegeben und geregelt, wie sie zu bekämpfen sind. Schäden
durch Radioaktivität gehören jedenfalls nicht dazu, weil keine Infektion
von Mensch zu Mensch im Sinne einer Seuche möglich ist. Strahlenschäden
erleidet man hingegen durch radioaktive Strahlung, besonders, wenn sich
strahlendes Material am oder sogar im Körper befindet. Deshalb ist
Strahlenschutz etwas ganz anderes als Seuchenbekämpfung. Aber der
Begriff 'Seuche' und seine Ableitungen klingen nun mal so schön dramatisch,
dass kaum ein Sensationsredakteur darauf verzichten möchte, um heimliche
Ängste zu schüren, (siehe auch: Detonation, rasen, Super-GAU).
Versorgungsspannung: ³ statt besser 'Betriebsspannung'
[Aus zahlreichen technischen Berichten und Datenblättern der Elekronik]
Versorgungsspannung ist aus zwei mit '-ung' substantivierten Verben
zusammengesetzt und könnte daher kaum noch stilwidriger sein. Von
der Prägnanz seines (teil-)wörtlich übersetzten englischen Vorbildes
'supply voltage' ist bei diesem Wortungetüm leider nichts übrig
geblieben. Na gut, an dem Teilwort 'Spannung' läßt sich wenig ändern,
aber bevor wir englischen Begriffen hörig geworden sind, hieß es
'Betriebsspannung', und das wirkt immer noch deutlich füssiger.
Vielfache und Bruchteile von Einheiten:
––> Bruchteile von Einheiten
––> Vielfache von Einheiten
vierstöckiger Hausbesitzer: ³ statt richtig 'Besitzer eines vierstöckigen Hauses'
[aus 7] ––> vermischter Warenhändler
Vorankündigung, Vorwarnung: * statt richtig 'Ankündigung' bzw. 'Warnung'
[Verbreitete Modewörter]
Eine 'Ankündigung' weist auf ein in der Zukunft vorgesehenes Ereignis hin
und eine 'Warnung' auf eine in der Zukunft oder bei mangelnder Vorsicht
bestehende Gefahr. Danach wäre eine 'Vorankündigung' bzw. 'Vorwarnung'
ein Hinweis auf die bevorstehende Ankündigung bzw. Warnung und nicht
auf das Ereignis selbst, so wie Vorwegweiser den folgenden Wegweiser
ankündigt und nicht bereits die abzweigende Straße. In diesem Sinne wer-
den die Begriffe 'Vorankündigung' und 'Vorwarnung' jedoch meistens nicht
gebraucht und sind daher doppelt gemoppelt.
Vorschlag, in ~ gebracht: ¹ statt besser 'vorgeschlagen'
"Hier wurde zunächst ... in Vorschlag gebracht."
[Aus einer kostenlosen Monatszeitschrift]
Bessere Alternative: "Hier wurde zunächst ... vorgeschlagen."
Wa- echter: ° statt richtig 'Waech- ter'
[Aus einem Interview der hiesigen Tageszeitung] (an 2 Stellen falsch getrennt)
In dem Interview mit Prof. Kay Waechter, einem Spezialisten für öffentli-
ches Recht, wurde dessen Familienname zweimal in der zitierten Weise ge-
trennt. Dieser Name wird sicherlich als 'Wächter' ausgesprochen, weil der
Doppelvokal 'ae' die alte Schreibweise des Umlautes 'ä' ist, denn was soll-
te man sich unter einem 'echten Wa' vorstellen? Einige der neueren Satz-
programme trennen jedoch immer rücksichtsloser zwischen aufeinander-
folgenden Vokalen, auch wenn beide Vokale zu einer Silbe gehören (siehe
auch Bo- ehm und Mu- ehl). Nach [1] werden außerdem nicht getrennt:
Doppellaute (Diphthonge) ai, au, äu, ei, eu, oi, stumme Dehnungsbuch-
staben e und i (z.B. in Wie|se, Soest, Coes|feld, Trois|dorf) und selbstver-
ständlich die in zwei Buchstaben aufgelösten Umlaute (ae = ä, oe = ö,
ue = ü). 'Wächter' ist nämlich keinesfalls 'Waëchter', bei dem die beiden
Vokale 'a' und 'e' zu verschiedenen Silben gehören und getrennt gespro-
chen werden, so wie das 'o' und 'e' bei der französischen Automobilmarke
'Citroën'. Das beste Beispiel für einen als 'oe' geschriebenen Umlaut 'ö'
ist der in [1] zu findende Name des deutschen Klassikers Goe|the mit nur
dieser einen Trennfuge.
Waffenhandel: ³ vermeintlicher Waffenhandel des Landes Niedersachsen
"Niedersachsen handelt mit Polizeiwaffen
Innenministerium macht ausgemusterte Pistolen zu Geld –
Winnenden-Eltern äußern Unverständnis"
[Überschrift mit zwei Untertiteln auf Seite 1 der hiesigen Tageszeitung]
Die Sucht nach sensationslüsternen Schlagzeilen und/oder Berichten
macht auch vor unserer ansonsten eher moderaten Tageszeitung offen-
sichtlich nicht halt. Nach meinem Sprachgefühl suggeriert diese Wort-
wahl die völlig unzutreffende Assoziation, unser Bundesland betriebe
illegale Waffenschieberei. Schon das Verb 'handeln' geht völlig am Kern
der Sache vorbei! Das Land treibt nämlich keineswegs geschäftsmäßi-
gen Handel (als Selbstzweck oder aus Gewinnstreben), sondern gibt
ausrangierte Polizeiwaffen unter Beachtung der gesetzlichen Bestim-
mungen an den Meistbietenden ab. Das geschieht übrigens auch mit
anderem ausgesonderten Inventar, z.B. mit Polizei-, Feuerwehr- und
Bundeswehrfahrzeugen und vielerlei anderem nicht mehr benötigten
bzw. geeigneten Gerätschaften, die nach dem öffentlichen Haushalts-
recht möglichst gewinnbringend zu verwerten ist. Der Bund hat dafür
seit 1951 sogar ein eigenes Unternehmen, die VEBEG GmbH, als
Treuhandgesellschaft zur Verwertung von ausgemustertem Eigentum
des Bundes und anderer öffentlicher Auftraggeber. Davon scheinen
aber weder der Redakteur noch die als Moralapostel zitierten Politiker
die geringste Ahnung zu haben, es sei denn, sie verdrängen dieses
Wissen ganz bewusst. Nach dem Bericht wurden in mehreren voraus-
gegangenen Jahren ingesamt 13 000 ausgemusterte Polizeipistolen
für 2,8 Mio € an den Hersteller verkauft. Als Gipfel an Taktlosigkeit
empfinde ich, mit diesem Vorgang die Eltern in Winnenden zu behel-
ligen und deren Betroffenheit für diesen Artikel auszuschlachten.
Wahl-Werbebriefe an Verstorbene: ³ statt richtig
'passende Satzstellung im Hauptsatz' oder 'passender Einschub des Nebensatzes'
"Die CDU hatte Adressen von der Post gekauft, die zum Teil seit Jahren überholt
sind." [Untertitel in der hiesigen Tageszeitung] ––> falscher Bezug im Relativsatz
Wasserhydrant: * statt richtig 'Hydrant'
Nachdem mehrere Jugendliche in einem Schulgebäude ein paar Feuerlöscher
entleert hatten, wurde zum Schuss auch noch ein "Wasserhydrant" geöffnet.
[Aus den Mittagsnachrichten des regionalen Hörfunksenders]
Ein Hydrant ist nach [1] eine Zapfstelle zur Wasserentnahme, besonders
für Feuerlöschzwecke. Dieser deutsche Begriff ist von dem griechischen
Wort Hydro = Wasser abgeleitet. Dieses Wissen von einem Nachrichten-
redakteur zu erwarten, ist heutzutage offenbar zu viel verlangt, denn
der 'Wasserhydrant' ist zweifelsohne doppelt gemoppelt.
Waterto- orn: ° statt richtig 'Wa- ter- toorn'
[Plattdeutscher Begriff aus einem Artikel in einer Inselzeitung]
'Watertoorn' ist die plattdeutsche Bezeichnung für einen 'Wasserturm'.
Dabei ist der Toorn genau wie der Turm ein einsilbiges Teilwort und kann
nicht getrennt werden. Die Regel [1d], dass zwischen Vokalen getrennt
werden darf, die zu verschiedenen Silben gehören, wird von automatischen
Trennprogrammen immer wieder bei einsilbigen Wörtern missbraucht (siehe
auch Mo- os).
wegen mit Dativ: ³ statt richtig 'mit Genitiv'
  1. "... wegen dem Schild" [Aus dem Film "Die Feuerzangenbowle"]
  2. "... wegen dir, wegen dir, wegen dir ..."
    [Aus dem gleichnamigen Schlager von Nicki]
In dem Kultfilm 'Die Feuerzangenbowle' von 1944 wird der Abiturient
Rosen (Hans Richter) von Professor Crey gen. Schnauz (Erich Ponto)
nachdrücklich darauf hingewiesen, dass es richtig 'wegen des Schildes'
heißt (1.). Aber besonders in Süddeutschland breitet sich 'wegen mit
Dativ' immer mehr aus. Nur so ist wohl zu verstehen, warum Nicki
ihren Hörern in dem genannten Schlager die Behauptung 'wegen dir' so
oft um die Ohren haut, bis der Arzt kommt (2.). Natürlich sagt niemand
mehr 'wegen deiner', doch der richtige Ausdruck ist 'deinetwegen'.
wegreisen, Häuser ~: ³ statt richtig 'Häuser wegreißen'
"Gasexplosion reist Häuser weg"
[Artikelüberschrift in der hiesigen Tageszeitung]
Die Ligatur 'ß' ist als sog. scharfes 'S' mit der letzten Rechtschreibreform
keineswegs abgeschafft worden! So haben die beiden Wörter 'reisen' =
'unterwegs sein, wegfahren' und 'reißen' = 'zerren, bersten' unterschied-
liche Bedeutungen. Insofern entbehrt diese offenbar durch einen Tippfeh-
ler entstandene Stilblüte nicht einer gewissen Komik. (Siehe auch Busse –
Buße
und Masse – Maße.)
weibliche Kolleginnen: * oder gibt es etwa auch 'männliche Kolleginnen?
"Sie unterstützen ihre weiblichen Kolleginnen dabei."
[Mehrmaliger Bericht über die 'grünen Herren' im regionalen Hörfunksender]
'Kollegen' bzw. 'Kolleginnen' sind an sich schon geschlechtsspezifisch,
wobei man allenfalls den Gattungsbegriff 'Kollegen' als geschlechtsneutral
auffassen kann. Also meinetwegen 'männliche' und 'weibliche' Kollegen,
wenn der Gegensatz von 'Kollegen' und 'Kolleginnen' betont werden soll,
aber bitte keine doppelt gemoppelten 'weiblichen Kolleginnen'!
weil: ³ mit falscher Wortstellung im Kausalsatz
"Der Unfall ereignete sich, weil der Fahrer war übermüdet."
[Einfaches Beispiel für die falsche Wortstellung im Kausalsatz mit weil]
statt richtig: "Der Unfall ereignete sich, weil der Fahrer übermüdet war."
Um diese inzwischen weit verbreitete falsche Wortstellung in einem mit der
Konjunktion 'weil' eingeleiteten Nebensatz aufzuklären, sollten wir uns daran
erinnern, was die Grammatik über den Satzaufbau in der deutschen Sprache
festlegt. Danach hat ein Hauptsatz als normaler Aussagesatz die Struktur
Satzgegenstand (Subjekt) Satzaussage (Prädikat, Verb) Satzergänzung(en).
Von Sonderformen abgesehen, sind Subjekt und Prädikat für einen vollständigen
Satz zwingend erforderlich, während eine oder mehrere Ergänzungen nur bei
Bedarf hinzugefügt werden. Ergänzungen sind hauptsächlich die Objekte in den
unterschiedlichen Fällen (Akkusativ, Dativ, Genitiv) und/oder die verschiedenen
Umstandsbestimmungen (des Ortes, der Zeit, der Art und Weise) u.a. In dem
Nebensatz eines Satzgefüges ändert sich grundsätzlich die Wortstellung zu
Bindewort (Konjunktion) Satzgegenstand Satzergänzung(en) Satzaussage,
d.h. das Verb steht hinter den Ergänzungen!! Ein Kausalgefüge liegt vor, wenn
im Nebensatz der Grund für das Geschehen im Haupsatz angegeben wird. Solche
kausalen Nebensätze werden nach [2, # 941, 949] mit den Konjunktionen 'weil',
'da', 'zumal', 'umso mehr als', 'nachdem' u.a. eingeleitet. Also keine Chance, das
o.a. Beispiel ist wirklich falsch und klingt so, als könne sein Sprecher oder Schrei-
ber nur gebrochen Deutsch! Umso schlimmer ist die Tatsache, dass zunehmend
auch Profis der deutschen Sprache bzw. solche, die es sein und werden wollen,
diesen Fehler immer mehr kultivieren. Dagegen brächte es wohl kaum jemand
übers Herz zu sagen: "Wenn ich komme nach Hause, ..." statt "Wenn ich nach
Hause komme, ..." Ein Satzgefüge darf jedoch nicht mit einer Satzverbindung
verwechselt werden! Dabei sind zwei Hauptsätze mit einer der drei Konjunktionen
'und', 'oder', 'denn' [2, # 939] miteinander verbunden, ohne dass die Wortstellung
in dem zweiten Hauptsatz gändert wird! Dabei ist 'denn' die kausale Konjunktion
[2, # 931, 934], die es gestattet, den Sachverhalt des o.a. Beispiels durch eine
Verbindung zweier Hauptsätze richtig auszudrücken: "Der Unfall ereignete sich,
denn der Fahrer war übermüdet." Dies ist nämlich kein Satzgefüge! Es bleibt also
unklar, warum selbst gestandene Leute im täglichen Leben offenbar vergessen,
was sie in der Schule über die deutsche Sprache zu lernen Gelegenheit hatten.
weißmachen oder weismachen: ³ Farbe oder Weisheit, das ist die Frage
"Was versucht man hier der deutschen Bevölkerung weißzumachen?"
[Aus einem Leserbrief der hiesigen Tageszeitung]
Das Wort 'weißmachen' in dem Zitat bedeutet 'weißtünchen' bzw. 'mit wei-
ßer Frabe streichen', was hier aber ganz offensichtlich nicht zutrifft. Dage-
gen ist 'weismachen' ein umgangssprachlicher Ausdruck für 'vormachen',
'belügen', 'einreden' usw., der hier tatsächlich gemeint ist. Selbstverständ-
lich sieht man einem Leser nach, dass er sich bei einer solchen Feinheit
versieht. Ein Redakteur, der so einen Leserbrief zum Veröffentlichen aus-
sucht, sollte allerdings – als Profi der deutschen Sprache – eine korrigier-
te Version abtippen lassen bzw. zum Druck freigeben.
weitergehender: * statt richtig 'weitergehend' oder notfalls 'weitgehender'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung]
Der zitierte Ausdruck ist in dem verwendeten Zusammenhang nicht eine
gebeugte Form von 'weitergehend', sondern die Steigerung (Komparativ)
von beiden Teilwörtern dieses zusammengesetzten Adjektivs (nach der
Methode 'weitgehend', 'weitergehender', 'am weitestgehendsten' statt rich-
tig 'weitgehend', 'weitergehend', 'am weitestgehenden). Diese falsche Stei-
gerung beider Teilwörter ist jedenfalls doppelt gemoppelt (siehe auch
meistbefahrenst und bestangezogenst, bestaussehendst, bestbewertetst).
wie zum Beispiel: * statt richtig nur 'wie' oder nur 'zum Beispiel'
"Wir standen bei vielen Sachen, wie zum Beispiel beim Beach Soccer Turnier
vor der Entscheidung: ..." [Aus einem Interview in einer Inselzeitung]
Mit 'wie' oder mit 'zum Beispiel' bzw. 'z.B.' am Beginn einer Einfügung
(Apposition) schränkt man ein, dass die folgende Aufzählung nicht voll-
ständig ist oder ggf. nur ein einziges typisches Beispiel genannt wird. Da-
mit drücken diese beiden sinnähnlichen Einleitungen dasselbe aus und
ihre Kombination ist ein Pleonasmus, der den meisten Leuten gar nicht
mehr bewusst wird (siehe auch Rückantwort). Um den Satz klar zu glie-
dern, würde ich am Ende der Apposition, d.h.nach dem Wort 'Turnier',
immer ein zweites Komma setzen. Auf die Wortwahl und Schreibweise
des 'Beach Soccer Turnier' wird unter diesem Stichwort eingegangen.
Wiederverkäufer: ³ statt richtig 'Händler' oder 'Einzelhändler
[Aus etlichen Preislisten von Uhren- und Schmuckherstellern und -großhändlern]
Mit der Lieferung ausschließlich an 'Wiederverkäufer' wollen Hersteller und
Großhändler von Uhren und Schmuck verhindern, dass Privatleute den hohen
Rabatt (von 40 bis 60 %) erhalten, den sie den Einzelhändlern dieser Sparte
gewähren. Dies ist aber nur eine formale Hürde als Alibi gegenüber den
regulären Händlern, weil die sog. Wiederverkäufer weder in der Uhren- und
Schmuckbranche arbeiten noch überhaupt Kaufleute sein müssen. Es reicht,
wenn sie versichern, die Pretiosen weiterzuverkaufen. Damit ist dieser Begriff
eine typische Ausgeburt des Juristen- und Kaufmannsdeutschs.
Winterdestination: ³ statt besser 'Winterurlaubsziel'
oder 'Reiseziel im Winterurlaub' ––> Destination
wohl wahrscheinlich: * statt nur 'wahrscheinlich'
"Der Niederschlag wird wohl wahrscheinlich nachlassen."
[Aus der Wettervorhersage des regionalen Hörfunksenders]
Nach Überschwemmungen im Raum Osnabück hofften insbesondere die
Betroffenen auf Nachlassen der starken Niederschläge. Offenbar ließ
sich das noch nicht einigermaßen sicher erkennen, so dass der Wetter-
moderator seine Aussage durch den Pleonasmus 'wohl wahrscheinlich'
so weit wie möglich abgeschwächt hat, um den Betroffenen wenigstens
etwas Hoffnung zu vermitteln. Trotzdem ist diese Anhäufung sinnähnli-
cher Begriffe doppelt gemoppelt, und das Adjektiv 'wahrscheinlich' wäre
ohne 'wohl' stilistisch besser gewesen.
Wohnungseig- entümergemeinschaft: ° statt richtig 'Wohnungsei- gentümergemeinschaft',
oder besser 'Wohnungs- eigentümergemeinschaft'
[Aus einem Artikel in einer Vereinszeitschrift], (einer von vier Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch.
Dieses Wortungetüm, das aus drei Substantiven (Wohnung, Eigentümer und
Gemeinschaft) zusammengesetzt ist, stammt natürlich aus einem Gesetz, dem
Wohnungseigentumsgesetz (WEG). Ein Verein der Haus-, Wohnnungs- und
Grundeigentümer bzw. die Redaktion und deren Hilfsmittel für die Vereins-
zeitschrift sollten eigentlich in der Lage sein, mit diesen juristischen Begriffen
richtig umzugehen.
wohlbetucht: * statt richtig 'betucht'
[Verbreitetes Modewort]
'Betucht' ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für vermögend bzw. wohl-
habend. 'Wohlbetucht' ist damit doppelt gemoppelt.
würde als Hilfsverb zum Bilden des Konjunktivs II (Möglichkeitsform): ³
  1. "Ich würde sagen, ..." [Verbreitete Modefloskel]
  2. "Wenn ich das so machen würde, dann würden ..."
    [Volkstümliche Umschreibung des Konjunktivs II im Konditionalsatz]
Die Formulierung (1.) ist bedauerlicherweise weit verbreitet. Trotz des
Konjunktivs II (Möglichkeitsform) drückt sie weder eine Vorstellung noch
etwas Irreales aus [2, # 749], sondern wird als Ausdruck der Höflichkeit
oder Unverbindlichkeit verwendet [2, # 758]. Eine derart übertriebene
Unterwürfigkeit wurde schon 1921 von Curt Goetz, dem Altmeister der
Boulevardkomödie, verspottet. In seinem Dreiakter 'Ingeborg' hat der
Butler in dem herrschaftlichen Haus den Namen 'Herr Konjunktiv', weil
er vor Unterwürfigkeit kaum laufen kann und nur im Konjunktiv II redet.
So meldet er z.B. einen Besucher mit den Worten: "Da wäre ein Mann."
Wenn man also wirklich etwas zu sagen hat, das man höflich ausdrücken
möchte, dann sind Formulierungen wie 'ich schlage vor', 'ich bin der
Ansicht' u.a.m. allemal besser als das vermaledeite 'ich würde sagen'
(oder gar 'ich würde vorschlagen')! Ansonsten sollte man vielleicht besser
den Mund halten. In rechtlich verbindlichen Ausagen und Vereinbarungen
ist der Konjunktiv ohnehin völlig fehl am Platze.
Die zweimalige Umschreibung des Konjunktivs II mit 'würde' (2.) in einem
(irrealen) Konditionalgefüge entsprechend [2, # 782 – 784] ist und bleibt
eine echte Stilblüte. Unser Deutschlehrer an der bereits mehrmals erwähnten
Robert-Koch-Schule hat Mitschüler, die so etwas zu Papier gebracht hatten,
zwar nicht gleich aus der Klasse gejagt, aber seine Standpauken über diesen
Stilbruch sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Wenn der Konjunktiv II
im Hauptsatz 'dann würden ...' (2.) zu erkennen ist, dann muß er auch im
Konditionalsatz 'wenn ich ...' stehen, und es kann keine Missverständnisse
geben! Entsprechend [2, # 1775] heißt es deshalb in Beispiel (2.) stilistisch
richtig: "Wenn ich das so machte, dann würden ...". Aber leider bleibt es
wohl schwierig!
Wür- stchen: ° statt richtig 'Würst- chen'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung] (siehe auch Häu- schen)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
denn diese Trennung, bei der in einem gebräuchlichen deutschen Wort das
'st' gemeinsam mit der zweiten Silbe 'chen' auf der nächsten Zeile landet,
ist an Blödsinn kaum noch zu überbieten!
Zementgerippe: ³ statt richtig 'Betongerippe'
"Ein gewaltiges, bis zu siebenstöckiges Zementgerippe im Nordosten von
Detroit, ..." [Aus einem Artikel der hiesigen Tageszeitung]
Wie hier aus einem Artikel über den Niedergang der amerikanischen Auto-
mobilstadt Detroit zitiert, scheint auch anderswo vielen Jüngern der schrei-
benden Zunft der Unterschied zwischen 'Zement' und 'Beton' nicht klar zu
sein. Immer wieder sind nämlich in Zeitungen und Zeitschriften Begriffe
wie 'Zementfußboden', 'Zementwand' oder – wie hier – 'Zementgerippe' zu
finden. Zement ist ein hydraulisches Bindemittel, das beim Abbinden merk-
schwindet (schrumpft), so dass es in reiner Form für Bauwerke ungeeignet
ist. Sogar kleine Löcher können mit reinem Zement nicht dicht, d.h. nicht
ohne Schwindrisse, verschlossen werden. Für Bauwerke wird Zement des-
halb mit Zuschlagstoffen gemischt, die nicht schwinden. Das sind üblicher-
weise Kies oder Splitt verschiedener Körnung im Verhältnis von ca. 1 Teil
Zement auf 4 bis 6 Teile Zuschlag, aus denen sich, je nach Bedarf 'Beton',
'Estrich' oder 'Mörtel' ergibt. Da Beton zwar druckfest, aber nicht zugfest
genug ist wird er fast immer mit Stahleinlagen zu sog. Stahlbeton armiert.
Das zitierte 'Zementgerippe' bezog sich auf die in dem Artikel abgebildete
Ruine der ehemalichen Packard-Autowerke, die zwar Zement enthält, aber
offensichtlich aus Stahlbeton besteht.
zur Aufführung bringen: ¹ statt besser 'aufführen'
"Moderne Varianten der Hausmusik werden zur Aufführung gebracht."
[Aus einem Beitrag des regionalen Hörfunksenders]
In der Sendereihe 'Plattenkiste' des regionalen Hörfunksenders werden in
der Woche jeden Mittag unterschiedliche Gruppen vorgestellt. Das sind z.B.
Vereine, Verbände oder auch eng verbundene Arbeitskollegen, die sich für
diese Präsentation im Hörfunk bewerben können. Die Sprecherin des Vereins
'Salonfestival' wiederholte den zitierten vor finsterstem Substantivismus trie-
fenden letzten Teil der zitierten Aussage mehrmals auch in anderem Zusam-
menhang, so dass man ihn wirklich nicht mehr überhören konnte (siehe auch
Substantivismus (mit '-ung'). Wie leicht und elegant hätte demgegenüber ge-
klungen: 'Moderne Varianten der Hausmusik werden aufgeführt.'
[^]
zurückerinnern: * statt richtig 'erinnern'
"Gibt es Erlebnisse, an die Sie sich gerne zurückerinnern?"
[Frage der Moderatorin in einer Sendung des regionalen Hörfunksenders]
Sich an etwas 'erinnern' beschreibt schon vollständig, dass man etwas
Vergangenes bzw. Zurückliegendes nicht vergessen hat. 'Zurückerinnern'
ist damit doppelt gemoppelt. Einem der interviewten Besucher hätte ich
einen solchen Pleonasmus in einer Live-Sendung ja nachgesehen, aber
besonders Modertoren machen sich mit solchen Übertreibungen offenbar
gern interessant, obwohl sie als (vermeintliche?) Profs der deutschen
Sprache so etwas eigentlich vermeiden sollten.
zurückrekonstruieren: * statt richtig 'rekostruieren'
"Das lässt sich gar nicht zurückrekonstruieren."
[Aus einer Sendung 'Hellwach' des regionalen Rundfunksenders]
Das Thema der Rubrik 'Hellwach' waren an diesem Morgen ältere Führer-
scheinbilder und ältere Autos. In diesem Zusammenhang fiel der zitierte Satz
mit dem doppelt gemoppelten 'zurückrekonstruieren'. Nach [1] bedeutet
'rekonstruieren' bereits 'den ursprünglichen Zustand wiederherstellen bzw.
nachbilden'. Damit ist 'zurückrekonstruieren' genau so ein Pleonasmus wie
Düsenjet, Examensprüfungen, Grundprinzip, Kulturbanause, Rückantwort
oder TAN-Nummer.
zurückzahlen: ³ statt richtig 'nachzahlen'
"Steuern müssen samt Zinsen zurückgezahlt werden"
[Untertitel zum 'Fall Zumwinkel' in der hiesigen Tageszeitung]
'Zurückzahlen' kann man nur etwas, das zuvor gezahlt worden ist. Bei Steuern
entspricht die 'Rückzahlung' einer 'Steuererstattung', d.h. vom Finanzamt zum
Steuerzahler. Nicht rechtzeitig abgeführte Steuern (vom Steuerzahler zum
Finanzamt) kann man dagegen nur nachzahlen, denn sie sind kein Kredit, der
zurückgezahlt wird. Aber diese Logik scheint offenbar schwierig zu sein.
zusammenintegrieren: * statt richtig 'integrieren'
"Das Gerät wird zusammenintegriert."
[Modewort in mehreren Technikbereichen]
Integrieren heißt in dem hier gebrauchten Sinn bereits 'eingliedern' bzw.
'zusammenbauen'. 'Zusammenintegrieren' ist demnach doppelt gemoppelt.
Zusat- zumsatz: ° statt richtig 'Zusatz- umsatz' [1b] (Trennfugen nach [1] Zu|satz|um|satz)
[Aus einem Leserbrief in einer Inselzeitung] (einer von drei Trennungsfehlern)
Brutales Trennprogramm mit fehlendem oder unzureichendem Wörterbuch,
bei dem der letzte Konsonant des ersten Teilwortes mit auf der nächsten Zeile
landet, weil das zweite Teilwort mit einem Vokal beginnt.
zweig- leisig: ° statt richtig 'zwei- glei- sig'
[Aus einem Artikel einer Inselzeitung] (an zwei Stellen falsch getrennt)
Man bekommt in letzter Zeit zunehmend den Eindruck, dass die Program-
mierer von Trennungsroutinen in Satzsystemen die geltenden Regeln immer
unverschämter missachten. So wird immer brutaler nur der letzte von meh-
reren Konsonanten abgetrennt [1c], ohne die übergeordneten Regeln [1b]
und [1f] zu beachten, damit beim Lesen der Sinn einfacher erfasst werden
kann. Nach dem Duden [1] hat das Wort 'zwei|glei|sig nämlich nur diese
beiden Trennfugen! Bedauerlicherweise ist zu beobachten, dass zusätzliche
Trennfugen, durch die sich der Text beim Lesen schwerer erfassen lässt, so-
gar in den Duden [1] eingeführt worden sind (siehe Alb- recht und Ap- ril).
Zweireihiges Harmonika-Album: ³ statt richtig 'Album für zweireihige Harmonikas'
[Titel eines Notenalbums, um 1925] ––> vermischter Warenhändler
Zwischenhändler: * statt richtig 'Händler'
[Aus etlichen Wirtschaftsartikeln]
In der Versorgungskette von Produkten
'Hersteller —> Händler —> Verbraucher' agiert der Händler immer zwischen
Hersteller und Verbraucher, bei vielen Produkten in sogar zwei Stufen als
Groß- und Einzelhändler. Einen Zwischenhändler sucht man jedoch vergebens,
weil er nur als doppelt gemoppelter 'Händler' im wuchernden Kaufmannsdeutsch
existiert.
 
wird erweitert    [^ Inhalt]

 
4. Quellen & Fundstellen

[1]   Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung,
24. Auflage, © 2006 Dudenverlag,
Wörterverzeichnis A – Z und Regeln zur Worttrennung am Zeilenende
(§§ 107 – 113 und Kennzahlen K 164 – K 168) mit folgenden Kernaussagen:
a.
b.
 
c.
 
d.
 
e.
 
 
f.
Getrennt werden können nur mehrsilbige Wörter!
Einfache Wörter werden nach Sprechsilben, zusammengesetzte Wörter und
Wörter mit Vorsilben nach ihren erkennbaren Bestandteilen getrennt.
Ein einzelner Konsonant im Wortinneren kommt in der Regel auf die neue
Zeile; von mehreren Konsonanten trennt man nur den letzten ab.
Zwischen Vokalen, die zu verschiedenen Silben gehören, kann getrennt
werden.
Aber: Einzelne Vokalbuchstaben am Wortanfang oder -ende werden nicht
abgetrennt, auch nicht bei Komposita,
z. B.: Abend, Kleie, Ju-li-abend, Bio-müll,
und: Irreführende Trennungen bzw. Trennungen, die beim Lesen die
Sinnerfassung stören, sollten vermieden werden,
z.B.: An-alphabet (nicht: Anal-phabet), be-inhalten (nicht: bein-halten),
Spar-gelder (nicht: Spargel-der), Sprech-erziehung (nicht: Sprecher-ziehung),
Ur-instinkt (nicht: Urin-stinkt)
[2]   Die Grammatik, Unentbehrlich für richtiges Deutsch,
7. Auflage, © 2006 Dudenverlag
# 502:
 
# 704
# 748 –
# 749 –
# 758 –
# 782 –
 
# 930 –
# 934 +
 
# 941 +
 
Komparationsformen zusammengesetzter oder zusammengeschriebener
Adjektive (Adjektiv + Adjektiv oder Adjektiv + Partizip)
Liste starker/unregelmäßiger Verben
784: Die Funktionen des Konjunktivs (I und II), insbesondere
757 + 760: »Irrealität/Potenzialität«: Konjunktiv II
759: Der »höfliche« Konjunktiv II
784 + 1775: Umschreibung des Konjunktivs II durch 'würde + Infinitiv'
bei der Möglichkeit von Missverständnissen
952: Junktionen: die Konjunktionen und die Subjunktion, insbesondere
939: Die kausale Konjunktion 'denn' (bei- bzw. nebenordnend)
zwischen zwei Hauptsätzen zum Ausdrücken einer Begründung
949: Die kausale Subjunktion 'weil' zum Einleiten eines untergeordneten
Nebensatzes als Begründung des Hauptsatzes (Kausalgefüge)
[3]   Gerhard Hellwig: Lexikon der Maße und Gewichte,
© 1979/1989 Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH
[4]   Paul Dinges: Gutes Deutsch frei Haus,
© 1979 Merkur Verlag, Rinteln
[5] Collins: German – English / English – German Dictionary
Collins, London & Glasgow, 1980, ISBN 0-00-433481-7
Deutsche Ausgabe: Pons-Großwörterbuch,
Collins deutsch – englisch, englisch – deutsch
Lizenzausgabe für Ernst Klett, Stuttgart, 1. Aufl. 1981,
ISBN 3-12-517150-4
[6] LEO: Online-Wörterbuch http://dict.leo.org/*)
LEO GmbH in Zusammenarbeit mit der TU München, 1995 – 2006
a.
b.
Englisch/Deutsch
Französisch/Deutsch
[7]   Goetz Fischer: Schauderstube der Wiener Sprachblätter,
Schaudererregende Fehler der deutschen Sprache, 1999 – 2006
(Ehemalige Internetseite leider nicht mehr aufzufinden)
[8]   IBM: Fachausdrücke der Text- und Datenverarbeitung,
Wörterbuch und Glossar Englisch – Deutsch
© 1978, IBM Deutschland
[9]   Wikipedia (englisch): Significand,
http://en.wikipedia.org/wiki/Significand*)
Abschnitt: Use of "mantissa", 01.12.2009
[A]  Anmerkungen zu den Fundstellen der Stilblüten:
Die "zitierten Stilblüten" sind in Anführungszeichen angegeben, und deren
[Fundstellen] bzw. [Anwendungsgebiete] sind in eckigen Klammern
beschrieben. Über ältere oder allgemein verbreitete 'Sprachsünden', die
ich auf Notizzetteln gesammelt oder aus der Erinnerung aufgeschrieben
habe, gibt es keine weiteren Angaben zu den Fundstellen. Bei neueren
Einträgen steht zusätzlich eine genaue <!-- Angabe der Fundstelle --> als
Kommentar im Quelltext dieses HTML-Files unmittelbar unter der offen
sichtbaren [Fundstellen-Beschreibung]. Bei Bedarf kann es daher aussichts-
reich sein, unter [Ansicht] [Seitenquelltext] dort nachzuschauen.    [^ Inhalt]

 
5. Unvollständiges Hintergrundmuster
(nur bei Firefox)

Hinweis: Wenn in dieser recht langen Datei das marmorierte Hintergrundmuster nur im Anfangsbereich dargestellt wird und im Mittel- bis Endbereich ein gleichmäßiges Grau zu sehen ist, dann benutzen Sie wahrscheinlich den Browser Firefox in einer älteren Version oder mit einem älteren Windos-Betriebssystem (z.B. Windows XP). Da der HTML-Code dieser Internetseite korrekt ist, konnte dieses Fehlverhalten in anderen Browsern bisher nicht beobachtet werden. Der entsprechende Fehler ist dem Mozilla Support seit mehreren Jahren und Programmversionen bekannt als 'Bug 692350' HTML background image stops being replicated in long page. Es ist jedoch unklar, ob dieser Fehler tatsächlich nach den dort als Grenze genannten ~ 1600 Lines im Quellcode auftritt, oder ob sein Erscheinen eher von der Zahl der verarbeiteten Zeichen der Datei abhängt.

Unterschiedliche Codevarianten mit bzw. ohne CSS wirken sich auf dieses Fehlverhalten von Firefox nicht aus. Vermutlich liegt der Bug tief im Kern des Browsers und ist bisher über mehrere Versionen nicht gefunden worden. Als einzige Übergangslösungen (Workarounds) werden entweder kürzere Internetseiten oder die zusätzliche Festlegung einer Hintergrundfarbe empfohlen, deren Farbton zu dem Hintergrundmuster passt, damit der Übergang möglichst wenig auffällt. Das ist bei dieser Seite geschehen. – Der unter Windows 8.1 heruntergeladene Firefox-Browser hatte nach der Versionsangabe 30.0 den Zusatz 'Mozilla Firefox EU euballot - 1.1'. Diese Version hat das Hintergrundmuster erstmals bis zum Seitenende korrekt angezeigt. Das ist jetzt auch mit der aktuellen Firefox-Version 40.0.3 unter Windows XP der Fall.

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Stand: 23.10.2015 / © MG